Oldenburg. Von wegen dreimal ist Oldenburger Recht. Nach zwei 3:1-Siegen in den letzten beiden Heimspielen gab es zwar auch im Spiel zwischen dem VfB Oldenburg und dem SV Drochtersen/Assel vier Tore, diesmal allerdings deren drei für die Gäste.

„Das war niemals ein Elfmeter. Der Spieler tunnelt mich und rennt mich danach fast um. Wenn er das pfeift, dann ist es ein Freistoß für uns, aber doch kein Elfmeter.“ Okan Erdogan war auch nach dem Abpfiff noch fassungslos, ob jener Szene, die am Ende spielentscheidende Bedeutung hatte. Der VfB hatte kurz zuvor einen Rückstand ausgeglichen und drängte auf die Führung, als die Gäste einen Konter setzten und sein Gegenspieler in der Tat auf ihn auflief und zu Fall kam. Der Pfiff von Schiedsrichter Jorrit Friedrich Eckstein-Staben folgte unmittelbar und zum Entsetzen der Oldenburger zeigte der auf den Elfmeterpunkt. Rückblickend lag der Unparteiische mit seiner Entscheidung zwar daneben, viel entscheidenden für die erste Niederlage unter Marco Elia war indes die eklatante Abschlussschwäche der Oldenburger.

Im Vergleich zur Vorwoche hatte der VfB erneut auf einigen Positionen umgestellt. Jeffrey Volkmer kehrte in die Viererkette zurück, außerdem durften Ibo Temin und Kifuta Kiala Makangu diesmal anfangen. Und die Blauen gaben direkt Gas. Knappe drei Minuten waren gespielt, da zog Pascal Richter auf der rechten Seite auf und davon und brachte den Ball gefährlich vor das Tor. Kifuta war mit dem Kopf zur Stelle, zielte allerdings über den Kasten von Fabian Klinkmann, der seine Regionalliga-Premiere im Tor der Gäste feierte. Es sollte eine glänzende werden, denn der Ex-Oldenburger avancierte zum besten Spieler seiner Mannschaft.

Die stand defensiv sicher, machte die Räume eng und setzte konsequent auf Konter. Anfänglich ohne Erfolg, wenngleich die Blauen den Schwung der Anfangsphase nicht konservieren konnten. So dauerte es bis zur 19. Minute, ehe der VfB die nächste Chance hatte und erneut hätte selbige die Führung bedeuten müssen. Nach einem feinen Doppelpass zwischen Kifutat und Gazi Sila kam der Angreifer zum Abschluss, aber nicht an „Klinke“ vorbei. Der ganz in Gelb spielende Torhüter wurden jetzt regelrecht warm geschossen, denn nur fünf Minuten später stand er nach Schuss von Kai Bastian Evers erneut im Mittelpunkt, hatte jetzt zudem Glück, dass ein Verteidiger den Ball zur Ecke weggrätschen konnte.

Der VfB drängte auf die Führung, doch das erste Tor sollte auf der anderen Seite fallen. Sung Hyun Jung schnappte sich im Mittelfeld den Ball und setzte zu einem sensationellen Solo an. Der Koreaner ließ fünf oder sechs Oldenburger wie Slalomstangen stehen und am Ende auch Torhüter Thilo Pöpken keine Chance – 0:1 (28. Spielminute). Ein Schock für den VfB, der kurzzeitig die Kontrolle aus der Hand gab und durch Til Hermandung fast das 0:2 geschluckt hätte (31.).

Immerhin, noch vor der Pause erhöhten die Blauen erneut die Schlagzahl und hätten zwingend mit einem 1:1 in die Kabine gehen müssen. Ibo Temin hatte für Gazi Siala aufgelegt und der musste den Ball eigentlich nur noch ins Tor schieben. Doch statt flach abzuschließen versuchte er es halbhoch, so dass Klinkmann mit einer großartigen Parade den Ausgleich doch noch verhindern konnte (35.).

