Oldenburg. Es dürfte ein großes Hallo geben, bevor am Sonntag, um 15 Uhr das innerstädtische Duell zwischen dem VfL und dem VfB Oldenburg angepfiffen wird. Man kennt sich halt, hat teils auch schon das Trikot des Kontrahenten getragen. So weit, so freundlich. Der Austausch von Nettigkeiten ist gleichwohl nicht zu erwarten, wenn unsere Blauen beim Nachbarn aufdribbeln.

Für beide Mannschaften steht viel auf dem Spiel, von jener stattlichen Portion Prestige einmal ganz abgesehen, die der Sieger einheimst. Das Hans-Prull-Stadion dürfte voll werden, wenn geklärt wird, wer die fußballerische Nummer eins der Stadt ist. Keine Frage, es ist ein ganz besonderes Spiel und nicht zuletzt auch deshalb spielt die Tabellensituation nicht die ganz große Rolle. Der VfB ist Favorit. Die Serie spricht für die Mannschaft von Stephan Ehlers. Immerhin sind die Gäste in diesem Duell seit Jahren ungeschlagen. Überhaupt hieß der Sieger fast immer VfB.

Seit 2009 standen sich beide Mannschaften in acht Spielen gegenüber. Siebenmal durften die Blauen jubeln. Lediglich am 11. Februar 2014 endete das Duell 1:1. Ein Ergebnis, mit dem Stephan Ehlers am Sonntag sicher nicht zufrieden wäre. Intensiv bereitet er seine Mannschaft auf das Derby vor, zumal er bereits nach der 0:3-Niederlage gegen Werder Bremen II eine anstrengende Trainingswoche für seine Schützlinge angekündigt hatte.

Die Ausgangslage ist klar. Mit einem Sieg will sich der VfB ins Tabellenmittelfeld absetzen. Die Gastgeber wiederum könnten mit einem Erfolg am VfB vorbeiziehen. Nur zwei Punkte trennen beide Mannschaften derzeit, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Blauen ein Spiel weniger ausgetragen haben.

Zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison ist die Aussagekraft der Tabelle natürlich noch ein gutes Stück zu relativieren. Gleichwohl wird man an der Alexanderstraße so überrascht nicht sein, dass die Mannschaft im Tabellenkeller steckt. Der Aufstieg im vergangenen Jahr war fraglos nicht geplant. Dass die Verantwortlichen diese Chance dennoch genutzt haben, obwohl im Sommer zahlreiche Leistungsträger, allen voran Pascal Steinwender und Joshua König, den Verein verlassen haben, darf durchaus auch als Lohn für die sportlich guten Vorstellungen verstanden werden.

Vater des Erfolges ist ohne Zweifel Dario Fossi. Der junge Trainer ist an der Seitenlinie immer mal wieder ein Heißsporn, gleichwohl beeindruckt er mit schöner Regelmäßigkeit durch eine kluge Taktik und selbstbewusstes Auftreten. Offensiv hat der VfL in dieser Saison durchaus seine Probleme. Hier macht sich das Fehlen von „Calli“ Steinwender bemerkbar. Seine Nachfolge hat Conrad Azong angetreten, der vom VfB zu den Grünen gewechselt ist. Außerdem haben die Verantwortlichen jetzt personell nochmal nachgelegt und mit dem talentierten Kebba Badjie und Fabian Lokaj zwei Offensivkräfte angestellt.

Vor allem der aus Rehden geholte Lokaj, ein Albaner, der auch die Schweizer Staatsbürgerschaft hat, sollte der Mannschaft sofort weiterhelfen können. Er ist Profi, hat zuletzt in Rumänien, beim Erstligisten Gaz Metan Medias gespielt. Für weitere spielerische Momente im Fossi-Team sind Efkan Erdogan und Kai-Sotirios Kaissis zuständig. Er ist, wie auch Philip Onnen, Justin Tjardes oder Jannik Zohrabian ein Ex-Blauer. Ob Letzterer allerdings zwischen den Pfosten stehen wird, bleibt abzuwarten. Zuletzt hatte sich Fossi für Deik Oetjen entschieden.

Taktgeber im Spiel des Tabellenletzten ist derweil ebenfalls ein ehemaliger VfBer: Daniel „Isi“ Isailovic. Sein Fehlen kann der VfL nicht kompensieren. Isailovic ist der Dirigent im Spiel des Aufsteigers, nach wie vor enorm ballsicher und verbal präsent. Die größte Stärke des VfL ist ohne Zweifel das Spiel gegen den Ball. Der Aufsteiger zeigt viel Kampfgeist, ist sehr gut organisiert, macht die Räume eng und geht im Zweikampf aggressiv zuwerke. Darauf muss sich der VfB einstellen.

Werfen wir noch kurz einen Blick auf unsere Mannschaft. Die Stimmung ist gut, obwohl im Training hart gearbeitet wurde. Noch am Freitag forderte Stephan Ehlers seine Mannschaft mit einem straffen
Programm. Dabei zeichnete sich nicht ab, wie die Anfangsaufstellung aussehen könnte. Bislang hat der Trainer regelmäßig gewechselt. Das könnte auch am Sonntag der Fall sein. Fraglich ist der Einsatz von Leonel und Jan-Patrick Kadiata. Beide fehlten am Freitag aufgrund einer Erkrankung. Noch nicht wieder im Mannschaftstraining ist Angelos Agryris. Er plagt sich mit den Folgen eines Muskelfaserrisses.

Schiedsrichter des Stadtduells ist Daniel Fleddermann (VfL Weiße Elf). Ihm assistieren Alexander Herbers und Muhammed Yasin.