Oldenburg. „Moin Hansestädter“, so oder ähnlich können wir innerhalb von sieben Tagen gleich dreimal unsere Gäste begrüßen. Die vielen Spielausfälle des Winters haben ein straffes Programm für unsere Kicker zur Folge. Drei Heimspiele bestreiten unsere Blauen innerhalb von sieben Tagen. Den Anfang macht am Mittwochabend, um 18 Uhr, der FC St. Pauli II. Wer? Der einzige Gegner, gegen den wir in dieser Saison noch gar nicht gespielt haben. Logisch, dass wir da ganz genau hinschauen.

Der Gegner: Mit dem FC St. Pauli II erwartet der VfB Oldenburg einen spielerisch und läuferisch bärenstarken Gegner. Die junge Hamburger Truppe spielt flotten Offensivfußball, attackiert meist früh und wird (leider) oft erst sehr spät müde. Aktuell sind die „Paulis“ auf Platz acht unterwegs. Aus 24 Spielen haben sie neun Siege, neun Unentschieden und sechs Niederlagen generiert.

Das Konzept: Der FC St. Pauli II bildet ein vorbildliches Gegenkonstrukt zu vielen anderen zweiten Mannschaften. Während eben die sich oft durch den Zukauf externer Spieler, nicht selten aus dem Profibereich und entsprechend erfahren, verstärken, setzen die Hamburger konsequent auf den eigenen Nachwuchs. Im vergangenen Sommer etwa hätte Trainer Joachim Philipkowski durchaus den Verlust diverser Leistungsträger beklagen können. Nico Empen zum Beispiel wechselt nach Flensburg und im Verlauf dieser Saison wurden Yiyoung Park und Jan-Marc Schneider in den Zweitligakader berufen. Von Wehklagen darüber ist allerdings nichts bis nach Oldenburg durchgedrungen. Stattdessen wurden neun Spieler aus der eigenen U19 in den Kader übernommen.

Die Zahlenspielerei: Die Punktausbeute hatten wir schon zum Thema gemacht. Was fällt noch auf? Ganz klar, St. Pauli will immer nach vorne spielen. 45 Tore hat die Zweitliga-Nachwuchstruppe bereits erzielt. Zum Vergleich, Tabellenführer HSV II hat zwar 50 Tore geschossen, aber auch vier Spiele mehr absolviert. Übrigens weist die Statistik bereits 15 verschiedene Torschützen aus, was nicht so sehr überrascht, denn die Braun-Weißen haben auch schon 33 Spieler eingesetzt. Einer dieser Kicker ist Stefan Rakocevic. Der erst 19-jährige Torhüter, zuvor nur sporadisch eingesetzt, stand Mitte November sogar noch einmal im Kader der U19. Seit Ende November allerdings ist er zwischen den Pfosten gesetzt und hat acht Spiele über 90 Minuten bestritten.

Die Leistungsträger: Eigentlich würden an dieser Stelle ganz sicher Jan-Marc Schneider und Yiyong Park genannt. Die Beiden sind allerdings kaum noch in der zweiten Mannschaft am Ball. Vielmehr sollen sie mithelfen, die erste Mannschaft des FC St. Pauli in der zweiten Bundesliga zu halten. Die Regionalliga-Konkurrenz wird aufatmen, denn vor allem Schneider ist ohne Zweifel ein Kicker der Extraklasse. Obwohl er in dieser Saison nur neun Regionalliga-Spiele bestritten hat, ist er mit neun Treffern noch immer der beste Torschütze der Reserve. Ihm folgt in dieser Liste Marcell Sobotta, der in allen Spielen am Ball war und sechsmal getroffen hat. Als unverzichtbar gelten zudem Seung-Won Lee im zentralen Mittelfeld, sowie Florian Carstens und Brian Konglin in der Innenverteidigung. Anführer der „Rasselbande“ ist ein Senior, Benjamin Nadjem. Der zählt, wie auch Joël Keller, bereits 23 Jahre. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Hamburger es durchaus ernst meinen, wenn sie sagen, dass sie in der Reserve auf junge Talente setzen.

Die Sünder: St. Pauli II ist spielerisch enorm stark. Die jungen Kicker sind fußballerisch allesamt gut ausgebildet, aber sie können durchaus auch mal hinlangen, wenn es nötig ist. Damit wären wir bei den Kartensammlern. Joël Keller allen voran, denn der Linksverteidiger ist in dieser Saison bereits zweimal vom Platz geflogen – glatt Rot! Keller kann es aber nicht nur rustikal, sondern auch nervenstark. Viermal ist er bereits zum Elfmeter angetreten, viermal hat er getroffen. Mit acht gelben Karten führt Brian Lukas Koglin die zweite Strafwertung an. Florian Carstens wurde siebenmal verwarnt.

Der Trend: Ein solcher ist nur schwer auszumachen. Eine stattlichen 5:1 in Eutin ließen die Hamburger ein 0:0 in Hannover und ein 1:1 in Drochtersen folgen. Nach drei Auswärtsspielen folgte dann eine überraschende 0:1-Niederlage gegen den TSV Havelse. Aus acht Spielen der Rückrunde hat die Philipkowski-Truppe elf Punkte geholt.

Die Auswärtsstärke: In der Fremde geht der Reserve das Tun wohl leichter vom Fuß. Lediglich dreimal hat St. Pauli bislang auswärts verloren, aber dafür bereits fünfmal gewonnen und viermal gepunktet.

Die Prognose: Auf den VfB Oldenburg wartet ein taktisch gut ausgebildeter, spielerisch starker Gegner. Eine typische Nachwuchsmannschaft eben, die man nicht spielen lassen darf. Gelingt es dem VfB, den Spielfluss der Gäste zu stören, bekommen diese echte Probleme. Lässt man St. Pauli allerdings zu viel Platz, kann die Truppe ganz filigranen Tempofußball zelebrieren und jeden Gegner regelrecht auseinandernehmen. Offen bleibt, ob St. Pauli auf Verstärkungen aus dem Kader der Profis zurückgreifen kann. Das muss dem VfB allerdings auch egal sein. Unsere Mannschaft hat in den letzten Spielen durchaus gezeigt, dass sie viel Qualität auf den Platz bringen kann. Wenn der Funke auf die Tribünen überspring – wovon wir natürlich ausgehen – bleiben die Punkte in Oldenburg.