Oldenburg. Bilder sagen oft mehr als Worte. Als Schiedsrichter Yannick Rath das Nachbarschaftsduell zwischen dem VfB Oldenburg und dem SSV Jeddeloh am Mittwochabend nach 94 Minuten beendete, gab es für Key Riebau kein Halten mehr. Der Trainer der Gäste ballte die Fäuste, stürmte aufs Feld und setzte zum verbalen Jubel an, obwohl es beim 1:1 keinen Sieger gegeben hatte.

Die derart demonstrierte Einschätzung des Resultats entsprach auch der Meinung von Lennart Madroch. „Es fühlt sich an wie eine Niederlage“, ärgerte sich der Richtung VIP-Raum humpelnde Oldenburger Mittelfeldspieler, für den das umkämpfte Duell bereits nach 65 Minuten zuende war. Madroch wurde verletzt ausgewechselt. In der weniger emotionalen Bewertung dürfte die Punkteteilung vor mehr als 4.000 Zuschauern dann doch passen. Der vor allem in Halbzeit eins bärenstarke VfB Oldenburg hatte zwar die besseren Möglichkeiten und durchaus auch mehr Spielanteile, muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, eben nur eine dieser guten Chancen genutzt zu haben.

Gazi Siala hatten die Blauen in Führung gebracht, der eingewechselte Kasra Ghawilu den Ausgleich erzielt. Die Ammerländer Shaun Minns und Florian Stütz sowie der Oldenburger Kai-Bastian Evers durften derweil vorzeitig duschen. Alle drei kassierten eine rote Karte.

Stephan Ehlers hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Spiel in Lübeck lediglich auf einer Position geändert. Pascal Richter nahm anfänglich auf der Bank Platz, Kifuta Kiala Makangu dagegen durfte beginnen. Key Riebau dagegen musste im Vergleich zum Spiel gegen Flensburg deutlicher umbauen. Christian Meyer und Kevin Samide fehlten verletzt, Björn Lindemann zudem wegen einer gelb-roten Karte. An ihrer Stelle spielten Felix Bohe im Tor sowie Fabian Istefo und Almir Ziga von Beginn an.

Schon in den ersten Minuten wurde deutlich, dass die Oldenburger nicht etwa abwartend ins Spiel starten würden. Der VfB riss das Heft des Handelns an sich, machte Druck und kam bereits nach wenigen Minuten zur ersten Chance. Süleyman Celikyurt hatte Felix Bohe mit einem einen Freistoß die erste Glanztat abgerungen.

Zehn Minuten später lag der Ball dann im Tor. Schiedsrichter Rat hatte Gazi Siala allerdings im Abseits gesehen. Der ließ sich davon nicht beeindrucken und gönnte sich keine Minute später einen filigranen Fernschuss zum 1:0 (16. Minute). Es war die frühe Belohnung für das bis dahin sehr gute Oldenburger Spiel. Die Gäste waren sichtlich beeindruckt und fanden offensiv überhaupt nicht statt. Dafür nahmen die Härten zu. Erster Leidtragender war Kifuta, der nach einem üblen Tritt des besten Jeddelohers, Dennis Geiger, einige Minuten lang behandelt werden musste.

Während Kifuta noch an der Seitenlinie seine Schmerzen wegatmete, kamen die Blauen zur nächsten Möglichkeit. Diesmal zog Lennart Madroch ab, doch erneut war Bohe zur Stelle (37.). Zwei Minuten später glänzte Bohe erneut, indem er einen strammen Schuss des starken Pascal Steinwender meisterte.

Längst hätten die Oldenburger hier eigentlich 2:0 führen müssen, doch der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Stattdessen gab es einen anderen Aufreger. Süleyman Celikyurt hatte Shaun Minns von den Beinen geholt, was beim Ammerländer eine Fehlreaktion nach sich ziehen sollte. Minns war schnell wieder auf den Beinen und schubste den Oldenburger schlicht um. Schiedsrichter Rath hatte keine Wahl und ahndete die Unsportlichkeit mit der roten Karte (42.).

