Oldenburg. Endlich! Der VfB Oldenburg hat das erste Heimspiel in 2017 gewonnen. Vor der Minuskulisse von lediglich 911 Zuschauern besiegten die Blauen am Ostersonntag den FC St. Pauli II verdient mit 2:0.

Fast schon erwartungsgemäß hatte sich in der Vorbereitung auf das Spiel das Verletzungspech beim VfB eingenistet. Diesmal ergänzten Fabian Klinkmann (Knieverletzung) und Dino Fazlic (Zerrung) die Riege der Ausfälle. Andreas Pollasch hatte sich im Training zwar einen Kapselriss zugezogen, stellte sich aber trotzdem zur Verfügung.

Cheftrainer Dietmar Hirsch musste also personell umstellen und entschied sich diesmal für eine 4-1-4-1-Formation, die so noch nie zusammengespielt hatte. Jannick Wetzel, der, um es vorweg zu nehmen, ein überzeugendes Spiel machte, kehrte zwischen die Pfosten zurück. Die Innenverteidigung bildeten Henri Aalto und Erdem Bastürk, Freddy Lach rückte nach links, Pascal Richter verteidigte erneut rechts.

Yannik Rolff kam nach 640 Tagen verletzungsbedingter Auszeit endlich wieder zu einem Pflichtspiel und agierte im defensiven Mittelfeld. Vor ihm spielten Björn Hakansson, Marc Meunier, Thorsten Tönnies und Ibo Temin, im Sturmzentrum agierte nach abgelaufener Sperre Christopher Kramer.

Dass die Oldenburger nur schwer in Spiel fanden, war natürlich keine Überraschung. Allerdings zeigte die Mannschaft von Beginn an eine gute Einstellung, gab keinen Ball verloren und wollte sich spürbar ins Spiel kämpfen. Die Gäste, vor allem in der ersten Halbzeit spielerisch stark, hatten jedoch anfänglich die besseren Möglichkeiten und hätten bereits nach drei Minuten in Führung gehen können. Der sehr aufmerksame Henri Aalto klärte allerdings in höchster Not.

Es dauerte eine gute halbe Stunde, ehe die Blauen, von den Fans immer wieder angetrieben, mehr Zugriff aufs Spiel bekamen und ihrerseits erste Möglichkeiten kreierten. Der gute Yannick Rolff hatte für Chris Kramer aufgelegt, dessen Schuss aus der Drehung aber über das Tor ging (31. Minute). Kurz darauf versuchte sich Marc Meunier gleich zweimal aus der Distanz, scheiterte allerdings an Torhüter Svend Brodersen (36. und 42.).

Der bereits mit Gelb verwarnte Björn Hakansson blieb zur Pause draußen und wurde durch Leon Lingerski ersetzt, der sofort Schwung ins Spiel brachte. Überhaupt wurden die Oldenburger jetzt von Minute zu Minute stärker und bekamen den Gegner immer besser in den Griff. Das sollte sich dann auch auf der Anzeigetafel ausdrücken.

Nach einer Flanke von Pascal Richter verpassten die heranrauschenden Kramer, Temin und Meunier zwar noch knapp (51.) und kurz darauf musste auch Wetzel bei einem Schuss von Nico Empen kurz glänzen (53.). Doch in der 57. Minute durfte endlich gejubelt werden. Nach einer Ecke schraubte sich Aalto hoch und wollte bereits jubeln, als Brodersen den Ball noch aus dem Winkel fische konnte. Die daraus resultierende Ecke sollte sich dann aber lohnen. Brodersen unterschätzte den Ball, der zurück in die Mitte gespielt wurde und diesmal war Freddy Lach mit dem Kopf zur Stelle und traf zum 1:0.

Der blau-weiße Jubel wurde nur drei Minuten später mit dem 2:0 garniert. Diesmal hatte sich Pascal Richter rechts durchgesetzt und dann für Temin aufgelegt, der das Zuspiel mit einem platzierten Schuss ins lange Eck veredelte. Der läuferisch einmal mehr total überzeugende Tönnies hätte sogar noch einen dritten Treffer nachlegen können, scheiterte nach feinem Zuspiel von Lingerski aber an Brodersen (74.).

Joachim Philipkowski, FC St. Pauli II: Glückwunsch an den VfB. Wir sind gut ins Spiel gekommen und hätten früh in Führung gehen können. Ich denke auch, dass wir vor der Pause mehr vom Spiel hatten und da hatte ich auch nicht das Gefühl, dass wir verlieren könnten. Nach dem Wechsel kippte das Spiel, wobei wir beim 0:1 einen dicken Fehler machen. Der VfB war dann deutlich aggressiver und mit dem 0:2 war es vorbei. Anfangs waren die Oldenburger verunsichert, am Ende haben sie verdient gewonnen, weil sie diesen Sieg auch einfach mehr wollten.

Dietmar Hirsch:
Ich will heute nicht über Aufstellung oder Taktik sprechen. Es war ein Sieg der Einstellung, wir hatten Herz und haben Kampfgeist gezeigt. Die Jungs waren auf dem Platz füreinander da und das macht mich stolz. Ich möchte auch keinen Spieler herausheben, aber unser Yannick Rolff war 640 Tage ohne Pflichtspieleinsatz und durfte heute sein Comeback feiern. Das sind Dinge, die mich einfach freuen. Wir haben jetzt 38 Punkte, fahren am Mittwoch nach Rehden, um dort etwas zu holen und dann wollen wir Meppen einen großen Kampf liefern.

Yannick Rolff: Ich bin einfach nur glücklich, dass ich endlich wieder spielen konnte und ja, als ich nach einer Stunde raus bin, habe ich die eine oder andere Freudenträne vergossen.

Pascal Richter: Es war nicht einfach, ins Spiel zu kommen, aber wir haben heute endlich mal unsere Chancen genutzt. Das war ja leider nicht immer so. Dafür, dass wir so noch nicht zusammengespielt haben, war es gerade in der zweiten Halbzeit ein gutes Spiel.

VfB Oldenburg: Jannik Wetzel – Henri Aalto, Muhittin Bastürk, Frederik Lach, Björn Hakansson (60. Leon Lingerski) – Marc Meunier, Yannick Rolff (66. Andreas Pollasch) – Pascal Richter, Ibrahim Temin, Thorsten Tönnies (79. Conrad Azong) – Christopher Kramer
Trainer: Dietmar Hirsch
FC St. Pauli II: Svend Brodersen – Benjamin Nadjem, Brian Lukas Koglin, Joël Keller – Christopher Avevor (69. Edin Tanovic), Yi Young Park – Seung-Won Lee (75. Rudolf Gonzales Vass), Dennis Rosin (64. Lennart Keßner), Sirlord Conteh – Marcell Sobotta, Nico Empen
Trainer: Joachim Philipkowski
Tore: 1:0 Frederik Lach (57.); 2:0 Ibrahim Temin (59.)
Schiedsrichter/in: Marius Schlüwe (BSV Gleidingen) – Assistenten: Sebastian Otto (HSC Hannover), Felix Bahr (SV Ahlerstedt/Ottendorf)
Zuschauer: 911 im Marschwegstadion
Gelbe Karte: Björn Hakansson (5., gesperrt) / Joël Keller (6.), Christopher Avevor