Eutin. Das war ganz wichtig! Der VfB Oldenburg hat im Kampf um den Klassenerhalt einen direkten Konkurrenten distanziert. Ibrahim Temin veredelte eine feine Vorlage von Pascal Richter zum 1:0-Siegtreffer bei Eutin 08. Es war ein verdienter Erfolg unserer Blauen, der allerdings deutlicher hätte ausfallen müssen.

Fast schon wie gewohnt hatte Stephan Ehlers auch an diesem Samstag personell umstellen müssen. Kifuta Kiala Makangu konnte nicht aufdribbeln und für Süleyman Celikyurt reichte es nach einer starken Erkältung nur zum Platz auf der Bank. Zudem fehlten die gesperrten Daniel Franziskus und Ahmet Saglam. Dafür kehrten Leon Lingerski und Okan Erdogan in die Anfangsaufstellung zurück.

Auf dem rutschigen Untergrund des Eutiner Sportplatzes wurde schnell deutlich, dass es heute nicht möglich sein würde, schönen Kombinationsfußball zu spielen. Kampf, Einsatz, Intensität waren die Markenzeichen eines Spiels, das in den ersten 45 Minuten kaum Höhepunkte zu bieten hatte. Der VfB startete engagiert, tat sich allerdings schwer, die körperlich starken Gastgeber gewinnbringend zu attackieren. Fast schon folgerichte hatte Eutin auch die erste Chance des Spiels. Eine knappe Viertelstunde ist gespielt, da warten die Oldenburger auf den Abseitspfiff von Schiedsrichter Murat Yilmaz. Doch der kommt nicht und Christan Rave ist frei durch, zieht ab, aber auch am langen Pfosten vorbei.

Die Oldenburger brauchen lange, um selbst Gefahr nach vorne zu entwickeln. Zu selten kommt der finale Pass an, zu oft reiben sich die Blauen in Zweikämpfen im Mittelfeld auf. Immerhin, wenn der VfB spielerische Lösungen bevorzugt, wird es gefährlich. So auch in der 31. Minute. Ibrahim Temin, dem anfänglich kaum etwas gelingen will, setzt Gazi Siala in Szene, der einfach mal abzieht. Während mancher der sangesfreudigen VfB-Fans schon zum Torjubel ansetzen will, reißt Torhüter Lukas Ulrich Benner noch eine Faust nach oben und kann den Ball zur Ecke abwehren (31. Minute).

Auch die nächste Szene gehört dem VfB, denn Hugo Magouhi kommt zum Abschluss, schießt nach der Ecke aus dem Gewühl heraus allerdings deutlich über das Tor (32.). Drei Minuten später hadern die Gäste dann mit Schiedsrichter Yilmaz und das zurecht. Nach einem gefühlvollen Pass von Frederik Lach wird Thorsten Tönnies elfmeterreif am Abschluss gehindert. Der zwingend fällige Pfiff bleibt allerdings aus und es geht torlos in die Kabinen.

Das war zu wenig, darin sind sich in der Halbzeitpause alle Oldenburger einig. Stephan Ehlers findet in der Pause allerdings die richtigen Worte, denn die Blauen kommen wie verwandelt aus der Kabine. Brust raus, Kopf hoch und den Ball unten lassen – so ähnlich lautete die Ansage des Trainers, die Pascal Richter sofort beherzigt. In der ersten Halbzeit noch vollkommen wirkungslos, wird der schnelle Oldenburger jetzt mehrfach in Szene gesetzt. So auch in der 46. Minute. „Palle“ ist viel zu schnell für die Eutiner Deckung, bringt den Ball mit der nötigen Schärfe in den Strafraum und Ibrahim „Ibo“ Temin drückt ihn zum 0:1 über die Linie (46.).

Die kollektive Freude wäre wohl noch deutlich ausgefallen, hätten die Oldenburger in der Folge auch nur einen Teil ihrer Möglichkeiten genutzt. Der jetzt minutenlang kaum einzufangende Richter zielt aufs kurze Eck – Benner wehrt zur Ecke ab (57.). Eutin gibt sich allerdings nicht geschlagen, wirft alles in die Waagschale, vor allem physisch. Zudem wechselt Trainer Lars Callsen früh gleich dreimal. Seine Mannschaft macht durchaus auch Druck, doch allen voran Muhittin „Erdem“ Bastürk räumt kompromisslos ab. Er dürfte in den 90 Minuten praktisch keinen Zweikampf verloren haben. Auch Thorsten Tönnies, diesmal im zentralen Mittelfeld aufgeboten, verdient sich ein großes Fleißkärtchen für unermüdlichen Einsatz.

