Der Primus kommt nach Oldenburg. Tabellenführer VfL Wolfsburg II will am Sonntag, ab 15 Uhr, die nächsten Schritte Richtung Titelgewinn machen. Wollen ist dabei eine Geschichte, Können die andere, denn der VfB Oldenburg wird diesbezüglich „Einspruch“ einlegen und das aus gutem Grund, wir unser Vorspiel zeigt.

Der Gegner: Die Zahlen sind, das muss man neidlos anerkennen, beeindruckend. Die Wolfsburger Jungsprofis haben in dieser Saison 19 von 27 Spielen gewonnen, sechsmal unentschieden gespielt und nur zweimal verloren. 68 Tore bedeuten den besten Angriff, lediglich 19 Gegentreffer die beste Abwehr. Die Tabellenführung ist kein Zufall, sondern schlicht das Ergebnis dieser Klasse. Die wiederum ist den nahezu optimalen Rahmenbedingungen geschuldet. Die Finanzkraft des Bundesligisten macht es möglich.

Die Leistungsträger: Schaut man auf die Offensive, spricht man über Daniel Hanslik. 19 Treffer hat der Angreifer bereits erzielt und wird dafür am Saisonende mit dem Sprung in die zweite Bundesliga belohnt. Hanslik hat bei Holstein Kiel für drei Jahre unterschrieben. Leicht und locker hätte auch Julian Klamt professionell in der zweiten Liga dem Ball hinterher laufen können. Der lange Blondschopf entschied sich allerdings für eine Rolle als Führungsspieler in der Wolfsburger Reserve. Dort ist Klamt eigentlich nicht zu ersetzen. „Stark im Spielaufbau, Zweikampf, Kopfball. Er ist enorm wichtig für Wolfsburg, ein top Innenverteidiger“, lobt VfB-Trainer Marco Elia den Wolfsburger Kapitän. Der allerdings fehlte am verganenen Wochenende. Das Knie zwickte. In Oldenburg dürfte Klamt allerdings wohl wieder auflaufen. Ansonsten ist mit einer personellen Anleihe bei den Erstliga-Profis zu rechnen, denn mit Robin Ziegele fehlt ein Innenverteidiger aufgrund einer Rotsperre. Der war im Hinspiel allerdings auch nicht dabei und wurde durch Bundesligaprofi Marcel Tisserand ersetzt, der zu seinem einzigen Regionalliga-Einsatz kam.

Die Ausgangslage: Der Druck lastet deutlich mehr auf den Gästen. Wolfsburg hat die Tabelle über Wochen souverän angeführt, zuletzt aber geschwächelt. In Drochtersen unterlagen die Grün-Weißen 0:1, gegen Weiche Flensburg reichte es nur zu einem glücklichen 1:1. Der Vorsprung ist auf sieben Punkte geschmolzen, denn der Tabellenzweite VfB Lübeck ist konstant unterwegs und punktet regelmäßig dreifach. Zudem können die Lübecker mit einem Sieg bei Hannover 96 II weitere drei Zähler einsammeln und somit auf vier Punkte an die Wolfsburger herankommen. Der VfB dagegen will unbedingt dreifach punkten, weniger für die Liga, sondern vor allem für das eigene Konto. „Wir wollen so hoch klettern, wie möglich“, sagt Trainer Marco Elia.

Das Personal: Allein Süleyman Celikyurt kann am Sonntag nicht mitspielen, denn er kassierte in Kiel die fünfte gelbe Karte und ist gesperrt. Dafür wäre Kifuta Kiala Makangu wieder frei. „Wir haben alle Möglichkeiten“, sagt Marco Elia und grinst, denn wer auflaufen wird, will er nicht verraten. Im Training hat die Mannschaft in dieser Woche „richtig Gas gegeben“, erzählt der Trainer, der die Einheiten mit Ball durch intensive Laufübungen erweitert hat. „Es ging darum, über den Schmerzpunkt zu gehen. Das war eine reine Willensschulung und das haben die Jungs auch verstanden.“ Die Lust auf dieses Spiel ist beim VfB groß. Bereits im ersten Vergleich, der torlos endete, zeigten die Blauen eine starke Leistung und waren dem Sieg näher als der Ligaprimus. Die Oldenburger Bilanz gegen die Top-Mannschaften ist ohnehin gut. Spielerisch starke Gegner liegen den Blauen und spielerisch stark sind die Wolfsburger Jungprofis allemal. Allerdings spielen sie zuhause auch auf einem Rasen, der jeden englischen Golfplatz fast vor Neid erblassen lässt. In Oldenburg dürfte das Geläuf sich etwas rustikaler präsentieren. „Wir schauen mal, wer damit besser zurecht kommt“, sagt Marco Elia lachend.