Oldenburg. Die Herausforderung könnte größer nicht sein. Am Sonntag, um 15 Uhr, wird mit dem SV Meppen der designierte Meister im Marschwegstadion vorstellig. Es ist fraglos der interessanteste sportliche Wettstreit, den die Liga zu bieten hat, nicht zuletzt aufgrund der Dauerbrisanz dieses Spiels. Mit zuletzt vier Punkten aus zwei Spielen hat der VfB Oldenburg rechtzeitig seine Form gefunden, während wir mal einen kleinen Blick auf die Gäste riskiert haben, biddeschön:

Die Ausgangslage: Wenn das kein Anreiz ist. Ausgerechnet in Oldenburg könnte der SV Meppen den Regionalligatitel gewinnen. Bei fünf noch ausstehenden Spielen haben die Emsländer derzeit zwölf Punkte Vorsprung auf Weiche Flensburg und das satt bessere Torverhältnis. Das allein würde die Truppe von Christian Neidhart schon hinlänglich motivieren. Es kommt allerdings hinzu, dass die letzten drei Derbys vom VfB gewonnen worden sind. „Zeit, das zu ändern“, sagt der Gäste-Trainer lachend. Die Oldenburger indes würden diese Serie gerne ausbauen und dem Liga-Primus ein Bein stellen. Zum Titel können wir schließlich auch später noch gratulieren.

Die Bilanz: 29 Spiele, 22 Siege, 3 Unentschieden und nur vier Niederlagen. Keine Frage, diese beeindruckende Ausbeute ist meisterlich und nötigt großen Respekt ab. Nachdem der SV Meppen in der vergangenen Saison, auch aufgrund großen Verletzungspechs, deutlich hinter den Erwartungen geblieben ist, scheint der große Wurf jetzt zu gelingen.

Die Erfolgsgründe: Christian Neidhart und sein Co-Trainerpartner Mario Neumann haben im Sommer kluge Entscheidungen getroffen. Es war im vergangenen Jahr nicht allein das Verletzungspech, das ein Mitspielen um den Titel verhindert hat. Die Qualität der Mannschaft reichte letztlich nicht, zudem war es um den innerbetrieblichen Frieden längst nicht so gut bestellt, wie in dieser Saison. „Wir haben schon ein sehr gutes Klima in der Truppe“, sagt der Trainer. Stimmt wohl und hat einerseits fraglos mit der Auswahl der Spielertypen, aber andererseits unstreitig auch mit dem sportlichen Erfolg zu tun. Klar allerdings ist, dass die Entscheider im Sommer genau die richtigen Typen aus dem Spielerteich gefischt haben.

Die Leistungsträger: Mit Blick auf die Statistik, etwa das Torverhältnis von 70:31, könnte man vor allem die Offensive anführen. Die Emsländer spielen einen schnellen Ball nach vorn und haben in Benjamin Girth, der 19 Treffer erzielt hat, einen echten Torjäger am Start. Mit Born (11 Tore), Kramer (11) und Kleinsorge (10) sind drei weitere Kicker enorm treffsicher. Wer genau hinschaut, wird gleichwohl anführen, dass andere den Takt vorgeben. Der unverzichtbare Vidovic etwa und ganz sicher kann die Mannschaft Spieler wie Wagner oder Rückkehrer Thilo Leugers nicht ersetzen. Vor allem der von den Balearen ins Emsland zurückgekommene Leugers drückt dem Spiel des SVM seinen Stempel auf. Leugers ist enorm zweikampfstark, verbal präsent und zudem hat er auch den finalen Pass im Repertoire.

Die Schwächen: Ganz ehrlich, so richtig viele sind uns nicht aufgefallen. Ab und an mag die Mannschaft es etwas zu lässig angehen, aber das wird im Derby sicher nicht der Fall sein. Eine zu große Abhängigkeit von Girth ist auch nicht feststellbar, denn trifft der nicht, hat die Offensive noch dermaßen viel Potenzial, dass es für den Gegner immer gefährlich wird. Gut, in der Deckung ist man nicht sonderlich flink, aber das wird durch konsequente Arbeit gegen den Ball, vor allem im Mittelfeld, wettgemacht.

Die Überraschung: Eine solche gab es im Hinspiel. Der VfB siegte in Meppen mit 1:0 und das nicht mal so unverdient. Nicht? Nein, zwar waren die Gastgeber spielbestimmend, aber sie rannten der Oldenburger Führung mehr als 84 Minuten hinterher und das nicht immer planvoll. Mit etwas mehr Konzentration im Abschluss hätten die Blauen den Sack durchaus auch früher zumachen können. Selbstverständlich hatte der VfB seinerzeit auch Glück, doch eben das hatten sich die Oldenburger durchaus erarbeitet. Der Abwehrriegel stand stabil, so dass die Emsländer ihr gewohntes Tempospiel nicht aufziehen konnten. Darüber hinaus war Torhüter Jannik Wetzel immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Gut möglich, dass er auch im zweiten Derby wieder auflaufen wird.

Die Personallage: Selbige bleibt beim VfB angespannt. In Rehden musste Dino Fazlic erneut passen, sein Einsatz ist fraglich. Von den Langzeitverletzten gibt es zwar einige gute Nachrichten, doch von einer Rückkehr auf den Rasen sind sie allesamt weit entfernt.

Die Motivation: Höher könnte eben die kaum sein. Die Oldenburger haben in dieser Saison nicht immer überzeugt und sind dafür teils harsch kritisiert worden. Mit einem Derbysieg will die Mannschaft ihren Fans natürlich eine Freude machen.

Die Schiedsrichter: Axel Martin von der TSG Nordholz wird das Spiel leiten. Ein gutes Omen? Könnte sein. Zwei Spiele mit Oldenburger Beteiligung hat er in dieser Saison gepfiffen. In Havelse unterlagen die Blauen 1:2, gegen Eichede hieß es 0:0, nach dem Gesetz der Serie wäre jetzt also ein Sieg dran. Ihm assistieren Florian Cacalowski und Bastian Mertel. Martin ist übrigens ein erfahrener Schiedsrichter und schon im fünften Jahr in der Regionalliga.

Die Tickets: Der VfB weist nochmals darauf hin, dass Fans aus Oldenburg nach Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß zum Stadion kommen sollten, da hier nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen. Um lange Warteschlagen an Kassen und Eingängen zu vermeiden, wird zudem darum gebeten, Tickets im Vorverkauf zu erwerben (Kiosk Milosch, Hauptstraße – auch am Sonntag), Blaue Burg (Burgstraße, Samstag von 10 bis 16 Uhr, Klönschnack und Kuchen inklusive – so lange der Vorrat reicht-).