Natürlich hatten die Oldenburger deutlich entspanntere Mienen auf dem Weg in die Kabinen, doch der eine oder andere Zuschauer dürfte geahnt haben, dass das Spiel eine Wendung nehmen könnte. Die Schwierigkeit der nummerischen Überzahl ist bekannt.
Riebau reagierte auf den dünnen Auftritt und den Rückstand mit einem Wechsel. Kasra Ghawilu kam für Almir Ziga ins Spiel. Die erste Chance allerdings hatte wieder der VfB. Nach einem tollen Solo kam Pascal Steinwender zum Abschluss, doch erneut war Bohe auf dem Posten (48.).

Das Glück hatte Dominik Kisiel auf der anderen Seite nicht. Der erste Schuss auf sein Tor landete im Netz. Ghawilu hatte abgezogen und ins kurze Ecke getroffen (55.). Ein Schock für den VfB und fraglos auch ein Wendepunkt in diesem Spiel, denn fortan waren die Ammerländer tonangebend. Klare Möglichkeiten hatte sie zwar nicht, allein ein Schuss von Fabian Istefo dürfte als Torchance gewertet werden (63.), doch mit der Dominanz des VfB war es vorbei.

Mehr noch, denn beim Versuch, im Mittelfeld einen Konter mit einem taktischen Foul zu unterbinden, kam Kai Bastian Evers etwas zu spät, zudem von hinten und dürfte geahnt haben, dass die Begegnung vorzeitig enden könnte. Nahezu die komplette Riege der Gäste stürmte auf den Schiedsrichter zu und der zückte tatsächlich die rote Karte.

Stephan Ehlers reagierte mit einem Wechsel. Für Jan-Patrick Kadiata kam Dominique Ndure ins Spiel. Er rückte auf die Evers-Position im Mittelfeld. Später brachte er zudem noch Pascal Richter für Pascal Steinwender.

Die an Emotionen reiche Partie hatte dann noch eine aufregende Szene in petto. Nach einem Foul an Pascal Richter brannten Florian Stütz alle Sicherungen durch. Der Jeddeloher verpasste dem Oldenburger einen Kopfstoß und durfte ebenfalls vorzeitig duschen. Anschließend sorgte Schiedsrichter Rath mit dem Schlusspfiff dafür, dass die Aufregung sich legen konnte.

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 6 Okan Erdogan, 4 Angelos Argyris, 27 Süleyman Celikyurt – 30 Lennart Madroch (64. 20 Ibrahim Temin), 8 Kai Bastian Evers – 7 Pascal Steinwender (81. 18 Pascal Richter), 10 Gazi Siala, 31 Jan-Patrick Kadiata (73. 3 Dominique Ndure) – 11 Kifuta Kiala Makangu
Trainer: Stephan Ehlers
SSV Jeddeloh: 12 Felix Bohe – 13 Florian Stütz, 5 Dennis Geiger, 6 Michel Leon Hahn – 14 Shaun Minns, 2 Almir Ziga (46. 20 Kasra Ghawilu), 7 Bastian Schaffer, 21 Thorsten Tönnies – 31 Marcel Gottschling (90+1. 4 Niklas von Aschwege), 19 Fabian Istefo – 18 Julian Bennert (82. 26 Nils Laabs)
Trainer: Key Riebau
Tore: 1:0 Gazi Siala (16.); 1:1 Kasra Ghawilu (53.)
Schiedsrichter/in: Yannick Rath – Assistenten: Allen Chen, Ralf Iwanowski
Zuschauer: 4016 im Marschweg-Stadion
Gelbe Karte: Süleyman Celikyurt (2.), Pascal Richter / Michel Leon Hahn (2.), Kasra Ghawilu
Rote Karte: Kai Bastian Evers (70.) / Shaun Minns (43., Tätlichkeit), Florian Stütz (89.)