Bremen. Knapp 94 Minuten waren gespielt, der Abpfiff wollte sich just für seinen großen Auftritt bereitmachen, da lag der Ball erneut im Netz des SV Werder Bremen II. Maik Lukowicz hatte abgestaubt und machte sich direkt auf dem Weg zum lautstarken Fanblock des VfB Oldenburg, um den vermeintlichen Siegtreffer zu bejubeln, doch Marius Schlüwe spielte nicht mit. Der Schiedsrichter gab den Treffer nicht.

Es wäre der „lucky punch“ für die Blauen gewesen und das gar nicht mal so unverdient, wenngleich das 1:1 am Ende den Leistungen beider Mannschaften durchaus gerecht wurde. Werder hatte den klar besseren Start erwischt, der VfB sich nach einer wackligen Anfangsphase, Rückstand inklusive, in die Partie gekämpft und nach dem Wechsel durch Kai Bastian Evers ausgeglichen.

Marco Elia hatte seine Mannschaft im Vergleich zur Vorwoche auf drei Positionen umgestellt. Maik Lukowicz kehrte in die Startelf zurück, zudem durften diesmal auch Ahmet Saglam und Kifuta Kiala Makangu anfangen. Okan Erdogan nahm anfangs erstmalig in dieser Spielzeit auf der Bank Platz, zudem mussten auch Pascal Steinwender und Ibo Temin zuschauen, die gegen Rehden noch in der Startelf gestanden hatten. Auf Seiten der Gastgeber fand sich überraschend Fin Bartels in der Startformation, obwohl der Routinier am Vorabend noch in der Bundesliga für die Werder-Profis gegen Schalke aufgelaufen war.

Sein Mitwirken machte sich vor allem in der Anfangsphase bemerkbar, denn Bartels wurde von den Mitspielern gesucht, wissend, dass der erfahrene Profi den Ball fraglos gewinnbringend verarbeiten (6.)würde. Der VfB stand anfänglich tief, Werder dagegen schaltete direkt auf Offensive um. Mit Erfolg, denn bereits in der sechsten Minute hatte Joshua Bitter die Führung auf dem Fuß, scheiterte aus kurzer Distanz allerdings am aufmerksamen VfB-Torhüter Dominik Kisiel.

In der nächsten Szene war allerdings auch er machtlos. Nach einem Missverständnis in der Oldenburger Deckung erzielte Christian Groß das 1:0 für die Gastgeber (6.), die klar den Takt vorgaben und in der Folge auf das zweite Tor drängten. Der VfB hatte in dieser Phase einige Schwierigkeiten, sollte sich allerdings im zunehmenden Spielverlauf richtiggehend ins Spiel kämpfe und als Florian Dietz in der 17. Minuten das 2:0 ausgelassen hatte, entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe.

Jetzt endlich wurden auch die Oldenburger offensiver und kamen zur ersten Chancen. Ahmet Saglam verpasste den Ball knapp (18.) und kurz darauf zielte Maik Lukowicz nach einer Flanke des starken Pascal Richter bei einem Kopfball über das Tor (21.). Auf der anderen Seite tauchte Fridolin Wagner nach einem feinen Doppelpass frei vor dem Oldenburger Tor auf, zielte aber am langen Eck vorbei (25.).

Es sollte für längere Zeit die letzte Gelegenheit für den Bundesliga-Nachwuchs gewesen sein, denn fortan waren es die Gäste, die das Spiel bestimmten und in der Schlussphase durch den überaus emsigen Kifuta Kiala Makangu (38.) und den zweikampfstarken Lennart Madroch (44.) dem Ausgleich nahe waren.

Marco Elia reagierte auf den 0:1-Pausenrückstand mit einem Wechsel, Umstellung inklusive. An Stelle von Gazi Siala brachte er mit Pascal Steinwender einen weiteren Angreifer. „Calli“ übernahm die linke Außenbahn, Maik Lukowicz rückte in die Mitte. Eine Umstellung, die sich auszahlte, denn Steinwender brachte noch mehr Tempo ins Oldenburger Spiel und Lukowicz fand zentral auch mehr Bindung.

