Oldenburg. Stattliche 121 Jahre ist der VfB Oldenburg mittlerweile alt. Ein echter Traditionsverein, der in seiner bewegten Geschichte manche große Klippe zu umschiffen und sich wiederholt in stürmischer See zu behaupten hatte. Die Auswirkungen des jüngsten Sturms, um im Bild zu bleiben, sind noch deutlich spürbar. Um für die Zukunft allen „Unwettern“ trotzen zu können, planen Aufsichtsrat und Vorstand des VfB jetzt eine umfangreiche Strukturreform.

„Wir sehen uns in der Pflicht, alle Risiken für den Gesamtverein zu minimieren und wollen den kostenintensiven Leistungsfußball deshalb in einer Kapitalgesellschaft ansiedeln“, sagt Aufsichtsratssprecher Hans-Georg Oltmanns. Ein entsprechendes Szenario wird zurzeit auf den Weg gebracht. In diesem Zusammenhang beantworten wir an dieser Stelle die wichtigsten Fragen:

1. Warum soll der Leistungsfußball in eine Kapitalgesellschaft übertragen werden?
Die Finanzierung des Regionalliga-Fußballs ist der größte Kosten- und Risikofaktor des VfB Oldenburg. Zurzeit muss der Gesamtverein die Mittel dafür aufbringen. In der Vergangenheit hatte das bereits eine Insolvenz zur Folge. Derzeit kämpfen Vorstand und Aufsichtsrat dafür, die finanziell schwierige Situation in den Griff zu bekommen.
Um solche Szenarien in Zukunft zu vermeiden, soll der Spielbetrieb des Leistungsfußballs im VfB Oldenburg auf eine Kapitalgesellschaft übertragen werden. Diese Gesellschaft trägt zukünftig das finanzielle Risiko, das der Spielbetrieb mit sich bringt.

2. Wer profitiert von einer Kapitalgesellschaft?
Grundsätzlich, wie bereits unter Punkt 1 beschrieben, profitiert der Gesamtverein, mit allen Abteilungen. Zurzeit haftet der Verein mit seinem Vermögen und würde entsprechend belastet, wenn der finanzielle Bedarf das nötig macht. Im schlimmsten Fall, dem sogenannten worst case, hätte eine finanzielle Schieflage eine erneute Insolvenz zur Folge und daraus könnte sogar die Streichung des VfB Oldenburg aus dem Vereinsregister erfolgen.

3. Welche Gesellschaftsform wird angestrebt?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, angefangen bei einer GmbH & Co KG, bis hin zu einer Aktiengesellschaft. Um hier eine tragfähige Lösung für die Zukunft zu schaffen, steht der VfB im engen Austausch mit Experten zum Thema Gesellschaftsrecht und mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB), der diesbezüglich viele Erfahrungen hat.

4. Wem wird die neue Gesellschaft gehören und welche Rolle spielt dabei der VfB Oldenburg?
Der VfB Oldenburg spielt die wichtigste Rolle, denn der VfB wird Mehrheitsgesellschafter sein. In Stufe 1 gehört dem VfB die GmbH zu 100 Prozent. Später können bis zu 49 Prozent der Anteile, zu einem Vielfachen des Nominalwertes, an Investoren verkauft werden, die dem VfB nahe stehen.

5. Besteht die Möglichkeit der Übernahme durch externe Investoren, wie man es in Teilen aus dem Profifußball, etwa in England, kennt?
Nein, diese Möglichkeit besteht nicht. Der VfB wird Mehrheitsgesellschafter sein und hat damit auch ein Vorkaufsrecht. Darüber hinaus sind sich Vorstand und Aufsichtsrat einig, dass beim Thema Anteilsverkauf Partner gewonnen werden, die den VfB Oldenburg seit vielen Jahren kennen und unterstützen. Entsprechende positive Signale dazu gibt es bereits.

6. Welche positiven Effekte bringt eine Aufteilung mit sich?
Neben der bereits erwähnten Minimierung des finanziellen Risikos für den Gesamtverein besteht durch diese neue Form der Finanzierung die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für den Leistungsfußball zu verbessern. Es geht darum, die finanzielle Basis so aufzustellen, dass die sportlich Verantwortlichen mehr Planungssicherheit bekommen, als das zurzeit der Fall ist. Eine Ausgliederung zieht auch nicht wie selbstverständlich sportlichen Erfolg nach sich. Allerdings kann eine solide finanzielle Situation zur Folge haben, dass der VfB seine Basis signifikant verbessern kann, um langfristig sportlich erreichbare Ziele anzustreben.

7. Wie wird sich eine Spielbetriebsgesellschaft finanzieren?

Die neue Gesellschaft generiert Einnahmen durch die Anteilsverkäufe, darüber hinaus aber auch aus der Vermarktung und den Zuschauereinnahmen.

8. Wie finanziert sich der VfB Oldenburg zukünftig?
Der VfB wird durch die Gesellschaft mit den finanziellen Mitteln ausgestattet, die notwendig sind, um Breitensport zu betreiben. Darüber hinaus stehen dem Verein selbstverständlich Mitgliedsbeiträge und andere Einnahmen, etwa Spenden und Zuschüsse, zur Verfügung.

9. Wer wird die neue Gesellschaft führen?
Benjamin Doll, zurzeit schon Geschäftsführer des VfB Oldenburg, wird die Geschäftsführung der Spielbetriebsgesellschaft übernehmen. Darüber hinaus wird die Gesellschaft einen Beirat haben, in dem auch der Verein Sitz und Stimme haben wird.