Das VfB-Medienteam hat sich unseren Geschäftsführer Philipp Herrnberger zum Interview geschnappt. 

INTERVIEW

Im vergangenen Jahr hat der VfB kurz vor der Winterpause den Aufstieg als Ziel ausgegeben. Das wurde letztlich verfehlt. Wie hat sich das auf die Gesamtentwicklung ausgewirkt?

Wir waren natürlich alle enttäuscht, aber das ist abgehakt. Ich finde, dass die entscheidenden Gremien, also die sportliche und kaufmännische Leitung sowie der Vorstand, dadurch noch enger zusammengerückt sind. Wir haben viele Dinge konstruktiv besprochen und glauben daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Eines merken wir zum jetzigen Zeitpunkt bereits deutlich: die Sache ist abgehakt und aus den Köpfen aller Beteiligten und unserer Gesprächspartner insbesondere der Sponsoren verschwunden. Die Situation des Frühjahrs zeigt aber noch einmal deutlich, dass die ganze Region nach höherklassigem Fußball verlangt.

 
Wie siehst Du als kaufmännisch Verantwortlicher die aktuelle sportliche und wirtschaftliche Entwicklung?

Ich bin zufrieden! Bedenkt man, dass wir mit einem runderneuerten Kader in die Saison gestartet sind und immer wieder Rückschläge durch Verletzungen hinnehmen mussten, dann ist die aktuelle sportliche Momentaufnahme sehr positiv zu bewerten. Was die wirtschaftliche Situation angeht, müssen wir die Einnahmenseite definitiv stärken. Damit meine ich die Bereiche Sponsoring, Ticketing, Merchandising, sowie Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wir wollen zukünftig jede Saison mit einem kleinen Überschuss abschließen, was im Sport eine bekannt schwierige Aufgabe ist, schaut man sich beispielsweise die Zahlen vieler Zweit- und Drittligisten an. Wir wollen dies aber nachhaltig angehen und planen konservativ. Das wird von uns erwartet. Vorschnelle Entscheidungen und Hauruck-Aktionen um den sportlichen Erfolg zu erzwingen wird es nicht geben, da haben wir alle ein und dieselbe Meinung. Das bedeutet aber vielleicht auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen und Dinge zu verändern, die schon lange Bestand haben. Aber nochmal: wir sind auf einem echt guten Weg und können langsam die Früchte der intensiven Arbeit unserer ersten gemeinsamen Saison 2015/16 einfahren.

 

Die Anzahl der Sponsoren ist gestiegen, obwohl sich die Mannschaft nicht ganz oben festgesetzt hat. Worauf führst Du das zurück?

Der Erfolg auf dem Platz sowie auch in wirtschaftlicher Hinsicht kommt nicht von alleine, sondern ist das Ergebnis akribischer Arbeit. Das haben alle Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle verinnerlicht und genauso gehen wir unseren Weg in der Vermarktung. Viele Dinge haben wir erneuert, wie zum Beispiel die Ausgestaltung der Werbeflächen für unsere Partner im Stadion. Und letztendlich bekommen wir das Feedback, dass der VfB in der Außenwahrnehmung zunehmend positiv punktet. Wir haben uns im April mit Frederic Klein im Marketing/Vertrieb verstärkt und wir kriegen von unseren Partnern positive Rückmeldung, dass wir einfach näher an ihnen dran sind. Wir wollen unsere Partner bestmöglich betreuen und sie bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen. Und da wir das anscheinend ganz gut machen, spricht sich das in der regionalen Wirtschaft rum. Unsere Partner, Fans und wir haben letztendlich ein gemeinsames Ziel: sportlichen Erfolg, der uns in eine höhere Liga bringt. Und das lässt sich nur durch gemeinsame harte Arbeit erreichen.

 

Der Zuschauerschnitt ist im Vergleich zur Vorsaison gestiegen. Nehmen die Menschen den VfB jetzt positiver wahr?