Zudem tauchte er jetzt auch häufiger gefährlich im Strafraum auf und das hatte Folgen, denn nach einem Foul von Jannes Vollert an Lukowicz zeigte Schiedsrichter Schlüwe sofort auf den Elfmeterpunkt. Der Bremer hatte dem Oldenburger höchst unsanft das Standbein weggezogen. Kai Bastian Evers schnappte sich den Ball und verwandelte sicher zum verdienten 1:1 ( 51.).

Die Oldenburger wollten jetzt mehr und suchten immer wieder die Offensive, Werder versteckte sich allerdings auch nicht. Zwar fehlten die ganz großen Strafraumszenen, dennoch spielten beide Mannschaften weiter engagiert nach vorne.

Beim VfB brachte Dominique Ndure, der für Süleyman Celikyurt gekommen war, nochmal Schwung ins Spiel. Zudem wechselte Marco Elia auch Okan Erdogan ein, der in der Schlussphase den angeschlagenen Lennart Madroch ersetzte.

Als sich beide Mannschaften bereits mit dem Unentschieden anfreunden wollten, setzte sich Pascal Richter auf der linken Seite nochmals durch und konnte nur durch ein Foul gestoppt werden. Ein Schritt mehr und der schnelle Oldenburger wäre im Strafraum gewesen, doch auch so wurde es für die Bremer nochmal richtig gefährlich. Evers zirkelte den Ball gefühlvoll auf’s lange Eck und das Spielgerät klatschte an den Pfosten. Die lautstarken VfB-Fans, die ihre Mannschaft toll unterstützt hatten, setzten dennoch zum Torjubel an, denn Maik Lukowicz schaltete am schnellsten und stocherte den Ball über die Linie. Allein, der „lucky punch“ zählte nicht. Das Schiedsrichtergespann hatte Jeffrey Volkmer im Abseits gesehen. Sekunden später war dann Schluss und die Oldenburger wussten nicht so recht, ob sie mit dem Punkte vollauf zufrieden sein sollten.

„Schade, dass der Treffer nicht gegeben wurde. Die Jungs haben es nach der schwierigen Anfangsphase, in der wir nicht gut ins Spiel gekommen sind, dann sehr ordentlich gemacht. Ich denke, wir dürfen mit dem Punkt zufrieden sein und freuen uns jetzt auf ein tolles Stadtderby am kommenden Sonntag“, blickte VfB-Vorstand Benjamin Dau bereits voraus.

SV Werder Bremen II: 40 Luca Plogmann – 2 Joshua Bitter, 21 Julian Rieckmann, 26 Jannes Vollert, 39 Jan-Niklas Beste – 6 Christian Groß – 34 Jean-Manuel Mbom (46. 3 Frank Ronstadt), 25 Fridolin Wagner – 22 Fin Bartels (71. 37 Jonah Osabutey), 11 Florian Dietz, 36 Thore Jacobsen (80. 27 Ahmet Canbaz)
Trainer: Sven Hübscher
VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 22 Ahmet Saglam, 4 Angelos Argyris, 27 Süleyman Celikyurt (68. 3 Dominique Ndure) – 8 Kai Bastian Evers, 30 Lennart Madroch (78. 6 Okan Erdogan) – 18 Pascal Richter, 10 Gazi Siala (46. 7 Pascal Steinwender), 16 Maik Lukowicz – 11 Kifuta Kiala Makangu
Trainer: Marco Elia
Tore: 1:0 Christian Groß (6.); 1:1 Kai Bastian Evers (Foulelfmeter, 51.)
Schiedsrichter: Marius Schlüwe – Assistenten: Jan Tschirschwitz, Malte Quoos
Zuschauer: 650 auf Platz 11 des Weserstadions
Gelbe Karte: Jean-Manuel Mbom (8.), Christian Groß (8.), Julian Rieckmann (4.) / Angelos Argyris (4.), Kifuta Kiala Makangu (5., gesperrt), Jeffrey Volkmer (3.)