Oldenburg. Der VfB Oldenburg hat im Abstiegskampf einen ganz wichtigen Sieg erspielt. Vor 902 beeindruckend lautstarken Zuschauern besiegten die Blauen den 1. FC Egestorf/Langreder hoch verdient mit 3:1. Durch vier Punkte aus den letzten beiden Spielen haben die Oldenburger die potenziellen Abstiegsränge verlassen. Zeit, den Erfolg zu genießen, haben Trainer und Spieler allerdings nicht, denn schon am Sonntag kommt Hannover 96 II ins Marschwegstadion.

Das Spiel hatte kaum Fahrt aufgenommen, da war es für Pascal Richter auch schon wieder vorbei. Keine drei Minuten waren von der Uhr, als der flinke Oldenburger von Kevin Schumacher rüde umgetreten wurde. Ohne Chance auf den Ball hatte der Egestorfer allein das Ziel, Richter unfair zu stoppen. Mit Erfolg, denn der humpelte mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz und musste durch Leon Lingerski ersetzt werden.

Ein deutlicheres Zeichen, die Punkte nicht freiwillig abzugeben, hätten die Gäste kaum setzen können, zumal es ruppig weiterging. Die Egestorfer Taktik war augenscheinlich. Jeder Oldenburger Angriff sollte unterbunden werden und wenn das mit spielerischen Mitteln nicht möglich war, wurde halt das taktische Foul dazu auserwählt.

Für den VfB sollte es aber noch schlimmer kommen. In der 12. Minute war Christoph Beismann zu schnell für die Oldenburger Abwehr und setzte einen platzierten Schuss zum 0:1 in die Maschen. Ein Schock für die Gastgeber, die allerdings jetzt echte Nehmerqualitäten zeigten und im Angriffsmodus blieben. Dabei zeigten sie sich variabel, suchten das Spiel über die Außen ebenso, wie passgenaue lange Bälle. Die größte Stärke des VfB an diesem Abend waren allerdings die Standards. Wann immer eine Ecke oder ein Freistoß in den Strafraum der Gäste getreten wurde, herrschte dort Alarmstufe eins.

Das zahlte sich aus. Nach einer halben Stunde wurde der überaus agile Leon Lingerski auf der linke Seite gefoult. Den fälligen Freistoß servierte Daniel Franziskus schulbuchmäßig nach innen und hier schraubte sich Kifuta Kiala Makangu in die Höhe und markierte mit dem Kopf das 1:1. Zwei Minuten später hätte es im Kasten von Markus Straten-Wolf durchaus wieder klingeln können. Leon Lingerski hatte einen weiteren Freistoß schnell ausgeführt und diesmal brachte Süleyman Celikyurt die Flanke nach innen. Den feinen Kopfball von Daniel Franziskus konnte der Gäste-Torhüter allerdings noch entschärfen.

Längste hatten die Blauen das Spiel im Griff, sichtlich willens, den Druck hoch zu halten und die Führung zu markieren. Egestorf blieb allerdings seiner Linie treu und schickte die Gastgeber wiederholt zu Boden. So auch in der 35. Minute. Einen schnellen Konter der Oldenburger verhinderte Yannick Oelmann, indem er Kifuta foulte. Kurz vor der Pause hätte es dann aber doch nochmal „klingeln“ können. Einen Freistoß von Franziskus verpasste der aufgerückte Ahmet Saglam nur um Zentimeter.

Nach dem Wechsel das gleiche Bild. Immer wieder kamen die druckvollen Oldenburger zu Chancen, die aus Standards resultierten. Innerhalb von drei Minuten hatten erst Celikyurt und dann Kifuta die Führung auf dem Fuß. Auf der anderen Seite schaufelte Egestorfs Torjäger Hendrik Weydandt den Ball nach einem Konter über das Tor (52.).

Das fiel schließlich für den VfB. Nach einem Freistoss von Celikyurt war Gazi Siala zur Stelle und markierte das 2:1 (53.). Nur fünf Minuten später sollte Kifuta dann für ausgelassene Stimmung auf der Tribüne sorgen. Nach einer Ecke von Celikyurt traf der so lange verhinderte Torjäger zum 3:1.

Angetrieben von einem fantastischen Publikum wollten die Blauen mehr, ließen aber einige gute Möglichkeiten ungenutzt. Die Fans hatten derweil noch Gefallen an Kevin Schumacher gefunden, der bei jeder Ballberührung lautstark ausgebuht wurde. Am Ende war das allerdings Nebensache, denn der VfB brachte den Sieg souverän über die Zeit.

Jan Zimmermann: Glückwunsch an Oldenburg. Man hat schon beim Aufwärmen gespürt, dass hier alles auf den Klassenerhalt ausgerichtet ist. Uns fehlte die letzte Konsequenz, obwohl wir gut ins Spiel gekommen sind. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Man merkt aber auch, dass wir eine gute Saison spielen und einige Jungs im Fokus sind und sich mit anderen Dingen beschäftigen. Der VfB hätte auch höher gewinnen können. Ich wünsche alles Gute, denn wir fahren gerne nach Oldenburg.

Stephan Ehlers: Wir sind schwer reingekommen, haben dem Gegner anfangs zu viel Raum gelassen. Was die Jungs dann aber nach dem Rückstand an Energie auf den Platz gebracht haben, nötigt mir großen Respekt ab. Ahmet Saglam zum Beispiel ist heute noch drei Stunden behandelt worden und hat dann so ein starkes Spiel gemacht. Ich ziehe den Hut vor der Truppe. Wer innerhalb von 48 Stunden zweimal solche Leistungen bringt, muss mit dem Klassenerhalt belohnt werden. Ich hoffe, dass jeder, der ein VfB-Herz hat oder hatte, am Sonntag ins Stadion kommt und uns so unterstützt, wie unsere großartigen Zuschauer heute.

VfB Oldenburg: Fabian Klinkmann – Frederik Lach, Ahmet Saglam (81. Henri Aalto), Muhittin Bastürk, Gazi Siala – Süleyman Celikyurt – Pascal Richter (7. Leon Lingerski), Ibrahim Temin, Thorsten Tönnies – Daniel Franziskus, Kifuta Kiala Makangu (88. Hugo Magouhi)
Trainer: Stephan Ehlers

FC Germ. Egestorf/L.: Markus Straten-Wolf – Niklas Teichgräber, Yannick Oelmann, Marvin Schlömer, Marco Schikora (73. Benjamin Braczkowski) – Joshua Siegert – Marvin Stieler (65. Torben Engelking), Björn Lindemann, Kevin Schumacher – Christoph Beismann, Hendrik Weydandt

Trainer: Jan Zimmermann

Tore: 0:1 Christoph Beismann (12.); 1:1 Kifuta Kiala Makangu (29.); 2:1 Gazi Siala (53.); 3:1 Kifuta Kiala Makangu (58.)

Schiedsrichter/in: Lars Heitmann – Assistenten: Patrick Herbach, Christian Hoyer

Zuschauer: 902 im Marschweg-Stadion

Gelbe Karte: Daniel Franziskus (7.) / Yannick Oelmann, Marco Schikora