Oldenburg. Nach den personellen Veränderungen zum Wochenbeginn blickt man beim VfB Oldenburg natürlich gespannt auf den Sonntag. Um 15 Uhr wird das Spiel gegen Holstein Kiel II angepfiffen. Erstmalig wird dabei Marco Elia als verantwortlicher Trainer an der Seitenlinie stehen. Einfach, das ist mal sicher, wird es für die Blauen nicht, denn der Aufsteiger hat einen formidablen Start hingelegt, wie in unserer Vorschau deutlich wird:

Zuerst widmen wir uns hier mal den Gästen aus dem hohen Norden. Der Aufsteiger der Kieler war im Sommer eigentlich gar nicht geplant. In der Liga hatte es für die Profi-Nachwuchstruppe „nur“ zum dritten Platz gereicht. Doch der zahlungskräftige Meister NTSV Strand 08 wollte ebenso wenig in die Regionalliga aufsteigen, wie „Vize“ TSB Flensburg. Kiel dagegen nutzte die Chance und realisierte über die Aufstiegsrunde den Sprung in die Regionalliga.

Während andere Proficlubs durchaus üppig in ihre Reserven investieren, geht man an der Förde einen ganz anderen Weg. Neun Spieler aus der Aufstiegstruppe haben die Holsteiner im Sommer verlassen, acht neue wurden angestellt. Auf erfahrene Profis verzichtet Ole Werner dabei fast komplett. Vielmehr wurden sechs der acht Neuen in der eigenen U19 ausgebildet. Als Führungsspieler kam allein Tim Siedschlag hinzu, der zuvor jahrelang in der ersten Kieler Mannschaft am Ball war. Auch personelle Anleihen beim Profikader sind in Kiel bislang die Ausnahme. Benjamin Girth, im Sommer beim SV Meppen für eine stattliche Summe ausgelöst, durfte einmal mitspielen. Er tat es eher wenig inspiriert und wurde nach 54 Minuten vom Rasen geholt.

Professionelle Verstärkungen sind indes auch gar nicht nötig. Werner, ein an der Seitenlinie durchaus lautstarker Übungsleiter, hat auch so viel Qualität auf dem Rasen. Die Spieler sind taktisch durchweg gut geschult, spielerisch stark und in Siedschlag steht ein klarer Chef auf dem Platz, der den Takt im Mittelfeld vorgibt. Offensiv können die Kieler zudem auf einen echten Knipser bauen. Während Siedschlag bereits vier Treffer erzielt hat, war Laurynas Kulikas bereits sechsmal erfolgreich. Bekommen die Blauen dieses Duo in den Griff, könnte der Weg zum angepeilten Heimsieg deutlich einfacher werden.

Der Jugend eine Chance, so oder ähnlich könnte das Kieler Motto übrigens lauten, denn die Verantwortlichen werden diesem Anspruch durchaus gerecht. Aus der Reihe der „Unverzichtbaren“ ist allein Siedschlag schon einige Jahre älter. Torhüter Timon Weiner etwa ist erst 19 Jahre alt, Awehrspieler Tjorve Mohr 21 und Mittelfeldspieler Jannis Voß zählt gerade mal 20 Jahre. Sie waren, wie eben auch Siedschlag, bislang in allen Spielen im Einsatz. Torjäger Kulikas bringt es bislang auf sieben Einsätze.

Durfte Ole Werner mit einem torlosen Unentschieden am ersten Spieltag, beim VfL Oldenburg, noch nicht gänzlich zufrieden sein, so sollte die Laune des Trainers im weiteren Saisonverlauf sprunghaft gestiegen sein. Die Kieler haben durchaus schon überrascht, etwa mit einem fulminanten 4:1-Sieg über den VfL Wolfsburg II. Lediglich zwei Spiele haben die Holsteiner bislang verloren. In Norderstedt hieß es 2:3, gegen Weiche Flensburg zuletzt 0:2. Viermal hat Kiel gewonnen, zweimal wurden die Punkte geteilt. Dabei fällt auf, dass Holstein für offensiven Fußball steht. Mit 15 Treffern stellen die Kieler aktuell die zweitbeste Offensive der Regionalliga. Defensiv allerdings ist die junge Mannschaft durchaus anfällig. Allein in Oldenburg blieben sie ohne Gegentor.

Das sollte sich beim zweiten Gastspiel ändern, den die Null, so will es Marco Elia, soll diesmal auf Seiten des VfB stehen. „Ich bin doch Torwart“, erklärte er am Rande des Trainings gegenüber der Presse und musste selbst lachen. Wie er seine Mannschaft taktisch auf- und einstellt, wollte Elia nämlich gar nicht groß zum Thema machen. Überhaupt will der neue Trainer außerhalb des Rasens nicht viele Worte machen. „Wir müssen nicht groß reden, sondern auf dem Rasen zeigen, was wir können und wollen. Das ist unsere Aufgabe und dafür arbeiten wir“, sagt er.

Insgesamt fünf Einheiten haben Marco Elia und Cumhur „Schoko“ Demir bis zum Spiel gegen Kiel mit der Mannschaft bestritten. Schon am Montag, beim ersten Training, wurde deutlich, dass die neuen VfB-Trainer viel verlangen. Vor allem jene Spieler, die tags zuvor beim VfL nicht über 90 Minuten am Ball waren, wurden richtig gefordert. Dem klassischen „Ruhetag“ am Dienstag folgte am Mittwoch nochmal eine intensive Einheit, ehe ab Donnerstag vor allem taktische Varianten auf dem Übungsplan standen.

Zumindest personell hat sich die Lage entspannt. Angelos Agryris konnte nach seinem auskurierten Muskelfaserriss wieder mit der Mannschaft trainieren, zudem haben Leonel und Jan Patrick Kadiata ihre Krankheit überstanden. Allein Harry Föll fehlte erkältet und Süleyman Celikyurt beschränkte sich teils auf Laufeinheiten. Wer am Sonntag das Vertrauen bekommt und in der Startelf steht, wollte Marco Elia selbst auf hartnäckiges Nachbohren nicht verraten. „Ich will hier nicht eine Floskel an die nächste reihen, aber es ist doch ganz normal, dass wir uns im Training einen Eindruck verschaffen und dann schauen müssen, wer am besten zu der Idee passt, die wir für den Gegner haben“, sagt der ehemalige VfB-Torwart. Dass er am liebsten zu Null spielt, sei darüber hinaus doch wohl selbstverständlich. „Ich habe mich als Spieler über jedes Gegentor geärgert, auch im Training und im Spiel möchte ich mich eigentlich nicht ärgern“, sagt Marco Elia und lacht, ehe er sich wieder seinen Spielern zuwendet und die nächsten Trainingsinhalte anspricht. „Schließlich müssen wir keine Geschichten erzählen, sondern einfach hart arbeiten. Das ist keine Floskel, sondern notwendig.“