Oldenburg. Im Land der Horizonte – so lautet die Eigenwerbung von Schleswig-Holstein – möchte der VfB Oldenburg am kommenden Sonntag ab 14 Uhr seine formidable Auswärtsbilanz des Jahres 2019 fortschreiben. In Egestorf, Bremen und Kiel haben die Blauen gepunktet, da versteht es sich, dass wir auch von Eintracht Norderstedt den einen oder anderen Zähler mitbringen wollen.

Die Ausgangslage macht allerdings deutlich, dass der sonntägliche Wettstreit eine gewisse Brisanz mit sich bringt. Das ist vor allem der Situation in Norderstedt geschuldet. Die Eintracht, personell eigentlich überdurchschnittlich gut besetzt, ist überraschend in Abstiegsgefahr. Aus 29 Spielen hat der Tabellenfünfzehnte bislang 30 Zähler generiert. Das reicht derzeit nur für den Relegationsplatz. Seit sieben Spielen sind die Norderstedter ohne Sieg.

Den Gegner allein an den Resultaten zu messen, würde sicherlich dazu verführen, Norderstedt zu unterschätzen. Tatsächlich hatte die Truppe von Trainer Dirk Heyne zuletzt auch viel Pech. In Flensburg etwa lieferte die Eintracht dem noch amtierenden Meister ein Spiel auf Augenhöhe, doch am Ende siegten die Gastgeber, weil sie eine Chance nutzten. Hier setzt auch das Norderstedter Problem an. Im Winter hat die Eintracht ihren Top-Torschützen verloren. Felix Drinkuth wurde vom SC Paderborn verpflichtet und bis zum Saisonende an die Sportfreunde Lotte ausgeliehen. Nach wie vor ist Drinkuth, der elf Treffer erzielte, bester Norderstedter Torschütze.

Ein Fakt, der überrascht, denn mit Mats Facklam, im Sommer aus Lotte gekommen, sowie Jan Lüneburg und Sinisa Veselinovic stehen drei weitere gefährliche Angreifer im Kader. Tatsächlich sind die drei Kicker allerdings am liebsten zentral unterwegs, Drinkuth hingegen kam zumeist über die Außenbahn. Sein Tempo fehlt der Mannschaft, die im Winter zwar mit Ex-Profi Ronny Marcos verstärkt wurde, aber in Deran Toksöz auch einen spielerisch starken Mittelfeldspieler verloren hat. Er wechselte zu Teutonia Ottensen.

Zudem gab es in dieser Saison immer mal wieder auch atmosphärische Störungen. So wurde etwa Kapitän Marin Mandic zeitweise suspendiert, obwohl der Innenverteidiger fraglos zu den besten auf dieser Position zählt. Mittlerweile steht fest, dass der Routinier die Eintracht im Sommer verlassen wird. Zum Kreis der unbedingt Gesetzten zählt er überraschend nicht mehr. Es sind andere, etwa der unverzichtbare Marcus Coffie, der 26 mal über 90 Minuten gespielt hat oder Philipp Koch (23 Spiele), Juri Marxen (22) und Nick Brisevac (22), die regelmäßig am Ball sind.

Anzunehmen ist, dass die Heyne-Elf am Sonntag vor allem ihre physische Robustheit abrufen wird. Angesichts der Situation werden sich die Oldenburger auf ein Kampfspiel einstellen müssen. Schon im ersten Vergleich, den die Blauen mit 3:1 gewinnen konnten, ging es durchaus robust zur Sache.

Nach der unglücklichen 2:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg II wird Marco Elia seine Mannschaft in dieser Woche wieder aufbauen müssen. Klar ist, dass er personell umstellen muss, denn der VfB hat einige Ausfälle zu beklagen. Ahmet Saglam (Innenbandverletzung) fällt ebenso länger aus, wie Mannschaftskapitän Kai Bastian Evers (Muskelfaserriss). Leonel Kadiata hat sich eine Schienbeinverletzung zugezogen und Angelos Argyris ist nach seinem Platzverweis gesperrt. „Die Situation ist nicht einfach, aber wir haben Alternativen. Die Jungs haben gegen Wolfsburg vieles gut und richtig gemacht. Umso ärgerlicher war es, dass wir uns am Ende nicht belohnen konnten“, sagt der VfB-Trainer. Genau das soll sich am Sonntag ändern.