Oldenburg. Erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu. Wenn es mal nicht läuft. Hast … am Schuh, haste … An dieser Stelle ließen sich wohl noch einige Floskeln aufzählen, um das Spiel des VfB Oldenburg gegen Holstein Kiel knackig zusammenzufassen. Vor 1.147 Zuschauern gab es keine Tore, sehr wohl aber viel und zweifelsfrei verdienten Ball für eine gute Leistung der Blauen.

Marco Elia und Cumhur Demir hatten ihre Mannschaft mutig auf- und eingestellt. Statt dem spielstarken Nachwuchs aus Kiel das Feld zu überlassen und über schnelles Umschalten zum Erfolg zu kommen, attackierten die Oldenburger den Gegner schon in dessen Hälfte. Selbstbewusst auftreten, Druck ausüben, den Gegner zu Fehlern zwingen, lautete die Vorgabe des neuen Trainerduos an die Mannschaft und die setzte selbige auch gut um.

Bereits nach vier Minuten hatte Kiels Bester, Torhüter Dominik Reimann, sich mächtig zu strecken, um einen Freistoss von Ahmet Saglam zu entschärfen. Es sollte die erste einer ganzen Reihe von Paraden des Fängers sein, der seiner Mannschaft letztlich das Remis rettete. Nur vier Minuten später stand er erneut im Mittelpunkt. Pascal „Calli“ Steinwender hatte Dominique Ndure geschickt, dessen feine Hereingabe aber weder Maik Lukowicz, noch Kifuta Kiala Makangu erreichten.

Von den Gästen war bis dahin offensiv noch nicht zu sehen, doch das änderte sich in der 10. Minute. Mit einer gekonnte Grätsche konnte Kai Bastian Evers noch einen Abschluss von Noah Awuki verhindert, doch der starke Tjorve Nils Mohr kam noch zum Schuss, fand seinen Meister jedoch in Dominik Kisiel.

Der VfB drängte weiter und kam erneut zu guten Möglichkeiten. Doch weder Calli Steinwender (15.) noch Gazi Siala (25.) trafen zur unbedingt verdienten Führung. Immerhin, auch defensiv zeigten die Oldenburger eine konzentrierte Vorstellung und ließen die Gäste kaum Raum. Entsprechend wenig Möglichkeiten wurden von Holstein kreiert. Die beste Chance der ersten Halbzeit hatte folgerichtig der VfB. Der starke Lennart Madroch hatte von der Strafraumgrenze aus abgezogen, Reimann den Ball prallen lassen, so dass Kifuta ihn eigentlich nur noch zum 1:0 veredeln musste, doch genau das gelang dem Oldenburger Angreifer nicht. Er zielte aus kurzer Distanz über das Tor (25.).

Nach dem Wechsel rieben sich die Zuschauer kurzzeitig die Augen. Der VfB agierte plötzlich deutlich defensiver und das nutzten die Gäste zur ersten Chance der zweiten Hälfte. Philipp Sander zog ab, doch erneut war Kisiel auf dem Posten. Es sollte für längere Zeit die einzige Möglichkeit von Holstein gewesen sein, denn die Oldenburger Zurückhaltung dauerte keine zehn Minuten an, dann erhöhten die Blauen deutlich die Schlagzahl.

Allein mit dem Abschluss wollte es einfach nicht klappen. Selbst beste Möglichkeiten blieben ungenutzt, so etwa in der 57. Minute. Calli Steinwender hatte scharf vor das Tor gepasst, doch gleich drei Oldenburger rauschten am Ball vorbei. Von Marko Elia lautstark angetrieben und vom Publikum klasse unterstützt, blieb der VfB deutlich am Drücker und kämpfte leidenschaftlich. Sinnbildlich dafür stand einer Szene aus der 63. Minute. Ahmet Saglam hatte im Aufbauspiel den Ball an Laurynas Kulikas verloren und der Kieler Torjäger war auf dem Weg zum 1:0. Doch Sagmal rappelte sich auf, setzte im Spring hinterher und holte Kulikas den Ball mit einer filigranen Grätsche vom Fuß. Die Zuschauer belohnten sein Tun mit viel Applaus.

