Der Spielplan meint es nicht wirklich gut mit dem VfB Oldenburg. Nur eine Woche nach dem Gastspiel eines starken BSV Rehden wartet ein weiteres Liga-Schwergewicht auf die Blauen. Am Sonntag, um 14 Uhr müssen sie beim VfB Lübeck antreten und der ist gerade in Form gekommen. Wir haben mal genauer hingeschaut.

Personal: Im Sommer gab es durchaus ein personelle Wechselspiel. Immerhin elf Spieler haben den VfB verlassen, deren zehn dagegen neu auf der Lohmühle angeheuert. Was mächtig klingt, ist dann doch sehr deutlich zu relativieren, denn so ganz viele Leistungsträger haben die Hansestadt nicht verlassen. Allen voran der Abgang von Finn-Lasse Thomas dürfte schmerzen, denn der flinke Kicker zählte fraglos zum Stamm. Allerdings haben die Verantwortlichen diesen Verlust mehr als kompensiert. Insbesondere die Verpflichtung von Christopher Kramer, zuvor beim VfR Neumünster bewährt, muss als Glücksgriff gelten.

Leistungsträger: Die Lübecker sind nach turbulenten und von finanziellen Schwierigkeiten gekennzeichneten Jahren längst in der Regionalliga etabliert. Den Verantwortlichen ist es nicht nur gelungen, den Verein wieder in ruhiges Fahrwasser zu manövrieren, mehr noch, sie haben die Strukturen belastbar positiv verändert. In der Jugend wird gute Arbeit geleistet und die erste Mannschaft, das Aushängeschild des Vereins, kommt als eingespieltes Ensemble daher. Verantwortlich dafür zeichnen einige erfahrene Kicker.

Zwischen den Pfosten stand anfänglich mit Kennis Kostmann ein begabter Fänger, der den eigentlich als Nummer eins eingeplanten Jonas Toboll ordentlich vertritt. Kostmann war von Armina Bielefeld II Richtung Holstentor gelotst worden. Mittlerweile ist Toboll wieder fit und die Nummer eins. Als Führungsspieler zu identifizieren ist unbedingt auch Moritz Marheinike. Der mittlerweile 30-jährige kam 2008 auf die Lohmühle und hat den Grün-Weißen seitdem die Treue gehalten. Das Wort des Innenverteidigers, der auch auf der Sechs spielen kann, hat fraglos Gewicht.

Offensiv sind die Lübecker hervorragend aufgestellt. Mit Stefan Richter hatten sie schon in der vergangenen Saison einen Stürmer am Start, der so manchen Verteidiger kräftig aufgemischt hat. Ihm wurde im Sommer mit Christopher Kramer ein kongenialer Partner an die Seite gestellt. Fünf Tore sind für den vormaligen Neumünsteraner schon notiert.

Saisonverlauf:
Der Start war einer nach Maß. Im vorgezogenen Kick wurde St. Pauli II auf der Lohmühle mit 2:0 besiegt. Lübeck, so schien es, wollte sich direkt mal in der Spitzengruppe anmelden. Dann allerdings folgten zwei Niederlagen. Beim TSV Havelse verspielte der VfB eine 3:1-Führung und unterlag 3:5 und anschließend hieß es beim BSV Rehden 0:3. Anzumerken wäre allerdings, dass die Mannschaft von Trainer Denny Skwierczynski in beiden Spielen ein gleichwertiger Partner gewesen ist und weil der Trainer sich auch durch die Niederlagen nicht hat aus der Ruhe bringen lässt, ist der VfB mittlerweile in höheren Gefilden angekommen. Die beiden Aufsteiger Hildesheim (3:1) und Schilksee (4:2) wurden auf deren Grün klar bezwungen, der Trend spricht also für die Lübecker.

Stärken und Schwächen: Der VfB Lübeck hat zuletzt Selbstvertrauen getankt. Die Mannschaft ist körperlich robust aufgestellt. Die Handschrift des Trainers ist klar erkennbar. Defensiv wird ausgesprochen effektiv verschoben und 12 Tore zeugen davon, dass der Angriff höheren Ansprüchen genügt. Dass Jonas Toboll wieder zur Verfügung steht, sollte helfen, die anfängliche schwächelnde Defensive zu stabilisieren. Dennoch ist der VfB in der Deckung anfällig.

Prognose: Wir trauen uns mal und behaupten, dass die Blauen auch im Dunstkreis des Holstentores etwas reißen können. Allerdings setzt ein Erfolg folgendes voraus. Der Oldenburger VfB muss kämpferisch an die bislang gezeigten Leistungen zwingend anknüpfen und vor allem den trefflichen Lübecker Angriff in den Griff bekommen. Das wird nicht einfach. Auf der Lohmühle, in einem tollen Fußballstadion mit viel Flair, ist Selbstbewusstsein gefragt. Selbst ein Gegentor sollte unseren VfB nicht von seinem Konzept abbringen.

Die Mannschaft muss gegen einen körperlich starken Gegner genauso dagegen halten, wie sie es auch im Spiel gegen den BSV Rehden getan hat. Nutzt sie außerdem ihre Chancen besser, ist auch ein Dreier drin.

Alessandro Ficara wird dabei vermutlich noch nicht helfen können. Er plagt sich mit den Folgen einer Bauchmuskelverletzung. Karlis Plendiskis und Tobi Ahrens stehen aufgrund ihrer Verletzungen auch weiterhin nicht zur Verfügung.

Aus dem Spiel gegen Rehden haben die Blauen zahlreiche Blessuren mitgenommen, aber unsere medizinische Abteilung um Physio Niklas Kühne hat mit den Jungs intensiv gearbeitet, so dass wir zuversichtlich zum Spitzenspiel antreten können. Schiedsrichter des Kicks ist übrigens Lars Thiemann vom TuS Wagenfeld. Ihm assistieren Manuel Kramer und Marcel Klein.