Rehden. Tolle Moral, die richtige Einstellung, Kampfgeist und spielerische Finessen. Es stimmte vieles am Mittwochabend, allein das Endergebnis wollte die vielen VfB-Fans im ansonsten spärlich besetzten Stadion nicht ganz überzeugen. Trotz einer starken Vorstellung mussten die Blauen sich mit einem 2:2 zufrieden geben.

Es war fraglos mehr drin, für die Mannschaft von Dietmar Hirsch, die sich allein den Vorwurf gefallen lassen musste, zu wenig aus ihren vielen Chancen gemacht zu haben. Im Vergleich zum Spiel gegen den FC St. Pauli II hatte der VfB-Trainer seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert. Andreas Pollasch ersetzte Marc Meunier und Leon Lingerski spielte auf der linken Seite an Stelle des gesperrten Björn Hakansson.

Eben dieser Lingerski hätte die Gäste früh in Führung bringen können, ja müssen. Knappe zwei Minuten waren gespielt, da passte Pollasch den Ball genau auf Lingerski, der sich die Ecke hätte aussuchen können, jedoch an Torhüter Milos Mandic scheiterte.

Die nächste Szene gehörte dann allerdings den abstiegsbedrohten Rehdenern. Artmann nutzte einen Fehler von Erdem Bastürk, konnte den Ball dann in die Mitte spielen, doch der ansonsten bärenstarke Mittelstürmer Magouhi brachte das Kunststück fertig, das Spielgerät aus knapp drei Metern über das Tor zu schießen (10. Minute). Szenen, die deutlich machten, dass von Beginn an Feuer drin war. Das galt durchaus auf für die physische Komponente, wie Christopher Kramer nach 14 Minuten erstmals erfahren musste. Rüde wurde der starke Oldenburger Angreifer von Kresimir Matovina umgesenst, der dafür durchaus mit Gelb hätte verwarnt werden können. Doch nicht nur in dieser Szene hatte Schiedsrichter Jorrit Friedrich Eckstein-Staben Nachsehen mit den Gastgebern.

Kurz darauf stand Kramer erneut im Fokus. Wieder hatte der sehr präsente Pollasch einen Angriff eingeleitet, Thorsten Tönnies mit dem Kopf für Kramer aufgelegt, doch der Angreifer scheiterte mit seinem Schuss an Mandic (20.). Praktisch im Gegenzug zeigten sich die Schwarz-Weißen dan clever. Corvin Behrens konnte sich gegen Bastürk durchsetzen und traf zum 1:0 ins lange Eck.

Ein Nackenschlag für den VfB, der jetzt durchaus Mühe hatte und nach einer halben Stunde das 0:2 schlucken musste. Yannick Rolff wurde im Mittelfeld angegangen, der Pfiff allerdings blieb aus, obwohl sich der Oldenburger in dieser Szene verletzte und kurz darauf für Laurel Aug Platz machen musste. Die Gastgeber nutzten den Ballgewinn zu einem langen Pass und am Ende dieser Szene landete das Spielgerät bei Magouhi, der mühelos zum 2:0 einschieben konnte.

Jetzt allerdings zeigten die Oldenburger echte Nehmerqualitäten. Es ging ein regelrechter Ruck durch die Mannschaft. Zudem wirkten sich die Umstellungen von Dietmar Hirsch umgehend aus. Pollasch rückte auf die Sechs und Aug gab den Abfängjäger im Mittelfeld und das ebenso effektiv, wie auch spielerisch überzeugend. Noch vor der Halbzeit sollte Kramer dann für neue Hoffnung sorgen. An der Mittellinie erkämpfte er sich den Ball und spurtete unaufhaltsam Richtung Tor, um die Kugel schließlich trocken ins lange Eck zu schieben (40.).