Marco Elia haderte nicht nur deshalb mit dem Tun seiner Mannschaft. „Die Abstände sind zu groß, spielt mehr miteinander“, forderte der Trainer von seinen Kickern, die mit viel Dampf aus der Kabine kamen. Erneut gehört dem VfB die erste Szene. Diesmal hatte Jeffrey Volkmer auf den kurzen Pfosten gepasst, Kifuta war zur Stelle, hatte jedoch Pech, denn sein Schuss klatschte an die Latte (50.).
Zehn Minuten später übernahm Volkmer schließlich selbst die Hauptrolle. Nach einer Ecke war er mit dem Kopf zur Stelle und traf zum längst verdienten 1:1.

Der VfB wollte mehr, jetzt mit Pascal „Calli“ Steinwender für den verletzt ausgeschiedenen Pascal Richter. Doch kurz darauf der nächste Nackenschlag – Elfmeter für Drochtersen. Marco Elia konnte es nicht fassen, machte seinem Unmut auch deutlich Luft, doch Schiedsrichter Eckstein-Staben blieb bei seiner Entscheidung und Alexander Neumann versenkte trocken zum 1:2 (68.). Die Blauen setzten jetzt alles auf eine Karte und brachten mit Hugo Magouhi für Gazi Siala und Maik Lukowicz für Ibo Temin noch zwei frische Angreifer, doch das entscheidende Tor erzielten die Gäste. Nach einem Konter traf Hermandung zum 1:3. Der VfB dagegen blieb sich treu und zielte auch in der Schlussphase knapp am Tor vorbei.

Lars Uder, Trainer SVDA: Wir waren heute nicht die bessere Mannschaft. Die Führung war glücklich. Es war ein schwieriges Spiel, gegen eine kompakte Mannschaft. Der VfB hatte Chancen für zwei Spiele, wir hatten am Ende Möglichkeiten über Konter, das ist ja klar, wenn der Gegner aufmacht. Eine Punkteteilung wäre sicherlich gerechter gewesen.
Marco Elia, Trainer VfB: Es ist schon schwierig, das jetzt zu analysieren. Wir hatten sehr viele Möglichkeiten, aber im Moment kommen Pech und Unvermögen zusammen. Der Gegner dagegen trifft sofort. Den Elfmeter muss man nicht geben, aber entscheidend ist, dass wir aus der Vielzahl an Möglichkeiten zu wenig machen.

VfB Oldenburg: 13 Thilo Pöpken – 3 Dominique Ndure, 6 Okan Erdogan, 22 Ahmet Saglam, 5 Jeffrey Volkmer – 30 Lennart Madroch, 8 Kai Bastian Evers – 18 Pascal Richter (63. 7 Pascal Steinwender), 10 Gazi Siala (74. 35 Hugo Magouhi), 20 Ibrahim Temin (77. 16 Maik Lukowicz) – 11 Kifuta Kiala Makangu

SV Drochtersen/Assel: 1 Fabian Klinkmann – 5 Eyke Kleine, 23 Julian Stöhr, 12 Nico Mau (46. 3 Meikel Klee) – 21 Dimitri Fiks, 20 Oliver Ioannou (90. 6 Niklas Hadaschik) – 9 Jan-Ove Edeling, 8 Marcel Andrijanic, 24 Till Hermandung – 14 Alexander Neumann (88. 17 Erdogan Pini), 77 Sung-Hyan Jung

Tore: 0:1 Sung-Hyan Jung (28.); 1:1 Jeffrey Volkmer (60.); 1:2 Alexander Neumann (Foulelfmeter, 68.); 1:3 Till Hermandung (78.)
Schiedsrichter: Jorrit Friedrich Eckstein-Staben – Assistenten: Björn Krüger, Björn Lassen
Zuschauer: 978 im Marschweg-Stadion
Gelbe Karte: Kai Bastian Evers (4.), Okan Erdogan, Kifuta Kiala Makangu (2.), Ahmet Saglam (2.), Gazi Siala (2.) / Till Hermandung, Marcel Andrijanic (4.)