Der Freude folgte die Ernüchterung. Zu keinem Zeitpunkt der 94 Minuten ist es dem VfB Oldenburg im Spiel gegen den VfV Borussia Hildesheim gelungen, an die starke Vorstellung vom 2:1-Sieg bei Eintracht Braunschweig anzuknüpfen. Vor 1.327 Zuschauern unterlagen die Blauen mit 0:1. Keine Frage, das war ein Rückschritt.

Die Enttäuschung war nach dem Schlusspfiff bis unter das Tribünendach zu greifen. Während sich die Spieler noch kurz auf dem Rasen versammelten und im Anschluss den Weg zu den Fans suchten, waren Trainer Dietmar Hirsch und seine Assistenten direkt in die Kabine gegangen. „Wir waren zu enttäuscht. Normalerweise stelle ich mich immer vor die Mannschaft, aber dieser Auftritt heute war einfach zu schwach. Ich war wütend über diese Leidenschaftslosigkeit“, erklärte der Fußballlehrer mit etwas Abstand zum Spiel.

Selbiges hätte sicherlich einen anderen Verlauf genommen, wären die Gastgeber vor dem Wechsel nicht so fahrlässig mit ihren Möglichkeiten umgegangen. Zu oft allerdings fehlt dem Oldenburger Tun der letzte Pass. Beispielhaft dafür eine Szene aus der achten Minute. Nach einem Konter über den einmal mehr unermüdlich rackernden Christopher Kramer schickte Ibo Temin schließlich Conrad Azong auf die Reise, doch der ebenfalls durch Kampfgeist überzeugende Angreifer brachte die Flanke nicht mehr in den Strafraum.

Besser machten es die Blauen in der 11. Minute. Dino Fazlic hatte auf Azong durchgesteckt, der alleine vor Torhüter Nils Zumbeel auftauchte, diesen jedoch nicht überwinden konnte. Die Oldenburger dominierten in dieser Phase des Spiels, doch die Führung wollte einfach nicht fallen. Auch nicht in der 20. Minute. Erdem Bastürk hatte zu Kramer gepasst, dessen Schuss durch Adülbaki Hot jedoch zur Ecke geblockt werden konnte.

Dennoch, die Blauen waren dem 1:0 durchaus nahe. Tatsächlich lag der Ball auch kurz darauf im Netz, allerdings im Oldenburger. Der VfB hatte eine Flanke von der linken Seite nicht unterbinden können. Der Ball war lange in der Luft und landete schließlich auf dem Kopf von Mame Mbar Diouf, der zum 0:1 traf (23.).

Ein Schock für den bis dahin ordentlich spielenden VfB, der jetzt mehr und mehr den Faden verlieren sollte. Zwar hatten die Oldenburger durch Lingerski (29. Minute) und Kramer (40.) noch zwei Möglichkeiten, zur Pause allerdings blieb es beim 0:1.

Dietmar Hirsch reagierte mit einem Wechsel. Für Ibrahim Temin brachte er Björn Hakansson ins Spiel. Die Oldenburger wollten natürlich aufs Tempo drücken und schnell ausgleichen. Doch es kam ganz anders. Viel zu selten kamen die Blauen bis in den Strafraum. Abschlüsse waren Mangelware und nach etwas mehr als einer Stunde hätte Diouf sogar das 0:2 machen müssen. Aus knapp einem Meter zielte er aber drüber.

Der VfB wiederum fand einfach kein Mittel gegen die klug verschiebende Hildesheimer Deckung. Die beste Möglichkeit hatte noch Thorsten Tönnies, der in der 69. Minute nach Pass von Kramer zum Schuss kam, jedoch an Zumbeel scheiterte.

Kurz darauf reagierte Dietmar Hirsch mit einem zweiten Wechsel. Für den von einem Platzverweis bedrohten Bastürk brachte er Josh Adomako. Der Schwede agierte in der Innenverteidigung, Andreas Pollasch rückte ins Mittelfeld vor.  Doch die Wechsel-Wirkung blieb aus. Der VfB fehlte die zündende Idee, um Hildesheim wirklich in Verlegenheit zu bringen und es kam noch schlimmer.

Zehn Minuten vor Schluss hatte der bereits verwarnte Dino Fazlic seinem Unmut Luft gemacht und wurde von Schiedsrichter Philip Roedig daraufhin ein zweites Mal mit der gelben Karte bedacht – für Fazlic war das Spiel damit vorbei.

Zwei starke Paraden von Fabian Klinkmann folgten, ehe die Oldenburger erneut dezimiert wurden. Björn Hakansson, der seine erste gelbe Karte für eine verbale Ansage in Richtung Schiedsrichter erhalten hatte, wurde für ein taktisches Foul erneut verwarnt und musste ebenfalls vom Platz. Zu neunt wollten die Oldenburger das Spiel dennoch drehen, doch bis auf einen tollen Freistoss von Kramer, den Zumbeel zur Ecke lenkte, blieben die Chancen aus.

STIMMEN ZUM SPIEL

Mario Block, VfV Hildesheim: Ich bin richtig fertig. Das Spiel war nervenaufreibend. Taktisch waren wir gut eingestellt und von Anfang an gut drin im Spiel. In der zweiten Halbzeit wollten wir mehr nach vorne machen, haben es aber nicht so hinbekommen. Defensiv war es gut, es ist auch nicht einfach, gegen uns ein Tor zu machen. Ich bin stolz und glücklich, fußballerisch war der VfB sicher einen Tick besser.

Thorsten Tönnies: Wenn wir wüssten, woran es gelegen hat, dass wir es heute nicht hinbekommen haben, hätten wir es geändert. Bis zum Gegentor haben wir ordentlich gespielt, danach sind wir in ein Loch gefallen und nicht mehr rausgekommen. Wir müssen uns da vielmehr pushen, aber uns hat heute auch die Körpersprache gefehlt.

Ralf Voigt: Uns hat die Überzeugung gefehlt und, das muss man ganz klar sagen, auch die Einstellung. Ich muss in so ein Spiel gehen, als wenn ich gegen Bayern München spiele. Dabei kann man sich mal an Lotte orientieren. Die waren letzte Saison sicher nicht die besten, aber sie hatten genau diese Einstellung, den unbedingten Willen. Ich hatte heute nicht das Gefühl, dass wir ein Tor machen werden. Zudem waren beide Platzverweise berechtigt.

Dietmar Hirsch: Es ist nett von Mario Block, dass er noch lobende Worte für uns findet. Ich kann das nicht teilen. Wir waren heute nicht gut, wir waren enttäuschend. Siegeswillen habe ich nur bei drei Spielern gesehen, bei Kramer, Azong und Pollasch. Das ist eine Frage der Mentalität, der Einstellung. Es ist bezeichnend, dass man draußen das Gefühl hatte, mit neun oder zehn Spielern mehr Druck aufgebaut zu haben. Wir haben heute nur mitgespielt und das hat Konsequenzen. Wir werden keinen freien Tag mehr haben, werden körperlich noch mehr machen und härter arbeiten. Einen Punkt hatten wir heute nicht verdient.

ZAHLEN, DATEN & FAKTEN