Hamm. Fußball wird allgemein auf ein Ergebnis reduziert. Torschützen werden gefeiert, bei Paraden Torhütern zugejubelt. Der Erfolg einer Mannschaft basiert aber nicht allein auf einer ausgeklügelten Taktik oder individueller Klasse. Erfolg ist auch der Leistung jener stillen Protagonisten geschuldet, die nicht auf dem Rasen arbeiten: Der Mannschaft hinter der Mannschaft.

Die Fußballer des VfB Oldenburg konnten sich während des Trainingslagers in Hamm nahezu voll und ganz auf ihre sportlichen Herausforderungen konzentrieren, denn das Betreuer-Team sorgte im Hintergrund für einen Rundum-Service. Bevor sich die Fußballer am frühen Morgen zur Abfahrt nach Westfalen versammelten, waren Betreuer Gerd „Gerdi“ Windels und Wolfgang „Wolle“ Weichbrodt schon längst bei der Arbeit. Zahlreiche Metallkisten hatten sie mit Trikots, Hosen, Jacken und Socken gefüllt, die Bälle bereitgestellt, Paletten mit Wasserflaschen gestapelt und natürlich wurde im Bus auch frischer Kaffee und Tee gereicht.

Alltag für die VfB-Urgesteine. Wolle Weichbrodt etwa feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum als Zeugwart. Gerdi Windels ist „erst“ seit 2004 dabei, begeht allerdings in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum. „Ich bin in diesem Jahr seit sechzig Jahren Mitglied im VfB“, sagt der 70-Jährige nicht ohne Stolz. Seit vielen Jahren sorgen sie dafür, dass die Spieler sich in punkto Ausrüstung kaum um etwas kümmern müssen.

Vor dem Training und den Spielen liegen Trikots, Hosen und Stutzen frisch gewaschen zur Abholung bereit. Das gehöre nunmal dazu, findet „Wolle“, der gleichwohl auch mal eine härtere verbale Gangart anschlägt, wenn er es für nötig hält. Ein Spieler, der seine Ausstattung nach dem Training zu spät abgibt, fängt sich eine deutliche Ansage ein. So gehe das nicht, sagt der Zeugwart. Die Waschmaschinen seien bereits in Betrieb, der Spieler „kann seinen Kram sofort wieder mitnehmen“. Die Einhaltung von Regeln sei wichtig, betont Wolle. „Wenn wir so etwas durchgehen lassen, tanzen die Jungs uns auf der Nase rum. Das kommt nicht infrage.“

Ein strenges Regiment führen Gerdi und Wolle gleichwohl nicht. Vielmehr kümmern sich sie sich mit Akribie auch um viele Kleinigkeiten und zwar meist dann, wenn die Spieler bereits ihre Freizeit genießen. Selbst auf das Mittagessen im „Ristorante Torino“ verzichten sie. „Dafür ist jetzt keine Zeit, wir trainieren ja gleich wieder“, sagt Wolle, während er mit seinem Kollegen bereits die Ausstattung für die nachmittägliche Übungseinheit zusammenlegt. Die Kicker wiederum wissen den Rundumservice durchaus zu schätzen. Es wird geflachst und gescherzt und weil die beiden Betreuer eben nicht mit beim Italiener waren, bekommen sie zumindest eine Tüte mit Pizzabrötchen. Der Umgangston ist rau, aber immer herzlich, denn einen humorig-lockeren Spruch gibt es eigentlich ständig als Zugabe. Die Spieler wissen das zu schätzen. Kein Wunder, denn, wenn doch mal eine Kleinigkeit fehlt – mal eine Mütze, mal Handschuhe oder eine Regenjacke – Wolle und Gerdi sind dann die erste Anlaufstelle und das meist mit Erfolg.

Im Hamm haben die Beiden übrigens Verstärkung. Busfahrer Wolfgang, der sich mit Gerdi das Zimmer teilt, packt ebenso mit an, wie Tom, in der vergangenen Saison noch Betreuer der zweiten Mannschaft. Um im Trainingslager mithelfen zu können, hat der Berufssoldat sich extra Urlaub genommen. Und er nimmt seine Aufgabe ebenso ernst, wie seine älteren Kollegen, wenngleich er noch ganz andere Aufgaben zu erfüllen hat. Einige Spieler, die am Abreisetag vormittags noch arbeiten mussten, chauffierte er ins Trainingslager hinterher. Darüber hinaus ist der 29-Jährige auch bei den Trainingseinheiten beschäftigt, etwa wenn es darum geht, die Übungen oder auch die Testspiele zu filmen.

Langeweile kommt in der Mannschaft hinter der Mannschaft natürlich nicht auf. „Wir haben ja genug zu tun“, sagt Gerdi, der sich mit Leidenschaft auch um das leibliche Wohl der Spieler kümmert. Angesichts der winterlichen Temperaturen sorgt er bei den Testspielen zum Beispiel dafür, dass die Kicker und auch die mitgereisten Anhänger, immer ein heißes Getränk genießen können. Ein Stück Kuchen, frische Bananen, der erfahrene Betreuer denkt an alles. Zum Rückrundenstart allerdings wird Gerdi fehlen. Mit seiner Frau fährt er in den verdienten Urlaub. „Das muss auch mal sein“, sagt er lachend und freut sich auch einen Kurztrip in wärmere Gefilde. Bis dahin allerdings wird er noch manche Tasse Kaffee aufbrühen. Den Jungs soll es ja an nichts fehlen.