Kurz darauf war für Maik Lukowicz Schluss. Er wurde durch Pascal „Palle“ Richter ersetzt und der sollte nochmals für spürbaren Schwung sorgen. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung dribbelte er in den Strafraum und zog pfiffig aufs kurze Eck ab. Diesmal wäre Reimann ohne Chance gewesen, doch der Ball prallte vom Pfosten zurück.

Der VfB blieb dran und Elia nahm den nächsten Wechsel vor. Für Steinwender brachte er in der 73. Minute Ibrahim „Ibo“ Temin und auch der sollte noch in den Fokus dieses denkwürdigen Unentschiedens rücken. Im Mittelpunkt stand aber erstmals Kifuta. Der Angreifer war von Richter perfekt geschickt worden und strebte dem Kieler Tor zu, als er von Tobias Fleckstein von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Fabian Porsch zögerte keine Sekunden. Freistoss für den VfB und glatt Rot gegen den Kieler. Den freien Ball setzte Ahmet Saglam allerdings in die Mauer. Dennoch, der VfB blieb dran und stellte in Überzahl auch taktisch nochmal um.

Für Dominique Ndure kam Hugo Magouhi ins Spiel, der sich sofort ins Zentrum orientierte und dort enorme Gefahr entwickelte. Der VfB drängte, drückte, wollte die Führung erzwingen, doch heute war das Tor wie vernagelt. Zehn Minuten vor Schluss hätte es dennoch klingeln müssen. Nach einem feinen Doppelpass mit Kifuta kam Lenni Madroch zum Schuss, Reimann konnte zwar parieren, wehrte den Ball aber direkt vor die Füße von Madroch ab. Zuschauer, Mitspieler und Trainer hatten den Torjubel schon auf den Lippen, doch Lenni zielte über die Latte.
Es sollte aber nicht die letzte Chance gewesen sein. Kiel kam nicht mehr aus der eigenen Hälfte, war nur noch darauf bedacht, das eigene Tor zu verteidigen und hatte am Ende Glück und Reimann. Zweimal schraubte sich Gazi Siala zum Kopfball hoch, verfehlte das Tor aber knapp und als sich der Torhüter in der Nachspielzeit ganz lang streckte, um einen klugen Lupfer von Ibo Temin zu erreichen, war klar, dass es beim 0:0 bleiben würde.

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 6 Okan Erdogan, 3 Dominique Ndure (81. 35 Hugo Magouhi), 22 Ahmet Saglam – 10 Gazi Siala, 8 Kai Bastian Evers, 30 Lennart Madroch – 16 Maik Lukowicz (66. 18 Pascal Richter), 7 Pascal Steinwender (73. 20 Ibrahim Temin), 11 Kifuta Kiala Makangu
Trainer: Marco Elia
Holstein Kiel II: 1 Dominik Reimann – 4 Tjorve Mohr, 15 Florian Foit, 18 Tobias Fleckstein – 16 Vincent Born, 3 Jannis Voß (60. 5 Julius Rainer Alt), 21 Tim Siedschlag, 14 Philipp Sander – 14 Felix Niebergall (80. 6 Barne Pernot), 19 Laurynas Kulikas, 13 Noah Awuku (72. 11 Maurice Knutzen)
Trainer: Ole Werner
Tore: Fehlanzeige
Schiedsrichter: Fabian Porsch – Assistenten: Marco Kulawiak, Florian Schwarze
Zuschauer: 1147 im Marschweg-Stadion
Gelbe Karte: Kifuta Kiala Makangu / Jannis Voß, Tjorve Mohr (4.), Barne Pernot (3.)
Rote Karte: – / Tobias Fleckstein (76., Notbremse)