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff hätte der VfB sogar noch ausgleichen können. Nach einer feinen Kombination über Pollasch und Kramer kam Lingerski erneut frei zum Schuss, geriet dabei jedoch in Rücklage, so dass Mandic den Ball noch zur Ecke lenken konnte.

Dennoch, die Oldenburger waren jetzt dran und machte nach der Pause druckvoll weiter. Das zahlte sich aus. Der sichere Jannik Wetzel leitete dann den Ausgleich ein. Seinen Pass konnte Tönnies zu Ibrahim Temin spielen, dessen Pass Lingerski diesmal mit dem 2:2 veredeln sollte (54.).

Die jetzt klar tonangebenden Gäste wollten allerdings mehr als diesen einen Punkt und Dietmar Hirsch dokumentierte das mit einem weiteren Wechsel. An Stelle von Verteidiger Frederik Lach kam der offensive Conrad Azong ins Spiel (65.).

Nur zwei Minuten später haderten die Blauen dann mit dem Schiedsrichter und das zu Recht. Pekrul hatte Tönnies im Strafraum klar regelwidrig zu Fall gebracht, doch der zwingend fällige Elfmeterpfiff blieb aus. Mit viel Wut im Bauch starten die Oldenburger jetzt einen Angriff nach dem anderen und hätten durch Temin (68.) und Tönnies (69.) sowie später auch noch Kramer (83.) in Führung gehen müssen. Rehden allerdings hatte auch noch Möglichkeiten. Die Gastgeber konterten zweimal gefährlich, wobei Magouhi, der an Wetzel scheiterte, klar im Abseits stand, der Pfiff aber ausblieb.
In der Schlussminute war der Oldenburger Torhüter dann erneut auf dem Posten. Praktisch aus dem Nichts kam Artmann zum Schuss, doch Wetzel parierte den Ball mit dem Fuß.

BSV Rehden: Milos Mandic – Viktor Pekrul, Gazi Siala, Michael Wessel, Kresimir Matovina (64. Sulhattin Capli) – Patrick Papachristodoulou, Kai Bastian Evers, Kevin Artmann, Corvin Behrens – Maciej Zieba, Hugo Magouhi
Trainer: Wolfgang Schütte

VfB Oldenburg: Jannik Wetzel – Pascal Richter, Muhittin Bastürk, Henri Aalto, Frederik Lach (65. Conrad Azong) – Yannick Rolff (35. Laurel Aug) – Ibrahim Temin, Andreas Pollasch, Thorsten Tönnies, Leon Lingerski – Christopher Kramer
Trainer: Dietmar Hirsch

Tore: 1:0 Corvin Behrens (20.); 2:0 Hugo Magouhi (33.); 2:1 Christopher Kramer (41.); 2:2 Leon Lingerski (52.)
Schiedsrichter/in: Jorrit Eckstein-Staben (SC Wentorf) – Assistenten: Björn Krüger (SV Börnsen), Adrian Höhns (TuS Dassendorf)
Zuschauer: 312 in den Waldsportstätten
Gelbe Karte: Kresimir Matovina (3.) / Thorsten Tönnies (9.), Leon Lingerski (2.)

Wolfgang Schütte, BSV Rehden: Ich weiß nicht, ob uns der Punktgewinn hilft. Ein 2:0 darf man eigentlich nicht abgeben. Bei den Gegentoren haben wir schwere Fehler gemacht. Moral und Einstellung haben gestimmt, wir haben alles gegeben und ich denke, das Ergebnis ist leistungsgerecht.

Dietmar Hirsch: Es ist ein Punkt für die Moral. Wir haben leichte Fehler vor den Gegentoren gemacht, das ärgert mich schon. Allerdings spricht es für die Mannschaft, wie sie nach dem 0:2 zurückgekommen ist. Beide Mannschaften hatten ihre Chancen, wir vielleicht einige mehr. Daraus müssen wir mehr machen. Jetzt freuen wir uns aufs Derby und wollen Meppen ein Bein stellen.