Das war doch fast schon wieder klar. Sieben Spiele in Serie will es für die zweite Mannschaft des FC St. Pauli nicht richtig laufen, bleibt die Truppe ohne Sieg und jetzt das. Am Mittwochabend fertigten die Braun-Weißen Tabellenführer SV Meppen mit 4:0 ab und haben sich damit vor dem Spiel in Oldenburg einen ordentlichen Schluck aus der Pulle mit Selbstvertrauen gegönnt. Bevor am Sonntag, um 14 Uhr angepfiffen wird, haben wir den Gegner mal unter die Lupe genommen. Gönnt euch:

Zahlen und so: Die Tabelle lügt bekanntlich nicht, will in diesem Fall heißen, dass unserer Gegner sich im Mittelfeld dieser statistischen Auswertung häuslich niedergelassen hat. Platz neun, 28 Punkte aus 24 Spielen bei einem Torverhältnis von 32:33. Das ist mal solide.

Stil und Philosophie: Die Paulis spielen schon einen ganz feinen Ball, will heißen, dass die Truppe von Trainer Joachim Philipkowski die Murmel durchaus ordentlich zu streicheln versteht. Kein Wunder, denn die Nachwuchsriege des Zweitligisten wird im Jugendbereich schon mehr als ordentlich geschult. Hier zahlt sich aus, dass die – Achtung, Klischee –  „Kiezkicker“ ihren Kader stets ganz üppig aus dem eigenen Verein nähren. Während so manches Rudel mit schöner Regelmäßig durch extern ausgebildete Kicker teils prominent verstärkt wird, ziehen die Hamburger ihre eigenen Talente hoch. Im Sommer die Neuen mehrheitlich aus der eigenen U19 oder von unterklassigen Hamburger Vereinen.

Fokus auf: Puh, schwierig! Natürlich schaut man direkt mal, wer denn die meisten Treffer erzielt hat. Jan-Marc Schneider heißt er, ist 22 Jahre alt und offenbar ein echter Hamburger Jung, der das Kicken pikanterweise beim HSV erlernt hat. Daran werden sich die Stadtteilkicker kaum stören, denn Schneider ist zurzeit der entscheidende Mann im Offensivspiel. Elf Treffer sind für ihn notiert, beim 4:0 über Meppen war Schneider gleich zweimal erfolgreich. Also alles Schneider oder was? Sicher nicht. St. Pauli steht defensiv allemal ordentlich, die Truppe ist technisch gut, taktisch fundiert ausgebildet und hat in Nico Empen oder Tim Julian-Pahl  und Marcel Sobotta sowie Benjamin Nadjem einige auffallend gute Kicker am Start.

Verliebt ins Remis: Gewinnen verlernt, das konnte man bis zum vergangenen Mittwoch tatsächlich noch meinen. Einmal davon abgesehen, dass die Hamburger eine ausgeprägte Vorliebe für Punkteteilungen haben – die Statistik weist mittlerweile zehn Unentschieden aus. Klingt rekordverdächtig, ist in der Regionalliga aber nur ausreichend für Platz zwei, denn der TSV Havelse hat bereits elfmal unentschieden gespielt.

Schnell vergessen: Genau das würden wir beim Thema Hinspiel gerne tun, aber der guten Ordnung halber sehen wir uns gezwungen, zu erwähnen, dass wir die geplant-opulente Siegesfeier auf’m Kiez streichen mussten. Andi Pollasch hatte uns nach einer Stunden in Führung geschossen und statt mal zu gönnen, schlugen die Paulis erbarmungslos zurück, verwandelten einen höchst fragwürdigen Strafstoß im Nachsetzen und legten kurz vor dem Abpfiff noch das wenig gastfreudliche 2:1 nach. Wir waren komplett bedient, haben die Kiez-Tour natürlich gestrichen und sind brummelnd in die schönste Stadt der Welt zurückgefahren.

Von wegen „fremdeln“: Als St. Pauli am vergangenen Wochenende in Norderstedt 1:3 verloren hat, hätte man meinen können, dass die Braun-Weißen es auswärts nicht so drauf haben. Stimmt leider nicht. Lediglich drei von zwölf Spielen hat unser Gast verloren, sechsmal einen Zähler mitgenommen und dreimal gewonnen. Gepunktet wurde unter anderem in Lübeck und Lüneburg, gewonnen zuletzt in Rehden.

Und wir so „yeah“!: Warum wir gut drauf sind? Ganz einfach, wir haben Bock aufs Spiel, nehmen den Schwung vom Sieg in Egestorf mit und hatten Gelegenheit, beim Training mal zu prüfen, ob unsere Jungs auch intensiv arbeiten. Tun sie und das gilt in diesem Fall auch für Laurel Aug, der seinen Kurzeinsatz nach Bänderriss gut überstanden hat und auch für Moritz Waldow. Er hatte zuletzt aufgrund einer Verletzung zuschauen müssen und ist jetzt wieder fit. Dino Fazlic und Björn Hakansson haben ihre Sperren abgesessen und dürfen auch wieder Dienst tun. Die Auswahl für Cheftrainer Dietmar Hirsch ist also deutlich größer als zuletzt. Da brauchen wir gar nicht viel Fantasie, um uns vorstellen zu können, dass wir am Sonntag was zu feiern haben. Dann nicht auf’m Kiez, sondern in unserer sowieso viel schöneren Stadt. Auf geht’s, VfB.