Oldenburg. Die aktuelle Saison wird fraglos als eine der skurrilsten in die Geschichte der Regionalliga eingehen. Wenn der 34. Spieltag abgepfiffen worden ist, stehen drei Tage später noch fünf Spiele auf dem Programm. Es ist eine Begleiterscheinung der vielen Spielausfälle des langen Winters. Eine andere erlebt unser nächster Gegner. Der Lüneburger SK spielt schon seit Wochen nur noch „zuhause“. Zehn Spiele in Folge können die Schwarz-Weißen in ihrer Heimatstadt bestreiten und das tun sie überaus erfolgreich, wie in unserem Vorspiel schnell deutlich wird.

Die Heimatlosen: Von 1905 bis 2014 kickten die Schwarz-Weißen im altehrwürdigen Stadion Wilschenbruch. Zugegeben, die Heimstätte des Lüneburger SK Hansa (wie der Club mittlerweile heißt) war längst in die Jahre gekommen. Doch nicht nur Fußball-Romantiker sind immer gerne nach Lüneburg gekommen, um den unvergleichlichen Charme dieser traditionsreichen Sportstätte zu genießen. Die alte Holztribüne war unstreitig ein Blickfang, das Vereinsheim unstreitig urig und die Lage inmitten eines sehr grünen Wohngebietes schlicht herrlich. In jedem Winkel war zu spüren, dass die Lüneburger Fußballgeschichte hier ein Zuhause hatte, in dem sie sich wohl fühlte. Doch damit war es 2014 endgültig vorbei und der höchstklassige Lüneburger Fußballverein stand ohne Heimat da. An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert. Bis zum Ende der vergangenen Saison wurde im Vorort Bardowick gespielt, mittlerweile hat der LSK, so die Abkürzung des Vereins, Unterschlupf auf der Sportanlage Sülzwiesen gefunden, der Heimstatt des VfL Lüneburg.

Der Promi: Im Dezember des vergangenen Jahres sorgte der Lüneburger SK auch überregional für Schlagzeilen. Dabei war es eine spannende Personalie, die den Club in den Fokus geraten ließ. Achim Otte hatte sein Traineramt kurz zuvor aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben, so dass die Verantwortlichen die Stelle neu besetzen mussten und sie erinnerten sich an den ehemaligen Bundesligaspieler und –trainer, der die Schwarz-Weißen bereits Mitte der 1980ziger Jahre erfolgreicher trainiert hatte. Rainer Zobel, der im November diesen Jahres 70 Jahre alt wird, darf unstreitig als Glücksfall gelten. Unter seiner Regie hat sich der LSK deutlich stabilisiert und punktet nachhaltig, aber dazu später mehr. Der Fußballlehrer bringt enorm viel Erfahrung mit. Zobel darf sehr wohl als Trainer-Weltenbummler gelten. Er war in Ägypten tätig, arbeitete in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Iran, Moldavien, Georgien, in Südafrika, aber auch in der Bundesliga.

Die Zahlenspielerei: 26 Spieler haben in dieser Saison bereits das Lüneburger Trikot getragen. 14 von ihnen durften mindestens einen Treffer bejubeln. Von 31 Saisonspielen hat der LSK 11 gewonnen, 7 Mal unentschieden gespielt und 9 Mal verloren.

Die Serientäter: Zehn Spiele nacheinander zuhause. Puh, das ist im Abstiegskampf ohne Zweifel ein echtes Pfund und die Lüneburger verstehen es auch, daraus Kapital zu schlagen. Keine nervigen Fahrten zu Auswärtsspielen, gleiche Rahmenbedingungen, in der Summe hat das jetzt dazu geführt, dass die Mannschaft seit neun Spielen ungeschlagen ist. Der Klassenerhalt ist nahezu unter Dach und Fach.

Die Wichtigen: Ohne Ole Springer geht wenig. Der Torhüter hat seine Klasse in bislang allen 31 Spielen zeigen dürfen. Auch Defensivakteur Leon Deichmann, 30 Mal am Ball, ist unverzichtbar und ohne Linksaußen Felix Vobejda, ebenfalls 30 Mal aufgeboten, wollen die Lüneburger auch nicht spielen. Darüber hinaus gelten Torjäger Kevin Krottke (9 Treffer, aktuell noch rot-gesperrt) und Mittelfeldabräumer Tomek Pauer (28 Einsätze) als stabilisierend Faktoren im Spieler des LSK.

Die Qualitäten: Defensiv stabil, offensiv effektiv. So oder ähnlich läßt sich wohl am einfachsten beschreiben, was die Mannschaft von Trainerfuchs Rainer Zobel auszeichnet. Die Lüneburger sind körperlich robust, teils sehr kopfballstark und sie haben ihre Torgefahr breit verteilt. Schon 14 Spielern finden sich in der Torschützenliste.

Der VfB: Zwei Spiele, zweimal 90 Minuten, zweimal drei Punkte. Nach der unglücklichen Niederlage gegen Hannover 96 II wollen unsere Blauen aus Lüneburger natürlich Zählbares mitbringen. Unmöglich erscheint das sicher nicht. Das Hinspiel ging mit 0:1 verloren, weil Kevin Krottke den Ball bereits nach drei Minuten in den Winkel setzte. Nachhaltigen Aussagewert hat das Ergebnis nicht. Keine Frage, der LSK ist zurzeit gut drauf, hat durch seine beeindruckende Serie jede Menge Selbstvertrauen getankt. Der VfB allerdings muss sich nicht verstecken. Die Mannschaft hat in den letzten drei Spielen überzeugt, trotz der Niederlage gegen Hannover. Offen ist, wie es personell aussehen wird. Einige Spieler sind angeschlagen. Ihr Einsatz wird sich erst am Spieltag entscheiden.

Der Wunsch: Liebe VfB-Fans, zwei Spiele stehen noch auf der Uhr. Zweimal wollen wir alles raushauen, um die Punkte zu holen, die wir für den Klassenerhalt brauchen. Dabei bauen wir auch auf euch. Seid dabei, unterstützt die Blauen so lautstark, wie zuletzt und macht die Auswärtsspiele zu Heimspielen. Lasst uns gemeinsam durchstarten. Auf dem Rasen und auf den Tribünen. Angepfiffen wird am Mittwochabend, um 18.45 Uhr.