Oldenburg. Das nennt man wohl „Händchen“. In der 62. Minute schickte Dario Fossi Fabian Lokaj auf den Kunstrasen, zwei Minuten später lagen sich Angreifer und Trainer in den Armen. Nach einer Flanke von der rechten Seite hatte der Stürmer zum 1:1 für den VfL Oldenburg getroffen und damit für lange Gesichter beim VfB Oldenburg und der deutlichen Mehrzahl der 2.387 Zuschauer gesorgt.

Das erste Stadtderby dieser Saison wird fraglos nicht als fußballerischer Leckerbissen in die Geschichte eingehen, bestenfalls als intensives Duell zweiter Mannschaften in Erinnerung bleiben, die aus ihren Möglichkeiten zu wenig gemacht haben. Das wiederum galt in erster Linie für die Blauen. Der VfB war lange spielbestimmend und ging durch Hugo Magouhi auch verdient in Führung. Doch die kampfstarken Gastgeber gaben nicht auf und verdienten sich am Ende gegen den Punkt, weil die Gäste nach einer guten Stunde mehr und mehr den Zugriff aufs Spiel verloren hatten.

Stephan Ehlers hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Spiel gegen die U23 von Werder Bremen auf mehreren Positionen umgestellt und auch in taktischer Hinsicht überrascht. Hugo Magouhi etwa durfte von Beginn an zentral angreifen. Auf den Außenbahnen wurde er von Ibrahim Temin und Pascal Steinwender offensiv unterstützt. Im Mittelfeld bildeten Kai Bastian Evers, Lennart Madroch und Dominique Ndure eine Dreierreihe und die Viererkette war durch Jeffrey Volkmer, Okan Erdogan Gazi Siala und Süleyman Celikyurt besetzt.

Auf Seiten der Gastgeber spielte der angeschlagene Efkan Erdogan von Beginn an. Kristof Köhler dagegen musste anfänglich auf der Bank Platz nehmen. Zwischen den Pfosten stand diesmal erneut Jannik Zohrabian, der sich im Spielverlauf mehrfach auszeichnen konnte.

Schon in der ersten Szene wurde deutlich, welchen Verlauf Halbzeit eins nehmen würde. Lenni Madroch sorgte aus der Distanz für die erste Bewährungsprobe von „Zorro“, der den Ball zur Ecke lenken konnte. Die nächste Chance hatte erneut der klar dominierende VfB. Gazi Siala hatte für „Calli“ Steinwender durchgesteckt, dessen Flanke in Hugo Magouhi einen dankbaren Abnehmer hatte, doch ein Abwehrspieler konnte seinen Schuss gerade noch zur Ecke ablenken (6. Minute).

Nach einer Viertelstunde dann der erste Rückschlag. Süleyman Celikyurt musste aufgrund einer Muskelverletzung vom Platz. Für ihn kam Harry Föll ins Spiel, der sich direkt ins Mittelfeld orientierte. Dominique Ndure wechselte dafür in die Abwehrkette. Am Spielverlauf änderte sich nichts. Der VfB drückte, kam durch Volkmer zur nächsten Chancen (20.), dann versuchte sich Föll mit einer feinen Volley-Abnahme (24.), doch auf Seiten der Gastgeber stand weiter die Null.

Die Grünen wurden offensiv bis dahin nicht einmal ansatzweise auffällig. Das änderte sich erstmals nach 25 Minuten. Conrad Azong zielte allerdings deutlich daneben. Auf der anderen Seite stand Zorro dem 0:1 durch Föll im Weg und auch bei einem Distanzschuss von Temin war der starke Torhüter zur Stelle (30.).

Hitzig wurde es nach 35 Minuten. Azong kam im Strafraum zu Fall und allen voran Dario Fossi forderte lautstark einen Elfmeter. Doch die Pfeife von Schiedsrichter Daniel Fleddermann blieb stumm. Er hatte kein Foul erkannt und deutete direkt „weiterspielen“ an. Nur eine knappe Minute später verfehlte Efkan Erdogan das VfB-Tor mit einem Kopfball knapp. Ein klares Signal dafür, dass die Blauen weiter auf der Hut sein mussten.

Dario Fossi reagierte in der Halbzeitpause mit einem ersten Wechsel. Für Erdogan brachte er mit Kebba Badije einen Neuzugang. Stephen Ehlers wiederum nahm zehn Minuten später den zweiten Wechsel vor. Hugo Magouhi, der ein starkes Spiel gemacht hatte, aber mit Gelb belastet war, wurde durch Maik Lukowicz ersetzt.

Dass der Oldenburger Angreifer mit viel Applaus verabschiedet wurde, hatte er sich kurz zuvor verdient. Magouhi stand nach einer Flanke von der linken Seite goldrichtig und es hieß 0:1 (50.). Fossi wiederum reagierte schnell auf den Rückstand und brachte mit Lokaj den nächsten Neuzugang. Das sollte sich als Glücksgriff erweisen, denn der Angreifer versenkte die Murmel mit seiner ersten Ballberührung zum 1:1 ins kurze Eck (64.).

Der VfB hatte nach der Führung schlicht den Zugriff aufs Spiel verloren. Zwar blieben die Blauen, bei denen später auch noch Pascal Richter für Ibrahim Temin kam, optisch überlegen, doch mit dem Ausgleich wurden die Gastgeber frecher und spielten immer wieder gefährliche Konter. Allen voran Azong hätte einen solchen eigentlich veredeln müssen, schoss den Ball zum Glück für den VfB allerdings Richtung Hallendach (76.).

Auf der anderen Seite hatte Calli Steinwender noch eine Chance, doch er scheiterte mit seinem Schuss an der Abwehr (86.). Als sich das Unentschieden bereits abzeichnete, packte der starke Lokaj nochmal einen aus, zog aus gut 16 Metern ab, doch Dominic Kisiel tauchte ab und konnte den Ball zur Ecke lenken (90.).

VfL Oldenburg: 1 Jannik Zohrabian – 16 Nils Frenzel, 21 Marten Schmidt, 22 Justin Tjardes – 9 Jonas Siegert (62. 25 Fabian Lokaj), 6 Daniel Isailovic – 20 Andrik Zohrabian, 17 Kai-Sotirios Kaissis, 3 Efkan Erdogan (46. 24 Kebba Badije), 7 Lennart Blömer (84. 4 Kristof Köhler) – 14 Conrad Azong
Trainer: Dario Fossi

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 6 Okan Erdogan, 3 Dominique Ndure, 27 Süleyman Celikyurt (16. 19 Harry Föll) – 10 Gazi Siala, 8 Kai Bastian Evers, 30 Lennart Madroch, 20 Ibrahim Temin (79. 18 Pascal Richter) – 7 Pascal Steinwender, 35 Hugo Magouhi (56. 16 Maik Lukowicz)
Trainer: Stephan Ehlers

Tore: 0:1 Hugo Magouhi (50.); 1:1 Fabian Lokaj (64.)
Schiedsrichter: Daniel Fleddermann – Assistenten: Alexander Herbers, Muhammed Yasin
Zuschauer: 2387 im Hans Prull-Stadion
Gelbe Karte: Lennart Blömer, Daniel Isailovic (2.), Kai-Sotirios Kaissis (2.) / Hugo Magouhi, Lennart Madroch (2.), Maik Lukowicz