Oldenburg. Wer oben steht, hat in der Regel auch das nötige Glück. Diese Fußballweisheit hat sich am Sonntag auch beim Duell zwischen dem VfB Oldenburg und dem VfL Wolfsburg II bewahrheitet. Vor 1.092 Zuschauern unterlagen die Blauen dem Tabellenführer nach einem aufopferungsvollen Kampf sehr unglücklich mit 2:3. Der VfB wartet damit auch nach dem dritten Heimspiel im Jahr 2019 noch auf den ersten Punkt.

Auf einem schwer zu bespielenden Rasen kassierten die forsch auftretenden Gastgeber den ersten Nackenschlag bereits nach zwei Minuten. Kapitän Kai Bastian Evers blieb verletzt liegen und konnte aufgrund eines lädierten Unterschenkels nicht mehr weiterspielen. Für ihn kam der junge Bernard Suffner ins Spiel, der sich neben Angelos Agryris in die Innenverteidigung einordnete. Okan Erdogan wiederum rückte ins defensive Mittelfeld vor.

Beim Blick auf die Oldenburger Formation wurde schnell deutlich, dass die Blauen diesmal viel Erfahrung fehlte, denn neben Evers konnte auch der verletzte Ahmet Saglam nicht spielen und Süleyman Celikyurt musste aufgrund einer Gelbsperre zuschauen. Dem Schwung des VfB tat das allerdings keinen Abbruch und folgerichtig hatten die Oldenburger auch die erste Chance. Pascal Richter, von Dominique Ndure mit einem feinen Pass in Szene gesetzt, zielte aufs kurze Eck, doch Torhüter Phillip Menzel konnte den Schuss zur Ecke abwehren (3. Minute).

In der Folge war dem Spiel nicht anzusehen, wer hier die Tabelle anführte. Im Gegenteil, die Gastgeber waren optisch überlegen und kamen zu weiteren Möglichkeiten. Wolfsburg dagegen fand offensiv in der ersten Halbzeit so gut wie gar nicht statt. Allein die Blauen brachten den Ball nicht im Tor unter. Okan Erdogan, der ein ganz starkes Spiel machte, verfehlte das Wolfsburger Gehäuse gleich zweimal, sowohl mit einem wuchtigen Freistoß als auch mit einem Kopfball (22. und 30. Minute).

Der agile Pascal Richter, der sich auf der rechten Seite immer wieder durchsetzen konnte, hatte kurz vor der Pause mit einem Schlenzer ebenfalls kein Glück.
Wirklich überraschend lag der Ball kurz nach dem Wiederanpfiff dann doch im Netz, allerdings im Oldenburger. Was war geschehen? Anton Stach hatte einen Freistoß wuchtige aufs VfB-Tor gebracht, Torhüter Dominik Kisiel konnte den Ball nicht festhalten und Jannis Heuer nutzte den Abpraller gedankenschnell zum 0:1 (50.).

Der VfB zeigte sich vom Rückstand allerdings wenig beeindruckt und schaltete sofort wieder auf Offensive. Gazi Siala allerdings brachte nicht genug Druck hinter seinen Schuss, so dass Menzel den Ball parieren konnte (51.) und nur wenige Minuten später parierte der Wolfsburger Torhüter einen Schuss von Richter aus kurzer Distanz mit dem Fuß – Ecke. Immerhin, die Oldenburger hatten sofort wieder den Taktstock dieses Spiels gegriffen und drängten auf den Ausgleich. Der ließ allerdings bis zur 60. Minute auf sich warten. Dann brachte Lennart Madroch einen Freistoß perfekt vor das Tor, Okan Erdogan schraubte sich in die Luft und traf zum verdienten 1:1.

Der Treffer sorgte für sichtliche und hörbare Unruhe bei den Gästen, deren Bankbesetzung jetzt immer wieder versuchte, verbalen Einfluss auf das Schiedsrichtergespann zu nehmen. Selbiges gipfelte in der lautstark vorgetragenen Forderung eines Platzverweises gegen den bereits mit Gelb verwarnten Bernard Suffner, nachdem ein Wolfsburger nach einem vollkommen harmlosen Zweikampf zu Fall gekommen war.