Ich denke schon, denn wir haben letztes Jahr mit Cloppenburg und Wolfsburg zwei Spiele mit einer relativ hohen Zuschauerzahl gehabt. Obwohl uns nun ein Derby fehlt, da Cloppenburg abgestiegen ist, sind unsere Zuschauerzahlen gestiegen. Ich bin aber noch nicht zufrieden. Das ist ehrlich gesagt zu wenig und zeigt, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Wir werden immer mal Dinge ausprobieren von denen wir denken, dass sie uns weiterhelfen. Wenn dann etwas mal nicht auf Anhieb funktioniert bewerten wir den Aufwand und schauen, was wir verändern können. Was heute nicht funktioniert, kann möglicherweise in der Zukunft funktionieren. Alle Ideen bleiben in unseren Schubladen und werden an geeigneter Stelle wieder rausgeholt. Darüber hinaus befassen wir uns ganz aktiv mit vielen Themen, um wieder mehr Zuschauer bei unseren Heimspielen zu haben. Jeder Oldenburger Fan und Fußballinteressierte aus der Region soll wieder wissen, dass uns jeder einzelne Besucher weiterhilft. Wenn ich die Bilder von früher sehe, sehe ich eine große Gemeinschaft, die den VfB bei den Heimspielen in Donnerschwee und am Marschweg unterstützt hat. Wenn wir wieder in die Köpfe der Menschen kommen, dann schaffen wir auch eine Steigerung der Zuschauerzahlen im Marschwegstadion.

 

Der VfB hat anfangs mit „blanker Brust“ gespielt. Warum ist es so schwer, einen Trikotwerbepartner zu finden?

Wenn man sich anschaut wie viele Drittligisten Probleme haben ihre Brust zu vermarkten, dann ist das kein Oldenburger Problem. Wir haben uns vor der Saison gemeinsam mit dem Vorstand darauf festgelegt unsere Brust nicht zu verramschen. Es wäre aber vermessen zu denken, dass man sofort einen Partner für die wichtigste Werbefläche des Vereins bekommt. Eine blanke Brust bringt immer Hektik auf die Schnelle einen Partner zu finden, aber das müssen wir im Sinne der langfristigen Betrachtung leider auch mal aushalten. Am Ende des Tages freuen wir uns sehr über das Engagement unseres langjährigen Partners Sport Duwe der erkannt hat, dass der VfB ein Botschafter seiner Marke im gesamten Nordwesten ist. Wir sind regelmäßig in allen regionalen Medien sowie im kicker…insbesondere die digitalen Plattformen und unsere regionalen Medien sorgen dabei für hohe Reichweiten.

 

Die Fans wünsche sich ein neues Stadion, von Politik und Verwaltung gibt es positive Signale. Aber aktuell und auf absehbare Zeit ist das Marschwegstadion die Spielstätte. Welche Möglichkeiten, aber auch Wünsche hat der VfB, um die Vermarktung hier noch weiter voranzutreiben?

Eines vorweg: wir haben einen sehr guten Kontakt zur Verwaltung der Stadt und führen ständig sehr konstruktive Gespräche über die Entwicklung im Marschwegstadion. Unsere Wahrnehmung ist, dass die Verwaltung uns schon heute bestmöglich unterstützt und dies auch weiterhin tun wird. Aktuell führen wir Gespräche mit Herstellern von VIP-Zelten und möglichen Betreibern, da wir diese Neuerung als einen sehr wichtigen Punkt zur Optimierung unserer Vermarktung ausgemacht haben. Ziel ist es, zukünftig zwei VIP-Räume anbieten zu können, da wir die Kapazität brauchen. Die jetzige C.U.P.-Lounge ist nahezu ausvermarktet, auch da wir die Leistung kontinuierlich verbessern. Wir haben unser Angebot z.B. mit dem Hospitality- und Vermarktungskonzept der Kollegen vom Drittligisten 1. FC Magdeburg verglichen. Dabei konnten wir feststellen, dass wir schon jetzt auf einem sehr guten Niveau arbeiten, und ich behaupte, dass kein anderer Regionalligist unserer Staffel so weit ist wie wir. Wir sind vorbereitet für viele Eventualitäten der Zukunft. Baulich können wir im Marschwegstadion allerdings nicht viel ändern, was vor dem Hintergrund eines möglichen Stadionneubaus auch wenig Sinn machen würde.

