Oldenburg. Die Neustrukturierung des Krombacher-Niedersachsenspokals kann man sicherlich kontrovers diskutieren. Dass der Vergleich zwischen einem Regionalligisten und einem Drittligisten überaus reizvoll ist, steht indes nicht zur Debatte und wenn es sich bei den Protagonisten dann auch noch um den VfB Oldenburg und den SV Meppen handelt, darf sicher von einem Klassiker gesprochen werden. Fünfmal in Folge haben die Blauen dieses Nachbarschaftsduell mittlerweile gewonnen. Das Motto ist einfach: Macht’s noch einmal, Jungs! Das allerdings ist leichter gesagt als getan, wie in unserer Vorschau deutlich wird.

Die Gäste aus dem Emsland blicken auf eine bockstarke Premiere in der vergangenen Drittliga-Saison zurück. Am Ende gingen die Meppener als Tabellensiebte durchs Ziel, sammelten in 38 Spielen beeindruckende 58 Punkte. Ganz nebenbei feierte der Fußball im Emsland seine finale Renaissance. Die Fans rannten dem SVM die Bude ein. 6.889 Zuschauer kamen durchschnittlich zu den Heimspielen in die „Hänsch-Arena“ (Quelle Transfermarkt.de) und damit mehr als doppelt so viele, wie noch in der Regionalliga.
Die Verantwortlichen, allen voran Cheftrainer Christian Neidhart, der nebenbei sogar seine Fußballlehrerlizenz gemacht hat, und sein Trainerpartner Mario Neumann, erlagen nicht den üblichen Aufstiegs-Versuchungen. Statt auf dem Transfermarkt zuzuschlagen und einen Großteil des Personals auszutauschen, wurde die Mannschaft gezielt verstärkt. Darüber hinaus honorierte auch die Wirtschaft den Erfolg. Die Anzahl der Sponsoren stieg an und heute steht der emsländische Vorzeigeclub finanziell so gut da wie lange nicht.

Wenn die vergangene Saison überhaupt einen Makel hatte, so war es das frühe Aus im Landespokal. Beim VfB Oldenburg unterlagen die Emsländer verdient mit 0:2. Pascal Richter und Daniel Franziskus trafen für die Blauen zum umjubelten Erfolg. Es war der fünfte in Serie, so dass man in Oldenburg durchaus schmunzelnd anmerkt: „Meppen können wir“.

Die Rollenverteilung ist natürlich die selbe wie in der vergangenen Spielzeit. Die Blauen sind krasser Außenseiter. Denn ein personell neu aufgestellter Regionalligist erwartet einen erneut gezielt verstärkten Drittligisten, bei dessen Verantwortlichen auch eine klare Erwartungshaltung vorherrscht. Meppen muss sich durchsetzen.

Die Voraussetzungen für das Gelingen scheinen so schlecht nicht, denn pünktlich zum Pokalspiel bei ihren Oldenburger Freunden haben die Emsländer den ersten Liga-Sieg erspielt. Gegen den VfR Aalen hieß es nach dem Schlusspfiff 1:0. Die Erleichterung war natürlich groß, nachdem die Mannschaft etwas schwer in die neue Serie gestartet ist. Einem 0:0 bei den Sportfreunden Lotte folgte eine 0:2-Niederlage gegen den VfL Osnabrück und beim KFC Uerdingen unterlagen die Meppener, trotz einer starken Leistung, mit 2:3.

Der erkämpfte Sieg gegen Aalen, zumal ein verschossener Elfmeter von Luka Tankulic zu verknusen war, dürfte dem emsländischen Selbstvertrauen durchaus geschmeichelt haben. Dass es noch nicht so rund läuft, wie in der vergangenen Serie, hat natürlich Gründe. Einer ist der Verlust von Benjamin Girth. Der Top-Torjäger war in den letzten beiden Spielzeiten die fußballerische Erfolgsgarantie der Truppe von Christian Neidhart. Seinen Abgang nach Kiel gilt es zu kompensieren. Das ist wohl nicht ganz so einfach. Zwar wurde Mirko Born vom SV Sandhausen zurück ins Emsland geholt, doch der hat noch nicht eingeschlagen wie erhofft. Gegen Aalen reichte es für Born nur zu einem Platz auf der Bank.

