Oldenburg. Mit dem Spiel gegen Hannover 96 II endet für den VfB Oldenburg ein bewegtes Fußballjahr 2018. Obwohl zurzeit nur auf dem 11. Tabellenplatz notiert, wartet am Sonntag, ab 14 Uhr, nochmal Schwerstarbeit auf unsere Blauen. Wieso, weshalb, warum, begründen wir in unserer Vorschau.

Die Schuldfrage, ob unseres ausgeprägt großen Respekt vor diesem Gegner, ist schnell geklärt. Das Hinspiel hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwar konnten die Blauen beim 0:0 seinerzeit einen Punkt mit auf die Heimfahrt nehmen, doch das war ein Zähler der Kategorie „überglücklich“. Spielerisch zählte die Hannoveraner Formation des Augusts zum Feinsten. Keine andere Mannschaft, weder Tabellenführer VfL Wolfsburg II, noch Titelverteidiger Weiche Flensburg oder Drittliga-Absteiger Werder Bremen, obschon am Marschweg siegreich, haben den VfB dermaßen vor Probleme gestellt.

Das hatte damals allerdings Gründe, namentlich ein Trio erfahrener Profikicker. Der Däne Uffe Bech wirbelte auf der rechten Außenbahn, der Senegalese Babacar Gueye zog im offensiven Zentrum die Bälle fast magisch an und im Mittelfeld gab Mike-Steven Bähre dem Tun der Hannoveraner Struktur. Dieses Trio ist allerdings schon länger nicht mehr für den Bundesliga-Nachwuchs am Ball. Bech spielt zurzeit bei Bröndby Kopenhagen, Gueye für den SC Paderborn und Bähre für den FC Barnsley.

Mit den Wechseln der Spieler ging auch ein Substanzverlust einher, der immer deutlicher wird. Bis zum 15. Spieltag zählten die Hannoveraner durchaus noch zur erweiterten Spitzengruppe, seitdem allerdings haben sie nicht mehr gewonnen. Sieben Spiele ohne Sieg, deren vier ohne eigenes Tor und in den anderen Spielen haben sie jeweils nur einmal getroffen. Es überrascht nicht, wenn Trainer Christoph Dabrowski im Kicker sinngemäß zitiert wird, dass seiner Mannschaft die Durchschlagskraft fehle.

Für Benjamin Hadžić gilt das allerdings nicht. In der Jugend von Bayern München ausgebildet, gilt der 19-jährige Angreifer als großes Talent. Seine Klasse wird belegt durch immerhin sieben Tore. Damit führt er die interne Torjägerwertung an.

Unverzichtbar, das gilt für einen weiteren Leistungsträger. Niklas Tarnat, ebenfalls bei den Bayern ausgebildet und noch 20 Jahre jung, fehlte lediglich in einem Spiel aufgrund einer Gelb-Sperre. Ansonsten stand der Mittelfeldspieler immer auf dem Rasen. Dann wäre da ja noch die Verkörperung der Routine. 358 Bundesligaspiele weist die Statistik von Christian Schulz aus. Der ehemalige Nationalspieler ist zwar schon 35 Jahre alt, aber noch immer topfit und eindeutig Chef im Ring.

An der Seite des Routiniers zeigt auch Maurice Springfeld regelmäßig gute Leistungen. In Oldenburg allerdings wird der Innenverteidiger fehlen. Für eine Tätlichkeit wurde er beim 0:0 gegen Weiche Flensburg vom Platz gestellt und ist demzufolge gesperrt. Dass die Hannoveraner gegen den Titelverteidiger trotz personeller Unterzahl über mehr als 70 Minuten gepunktet haben, zeigt die gute Moral. Ohnehin wird die Bundesliga-Reserve für sich reklamieren, wiederholt nur knapp an Erfolgserlebnissen vorbeigeschrammt zu sein. Lediglich ein 0:3 beim Hamburger SV II war überaus deutlich. Ansonsten haben die Hannoveraner nie höher als mit einem Tor Unterschied verloren. Unser eingangs gezeigter Respekt ist also nicht allein mit dem Hinspiel zu begründen.

DDennoch wird die Truppe von Marco Elia mit viel Selbstbewusstsein ins Spiel gehen. Unsere Mannschaft hat erstmals zwei Spiele in Folge gewonnen, zudem fußballerisch zuletzt immer wieder überzeugt. Auch in personeller Hinsicht sorgt vieles für gute Laune, denn der Trainer hat die freie Auswahl. Auch Ahmet Saglam, dessen Sperre ausgelaufen ist, kann wieder Dienst tun. Offen ist dabei aber, ob er eben das auch darf. Marco Elia hat in dieser Saison schon mehrfach gezeigt, dass er durchaus zu Wechseln neigt, um so die bestmöglich zum Gegner passende Formation zu finden. Freuen wir uns also auf ein tolles, spannendes und hoffentlich auch siegreichreiches Jahresfinale.