Wolfsburg. Der etwas sensiblere VfB-Fans dürfte auf der Anfahrt schon geahnt haben, dass es der Kick der Blauen bei Lupo Martini Wolfsburg nicht etwa mit einem Gütesiegel „überragender Spaßfaktor“ zu versehen sein würde. Verstopfte Autobahnen taugen bekanntlich zum schlechten Omen. Das zu widerlegen wird schwierig, denn am Ende von enttäuschenden 90 Minuten hieß es 3:0 für den Aufsteiger.

„Das war heute gar nichts“, zürnte Andreas Boll und verschwand nach dem Schlusspfiff sichtlich übellaunig in die Kabine. Stephan Ehlers war nicht besser drauf, schüttelte ob der nachhaltigen Enttäuschung den Kopf und suchte nach Erklärungen. „Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten und was wir auch eingefordert haben“, monierte der Trainer. Tatsächlich hätten die Oldenburger wohl noch deutlich länger als die offizielle Spielzeit samt Zugabe absolvieren können, ohne dabei einen Treffer zu erzielen. Zwar waren die Gäste optisch überlegen, hatten auch deutlich mehr Ballbesitz, allein sie wussten diese Vorteile nicht gewinnbringend einzusetzen. Mehr noch, die defensiv stabilen Wolfsburger überrumpelten ihre Gäste mit einfachen Spielzügen gleich dreimal und hätten sogar noch höher gewinnen können, hätte nicht Dominik Kisiel noch einige Chancen vereitelt.

Die Oldenburger mussten auf ihren gesperrten Kapitän Kai-Bastian Evers verzichten. Dafür konnte der zuletzt angeschlagene Lennart Madroch spielen. Gemeinsam mit Angeolos Argyris bildete er das defensive Mittelfeld. Ahmet Saglam wiederum ersetzte Argyris in der Innenverteidigung. Ansonsten vertraute Stephan Ehlers jener Mannschaft, die vier Tage zuvor gegen den SSV Jeddeloh noch überzeugt hatte.

Die vielleicht entscheidende Szene aus Oldenburger Sicht spielte sich in der 5. Minute ab. Nach einem hohen Ball war Jeffrey Volkmer zur Stelle und kurz darauf lag der Ball im Tor. Mitten in den Oldenburger Jubel hinein ertönte allerdings der Pfiff des guten Schiedsrichters André Schönheit, denn dessen Assistent wollte gesehen haben, dass Kifuta Kiala Makangu aus einer Abseitsstellung heraus noch am Ball gewesen sein sollte. Der Treffer fand also keine Anerkennung.

Die nächsten Szenen gehörten dann allerdings den munteren Gastgebern. Vor allem Nils Bremer machte auf der rechten Seite viel Dampf. Die erste Chance allerdings gehörte Simon Böhm, der jedoch am Pfosten scheiterte (13. Minute). Nur eine Minute später narrte Bremer dann zwei Oldenburger und brachten die Kugel scharf vor das Tor. Böhm hätten sie nur noch einschieben müssen, trifft den Ball jedoch nicht richtig und schiebt in am Tor vorbei.

Der VfB war sichtlich beeindruckt, Lupo dagegen war jetzt drin im Spiel und erhöhte die Schlagzahl. Folgerichtig dann das 1:0 für die Wolfsburger. Erneut hatte sich Bremer durchgesetzt, wieder flach vor das Tor gepasst und diesmal war Leon Henze zur Stelle und sorgte für die Führung (18.).

Ein Schock für den VfB, der weiterhin große Mühe hatte, die Gastgeber unter Druck zu setzen. Immer wieder landete der Ball bei Saglam, der dann versuchte, mit langen Bällen die Außenbahnspieler in Szene zu setzten. Doch weder Jan-Patrick Kadiata links, noch Pascal Steinwender rechts konnte davon profitieren. So dauerte es bis in die Schlussphase der ersten Halbzeit, bis der VfB nochmals gefährlich wurde. Nach einem Zuspiel von Süleyman Celikyurt stürmte Steinwender auf das Wolfsburger Gehäuse zu, doch Torhüter Marius Sauss war einen Schritt schneller (43.). Kurz darauf verfehlte Volkmer das Wolfsburger Tor mit einem Kopfball. Der VfB wurde dabei klassisch ausgekontert und es hieß 2:0 durch Alper Kara (47.).

Die mehr als 100 Oldenburger unter den 300 Zuschauern hofften natürlich jetzt auf eine Wende, doch der nächste fußballerische Nackenschlag sollte unmittelbar folgen. Die Protagonisten waren kaum auf dem Grün zurück, da lag der Ball erneut im Oldenburger Tor.

Stephan Ehlers reagierte mit dem ersten Wechsel. Hugo Magouhi kam für Ahmet Saglam ins Spiel. Kurz darauf brachte der Oldenburger Trainer außerdem Pascal Richter für Jan-Patrick Kadidata und Ibrahim Temin für Pascal Steinwender. Die erhoffte Wende allerdings blieb aus. Zwar konnte sich Richter wiederholt durchsetzen und war oft nur durch nicht regelkonformes Tun zu stoppen, doch selbst die daraus resultierenden Freistöße konnten die Blauen nicht für sich nutzen. Auch deshalb kam es, wie es in solchen Szenen immer kommt. Während die Oldenburger also immer wieder anrannten, wurden sie erneut klassisch ausgekontert. Der eingewechselte Elvir Zverotic sorgte mit dem dritten Wolfsburger Treffer für die Entscheidung. Dass Tyson Richter (80.) und Lennart Madroch (85.) noch gelb-rot kassierten, war allein für die Statistik interessant.

Während die Wolfsburger nach dem Schlusspfiff freudig über den Rasen tanzten, suchten die Oldenburger nach Erklärungen für ihren uninspirierten Auftritt. Zeit genug dafür hatten sie fraglos, denn auch auf der Rückfahrt warteten verstopften Autobahnen.

Lupo Martini Wolfsburg: 1 Marius Sauß – 22 Tyson Richter, 15 Rico Schlimpert, 5 Niklas Eilbrecht, 34 Sulhattin Capli – 18 Nils Bremer (84. 37 Marcel Kohn), 4 Jan Ademeit, 77 Siim Tenno, 17 Alper Kara (63. 20 Rocco Tuccio) – 10 Leon Henze (27. 19 Elvir Zverotic) – 29 Simon Böhm
Trainer: Giampiero Buonocore

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 6 Okan Erdogan, 22 Ahmet Saglam (51. 35 Hugo Magouhi), 27 Süleyman Celikyurt – 7 Pascal Steinwender (67. 20 Ibrahim Temin), 19 Angelos Argyris, 30 Lennart Madroch, 31 Jan-Patrick Kadiata (54. 18 Pascal Richter) – 10 Gazi Siala, 11 Kifuta Kiala Makangu
Trainer: Stephan Ehlers

Tore: 1:0 Leon Henze (18.); 2:0 Alper Kara (47.); 3:0 Elvir Zverotic (67.)
Schiedsrichter: André Schönheit – Assistenten: Tim Lahse, Felix Bahr
Zuschauer: 300 im Lupo Stadion
Gelbe Karte: Rico Schlimpert, Siim Tenno, Rocco Tuccio (2.) / Süleyman Celikyurt (3.)
Gelb/Rote Karte: Tyson Richter (80.) / Lennart Madroch (85., wiederholtes Foulspiel)