Personelle Probleme hat der Trainer auch darüber hinaus zu lösen. Im Tor etwa konnte Erik Domaschke zuletzt keinen Dienst tun. An seiner Stelle hatten die Trainer Jeroen Gies zu vertrauen. Der wirkte gegen Osnabrück noch unglücklich, avancierte gegen Aalen allerdings zum starken Rückhalt. Dennoch wird spekuliert, dass Domaschke, trotz Verletzung, schon in Oldenburg wieder zwischen die Pfosten rücken könnte.

Sicher fehlen wird dagegen Deniz Undav. Der Torjäger, der mit penetranter „Boshaftigkeit“ gegen den VfB getroffen hat, muss aufgrund eines Allergieschocks zuschauen. Verletzt fehlen werden zudem die Leistungsträger Gebers, Senninger und Ballmert. Der Meppener Kader hat allerdings ausreichend viel Substanz, um das zu kompensieren. So darf Posipal nach abgelaufener Sperre wieder mitkicken, Born wäre natürlich eine Alternative und gegen Aalen bekam auch der junge Deters einige Spielminuten. Mit Wagner, Leugers oder Puttkammer, um nur mal einige zu nennen, haben die Emsländer enorm viel Erfahrung auf dem Platz. Für Tempo sorgen Kicker wie Granatowski oder Kleinsorge. Aus Lotte kam mit Wegener ein erfahrener Angreifer zum SV und Trainer-Schwiegersohn Kremer hat auch regelmäßig Einsätze. Im Ex-Waldhofer Hassan Amin haben die Verantwortlichen im Sommer zudem einen Verteidiger an Land gezogen, der vor allem offensiv Akzente setzt.

Keine Frage, der Meppener Kader hat zwar seinen klaren Torjäger verloren, in der Breite aber an Substanz zugelegt. Christian Neidhart hat viele Möglichkeiten, kann taktisch variieren und wird alles dafür tun, um endlich mal gegen den VfB zu gewinnen.

Was spricht denn da für uns? Die grundsätzliche Chance des Außenseiters natürlich, vor allem aber auch das Wissen, mit den Fans im Rücken auch einen Drittligisten in Schwierigkeiten bringen zu können. Meppen hat diese Erfahrung mehrfach gemacht. Der eine oder andere Emsländer wird das im Hinterkopf haben.

Der VfB hat in diesem ungleichen Duell weniger zu verlieren, kann entsprechend befreit aufspielen. Bleibt die Frage, wer überhaupt spielen kann. Hier nämlich beginnen die Probleme der Blauen. Der wichtige 2:0-Sieg über St. Pauli II wurde teuer bezahlt. Angelos Agryris hat sich den Oberschenkel gezerrt, sein Einsatz ist fraglich. Hugo Magouhi hat sich ebenfalls verletzt, auch bei ihm wird sich erst am Spieltag entscheiden, ob er fit genug ist. Kai-Bastian Evers muss aufgrund seiner Rot-Sperre abermals zuschauen. Darüber hinaus bietet aber auch unser Kader verschiedene Möglichkeiten auf allen Positionen.

Die Lust auf das Duell ist groß und das Selbstvertrauen vorhanden, um die Siegesserie gegen den Lieblingsgegner zu verlängern.

An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, möglichst früh zum Stadion zu kommen. Der VfB rechnet mit zahlreichen Gästen. Bitte nutzten Sie zudem den Kartenvorverkauf. Alle Infos dazu finden Sie auf unserer Homepage.