Oldenburg. Der Jugend eine Chance. So oder ähnlich dürften die Verantwortlichen beim Hamburger SV im Sommer gedacht haben und das sicher nicht nur, weil sie nach dem erstmaligen Abstieg der ersten Mannschaft aus dem Bundesliga-Oberhaus den finanziellen Gürtel enger schnallen mussten. Vielmehr versteht man die Reserve mittlerweile wohl wirklich als Ausbildungsmannschaft, entsprechend gut ist die Durchlässigkeit zwischen beiden Mannschaften.

Die neue Einschätzung zeigt sich auf jeden Fall bei der Kaderzusammenstellung. Immerhin neun Spieler aus der U19 wurden im Sommer in das Regionalliga-Aufgebot berufen. Zwar setzt man nicht nur auf „Jungspunde“, sondern komplettiert die Mannschaft immer mal wieder auch mit Profis aus dem Zweitligakader, doch insgesamt ist Trainer Steffen Weiß in dieser Spielzeit mit einer jugendlichen Riege am Start.

Das wiederum zeigt sich durchaus auch in der Tabelle, denn die Mannschaft ist in ihren Leistungen schwanken. So schwankend, dass im Verlauf der Hinrunde auch der Trainer Zweifel hatte, ob der eingeschlagene Weg wohl der richtige sein würde. Sogar über einen Abschied von Weiß wurde spekuliert, doch die Mannschaft fand nach kritischen Phasen immer wieder in die Spur und der Trainer kann seinen Ausbildungsauftrag konsequent umsetzen.

In der Tabelle sind die Hamburger aktuell auf Platz neun notiert. Elf Siege, sechs Unentschieden, elf Niederlagen bei 39:37 Toren, lautet die Bilanz. Die ordentliche Ausbeute ist vor allem der Heimstärke geschuldet, denn Zuhause haben die Rothosen neun Spiele gewonnen, dreimal die Punkte geteilt und nur dreimal verloren. Der VfB kam im Hinspiel übrigens zu einem hoch verdienten 1:1. Die Führung durch Bakery Jatta konnte Ibrahim Temin seinerzeit ausgleichen.

Aktuell haben die Hamburger, die sich auswärts schwer tun und erst zweimal in der Fremde gewinnen konnten, einen Lauf. Seit drei Spielen ist der HSV ungeschlagen, hat 3:0 gegen Lüneburg gewonnen, in Drochtersen 1:1 gespielt und zuletzt Meister Flensburg mit 4:3 bezwungen. Bemerkenswert: Steffen Weiß hat in dieser Saison bereits rekordverdächtige 34 Spieler eingesetzt, darunter auch Profis wie Fiete Arp, der seit Verkündung seines Wechsel zum FC Bayern in Hamburg nur noch wenige Fans hat, oder Bakery Jatta, den Hinspiel-Torschützen.

Für eine top Platzierung scheint es wiederum nicht ganz zu reichen. Die Duelle gegen die Spitzenmannschaften VfB Lübeck und VfL Wolfsburg wurden mit 0:2 und 2:3 verloren. Spielerisch zählt der HSV dennoch zu den klar besseren Mannschaften der Regionalliga. Ein Fakt, den sie in Oldenburg nicht zwingend beweisen müssen. Unsere Jungs sind in jede Fall auch richtig gut drauf und haben das in Norderstedt bewiesen. Obwohl der VfB auf einige Stammspieler verzichten musste, hieß es am Ende 4.0 für die Blauen. Ohnehin wird Marco Elia an dieser Stelle ein deutlich vernehmbares Veto einlegen, denn wir haben einen Satz zuvor von fehlenden Stammspielern gesprochen. Das hört unser Trainer gar nicht so gerne. Immer wieder hat er betont, dass zum Kader halt mehr als nur jene 11 bis 14 Spieler zählen, die regelmäßiger zum Einsatz komnen.

Den Beweis dafür haben die Oldenburger in Norderstedt angetreten. Kompakt und aggressiv in der Deckung, schnell und effektiv im Angriff, eine Leistung, die es gegen den HSV vielleicht sogar noch zu steigern gilt, immerhin möchten wir in 2019 endlich auch im Marschwegstadion Punkte einsammeln. Offen ist dabei, wer letztlich zur Verfügung steht. Leo und Jan Patrick Kadiata sowie Ahmet Saglam und Kai Bastian Evers fallen sicher aus. Dafür hoffen wir auf die Rückkehr von Lennart Madroch und Angelos Agryris ist wieder spielberechtigt. Klingt irgendwie, als hätte unser Trainer viel Auswahl.