Kommt doch mal ein Ball durch, ist Hrvoje Bukovski zur Stelle. Anfangs hatte der Oldenburger Torhüter noch massive Probleme. Aufgrund einer Verletzung hatte er sich von Mannschaftsarzt Dr. Björn Jespersen eine schmerzstillende Spritze verpassen lassen und deshalb kaum Gefühl im Fuß. „Das wurde zum Glück in der zweiten Halbzeit besser“, klärte der Schweizer nach dem Schlusspfiff, sichtlich glücklich, zu Null gespielt zu haben.

Das Spiel selbst wurde Mitte der zweiten Halbzeit immer ruppiger. Erster Leidtragender war Richter, der von Lion Glosch in bester Ringermanier beidhändig zu Boden gerissen wurde. Es war die einzige Möglichkeit für den Eutiner, einen gefährlichen Oldenburger Konter zu unterbinden – die gelbe Karte war die logische Konsequenz. Der eingewechselte Patrick Bohnsack hatte mit dem gelben Karton sogar noch Glück, denn er hatte Tönnies überhart von den Beinen geholt. Das hätte auch „Rot“ sein dürfen.

Dass die Eutiner zu diesem Zeitpunkt, eine Viertelstunde vor Schluss, überhaupt noch so viel Einsatz zeigten, war auch dem VfB-Unvermögen zu verdanken. Die Blauen verpassten es einfach zu oft, den Deckel drauf zu machen. So auch Hugo Magouhi, der von Leon Lingerski perfekt angespielt worden war, den Ball aus fünf Metern aber nicht an Torhüter Benner vorbei brachte. Zuvor hatte der schon einmal gegen den Oldenburger Stürmer pariert und auch einen Schuss von Tönnies entschärft.

Am Ende reichte es auch so zum unbedingt verdienten Oldenburger Sieg, der von Stephan Ehlers mit einem freien Sonntag belohnt wurde. Es gilt ganz schnell wieder Kraft zu tanken, denn schon am kommenden Mittwoch geht es für den VfB weiter. Mit dem FC St. Pauli II wird im Marschwegstadion der nächste spielstarke Gegner auflaufen.

Stephan Ehlers: Wir sind natürlich glücklich über die drei Punkte, aber ich habe nicht umsonst schon so viele graue Haare. Wir müssen das Spiel einfach früher für uns entscheiden. Mit dem Einsatz und der Leidenschaft bin ich sehr zufrieden. Ein ganz großes Dankeschön, auch im Namen der Truppe, geht heute an unsere Fans. Super, wie sie uns hier unterstützt haben, das ist ja nicht selbstverständlich, denn Eutin ist ja nicht gerade um die Ecke.

Eutin 08: Lukas Benner – Sebastian Witt, Sönke Otto Meyer, Moritz Achtenberg (75. Patrick Bohnsack), Lion Glosch – Kevin Wölk, Florian Ziehmer – Christian Rave, Benjamin Petrick (56. Rasmus Tobinski), Rico Bork – Jan Frederik Kaps (46. Thies Borchardt)
Trainer: Lars Callsen

VfB Oldenburg: Hrvoje Bukovski – Thorsten Tönnies, Frederik Lach, Okan Erdogan, Leon Lingerski – Gazi Siala, Muhittin Bastürk – Laurel Aug – Pascal Richter (81. Patrick Papachristodoulou), Ibrahim Temin – Hugo Magouhi (86. Henri Aalto)
Trainer: Stephan Ehlers

Tore: 0:1 Ibrahim Temin (47.)

Schiedsrichter/in: Murat Yilmaz – Assistenten: Thore Holst, Björn Lassen

Zuschauer: 290 auf der Sportanlage Waldeck

Gelbe Karte: Lion Glosch (7.), Patrick Bohnsack (5., gesperrt), Sebastian Witt (4.), Thies Borchardt (2.) / Leon Lingerski