In dieser Szene zeigte sich Schiedsrichter Jost Steenken allerdings noch vollkommen unbeeindruckt. Dennoch reagierte Marco Elia und nahm Suffner vom Feld. An seiner Stelle kam mit Jan-Patrick Kadiata ein weiterer Offensivspieler. Zuvor hatte der VfB-Trainer bereits Kifuta Kiala Makangu für Pascal Steinwender gebracht. Wechsel, die deutlich machten, dass die Oldenburger hier nicht etwa auf ein Halten des Unentschiedens aus waren, sondern mehr wollten.

Der nächste Nackenschlag sollte allerdings nicht lange auf sich warten lassen. In der 75. Minute kam Wolfsburgs Daniel Hanslik im Laufduell mit Angelos Agryris zu Fall und zum Entsetzen der Oldenburger zeigte Schiedsrichter Steenken jetzt nicht nur auf den Elfmeterpunkt, sondern dem Oldenburger Innenverteidiger auch die rote Karte. Eine doppelte Bestrafung, die Agryris aus der Fassung brachte. „Ich berühre ihn an der Hüfte und er nimmt das dankbar an, aber ganz ehrlich, das war niemals eine rote Karte“, ärgerte er sich nach dem Spiel.

Murat Saglam verwandelte sicher vom Punkte zum 1:2 (77.). Der VfB allerdings wollte noch nicht aufgeben und schlug zurück. Eine perfekte Flanke von Pascal Richter veredelte Kifuta zum hochverdienten 2:2 (86.) und fand sich kurz darauf in einer Jubeltraube wieder. Auch Marco Elia hatte den Weg zu seinen jubelnden Spielern gemacht, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Schiedsrichter Steenken wiederum gefiel das nicht. Er verwies den VfB-Trainer auf die Tribüne. Dort musste Elia schließlich mit ansehen, dass die Wolfsburger diesmal mit Fortuna im Bunde waren. Eine Faustabwehr von Dominik Kisiel landete bei Michele Rizzi und der traf aus 19 Metern zum 2:3 ins lange Eck. Der VfB war jetzt alles nach vorne, hatte allerdings bei der ebenfalls letzten Chance Pech. Menzel entschärfte einen Kopfball von Kifuta.

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 6 Okan Erdogan, 4 Angelos Argyris, 3 Dominique Ndure – 8 Kai Bastian Evers (5. 14 Bernard Suffner, 72. 31 Jan-Patrick Kadiata), 30 Lennart Madroch – 18 Pascal Richter, 10 Gazi Siala, 16 Maik Lukowicz – 7 Pascal Steinwender (64. 11 Kifuta Kiala Makangu)
Trainer: Marco Elia
Auswechselspieler: 13 Thilo Pöpken, 17 Leonel Kadiata, 20 Ibrahim Temin, 35 Hugo Magouhi
VfL Wolfsburg II: 36 Phillip Menzel – 14 Jannis Heuer, 35 Gian-Luca Itter, 3 Dominik Franke – 16 Iba May, 26 Yannik Möker (79. 7 Omar Marmoush) – 18 Julian Justvan (71. 9 Blaz Kramer), 23 Michele Rizzi, 10 Murat Saglam, 24 Anton Stach – 20 Daniel Hanslik
Trainer: Rüdiger Ziehl
Auswechselspieler: 12 Nico Pellatz, 2 Davide Itter, 6 Jan Neuwirt, 19 Richmond Tachie, 11 Luca Horn
Tore: 0:1 Jannis Heuer (50.); 1:1 Okan Erdogan (60.); 1:2 Murat Saglam (Foulelfmeter, 77.); 2:2 Kifuta Kiala Makangu (84.); 2:3 Michele Rizzi (87.)
Schiedsrichter: Jost Steenken – Assistenten: Felix Bahr, Tobias Zunker
Zuschauer: 1092 im Marschweg-Stadion
Gelbe Karte: Bernard Suffner, Lennart Madroch (6.) / Nico Pellatz, Michele Rizzi (5., gesperrt)
Rote Karte: Angelos Argyris (76., Notbremse) / –