 
Der VfB ist „nur“ Viertligist, steht in der Wahrnehmung, vor allem aber auch im Werben um Sponsoren in Konkurrenz-Situation zu den Bundesligisten EWE Baskets (Basketball) und VfL Oldenburg (Handball). Kann man in diesem Wettbewerb langfristig überhaupt konkurrenzfähig sein und bleiben?

Definitiv ja, das zeigt auch unsere große Zahl von 108 Wirtschaftspartnern. Aber wir als vermeintlich kleiner Regionalligist müssen uns täglich mit der Arbeit insbesondere des Basketball-Bundesligisten messen, der uns in der Struktur schon noch ein paar Jahre voraus ist. Aber wir holen auf, das ist meine Wahrnehmung. Man darf jedoch nicht vergessen, dass dem Club deutlich mehr hauptamtliche Mitarbeiter und ein höheres Marketingbudget zur Verfügung steht als uns. Das wäre für einen Regionalligisten ungesund und schlichtweg nicht bezahlbar. Wir setzen auf Kreativität und auch mal nicht gleich einleuchtende Ideen und haben tolle Partner, die uns mit ihren Mitteln unterstützen. Wir haben vor noch aktiver und sichtbarer zu werden und arbeiten gerade auch intensiv an unserer Markenpositionierung. Und wenn die Philosophie und der Ruf des Vereins positiv wahrgenommen werden, dann punkten wir auch kaufmännisch.

 

Der VfB hat jetzt eine sehr plakative Kampagne zur Mitgliedergewinnung gestartet. Was versprichst Du Dir davon?

Wir wollen Aufmerksamkeit für unsere Aktivitäten in der Jugend sowie auch im gesellschaftlichen Bereich schaffen und benötigen zusätzliche Mittel da wir unser Engagement für die Nachwuchsarbeit zukünftig weiter intensivieren wollen. Gerade in der Jugendarbeit von der U11-U14 sehe ich finanziellen Nachholbedarf, weil hier in der Vergangenheit gespart werden musste. Wir finden teilweise gute Bedingungen vor, die wir dank unserer Partner umsetzen können. Aber wir wollen uns in allen Bereichen weiterentwickeln und insbesondere unsere Jugendtrainer noch besser ausbilden. Unser Ziel sind mindestens 1.000 neue Mitglieder, um eine Mitgliederzahl entsprechend unseres Gründungsjahres zu erreichen. 

 

Erst Darts, jetzt Cricket, dazu Frauenfußball. Ist der VfB auf dem Weg zum Breitensportverein?

Darauf ein klares Jein. Zum einen Ja, weil wir glauben, dass wir noch viel mehr Menschen ein sportliches Zuhause geben können und sie es auch wollen. Wir freuen uns über neue Gesichter im Verein und eine neue Art der Vereinskultur. Zum anderen Nein, da unser Fokus weiterhin auf Fußball liegen wird. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel und wollen in den Profifußball. Der Fußball nimmt heute und wird in Zukunft den Großteil unserer Arbeitskraft einnehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Beides ist also unter einen Hut zu bringen und das geht eben nur mit aktiven und zuverlässigen Menschen in den einzelnen Abteilungen. Jeder der bei uns Sport treiben will ist willkommen. Wir sind stolz auf jede Mannschaft und jeder Sportart die sich aktiv beteiligt und den Verein weiterbringt, denn alle tragen die Zitrone auf der Brust und darauf kommt es an.