Oldenburg. Der VfB Oldenburg ist für Benjamin Doll ein besonderer Verein. Bei den Blauen hat er alle Mannschaften, von der F-Jugend bis zur ersten Herren, durchlaufen. Mittlerweile ist er als Geschäftsführer für viele Themenbereich zuständig. Was ihn umtreibt, verrät er in diesem ausführlichen Interview.

Es ist einige Wochen her, seit Du zum Geschäftsführer der neuen VfB-GmbH berufen worden bist. Hat sich Dein Alltag seitdem verändert?
Das ist sicher eine Frage der Definition. Ich habe nach wie vor keine Langeweile (lacht), aber auf jeden Fall noch mehr Verantwortung.

In welcher Hinsicht?
Die GmbH ist für den Spielbetrieb zuständig, das heißt, ein Spieltag fällt in meinen Verantwortungsbereich. Praktisch hat sich nicht so viel verändert, weil ich mich vorher auch schon federführend um die Themenbereiche gekümmert habe. Zum Glück und das betone ich gerne, weil es mich ungemein freut, haben wir beim VfB ein tolles Team. Es gibt viele Menschen, die sich ehrenamtlich enorm engagieren.

In Deinen Verantwortungsbereich fällt aber nicht nur der Spielbetrieb, sondern auch die Vermarktung. Wie entwickelt sich die Partnersuche?
Mehr geht immer (lacht wieder). Nein, Spaß beiseite. Hier gilt, was auch auf unsere sportliche Entwicklung zutrifft. Wir sind auf einem guten Weg. Als ich zum VfB zurückgekommen bin, habe ich durchaus Skepsis und Zurückhaltung gespürt. Das weicht auf. Es ist uns nicht nur gelungen, viele neue Partner zu gewinnen, sondern auch Unternehmen wieder für den VfB zu begeistern, die sich in den vergangenen Jahren nicht so sehr mit uns beschäftigt haben. Aber, das will ich ausdrücklich mit einem ganz großen Ausrufezeichen versehen, wir sind noch lange nicht da, wo wir einmal hin wollen.

Wie überzeugst Du Unternehmen davon, ins Sponsoring des VfB einzusteigen?
Die Kardinalantwort auf diese Frage gibt es nicht. Grundsätzlich geht es über den persönlichen Kontakt. Wenn man uns die Chance gibt, den VfB und die Möglichkeiten, die wir unseren Partnern bieten, aufzuzeigen, dann ist die Resonanz wirklich positiv.

Dann gehe doch bitte mal ins Detail.
Das ist schwierig, weil die Individualität zählt. Der eine Partner möchte eine Bandenwerbung, der nächste setzt ganz andere Schwerpunkte. Dafür müssen wir Lösungen finden und das gelingt uns eigentlich ganz gut. Zumindest wird uns das so gespiegelt. Grundsätzlich ist uns wichtig, dass sich unsere Sponsoren beim VfB gut aufgehoben fühlen. Das heißt, dass wir ihnen am Spieltag ein passendes Ambiente bieten, dass wir ihren werblichen Auftritt passend gestalten und vor allem, dass wir sie unter- und miteinander bekannt machen.

Stichwort Netzwerken?
Ganz genau. Dieses Thema ist elementar. Ein Sponsoring darf keine Einbahnstraße sein. Es ist deshalb unser Ziel, den Partnern die Möglichkeit zu geben, dass sie Mehrwerte erzielen. Wir machen sie miteinander bekannt und im optimalen Fall kommen sie auch geschäftlich zusammen. Ich sehe aber noch eine weitere Komponente.

Welche?
Wenn wir von Partnern sprechen, dann meinen wir das auch so. Exemplarisch möchte ich hier einfach mal unseren Hauptsponsor „Paul Hewitt“ nennen. Wir hatten dort kürzlich ein großartiges Sponsorentreffen. Das Paul Hewitt-Team hat sich sehr viel Mühe gegeben und zwar nicht nur mit Blick auf die Räumlichkeiten. Wir haben hier einen Partner, der selbst Ideen einbringt, der mit uns gemeinsam gestalten und aktiv mithelfen will. Ich darf hier nochmal auf unsere tollen VfB-Armbänder hinweisen. Das war eine Idee aus dem Team von Paul Hewitt, die sie umgesetzt haben und von der wir als VfB zu einhundert Prozent monetär profitieren.

Im Zuschauerranking der Regionalliga liegt der VfB hinter dem VfB Lübeck auf Platz zwei. Früher, das ist zumindest ein Eindruck, war mehr Lametta oder konkret: Es kamen mehr Zuschauer. Woran liegt das?
Ich möchte das gerne etwas differenzierter beantworten. Ich bin ja auch zum VfB Oldenburg zurückgekommen, weil ich, wie viele andere ja auch, fest überzeugt bin, dass dieser Verein bei den Menschen in Oldenburg und in der Region noch immer einen hohen Stellwert hat. Allerdings wird der VfB teilweise auch von Zurückhaltung und Skepsis begleitet. Das verstehe ich auch, schließlich definiert sich Interesse nicht zuletzt auch über sportlichen Erfolg und da haben wir sicherlich Nachholbedarf. Darüber hinaus müssen wir auch selbstkritisch sein. In der Vergangenheit hat der VfB Begehrlichkeiten geweckt, oft berechtigt, aber leider nicht immer seine Ziele erreicht. Daraus resultieren dann auch Enttäuschung und Zurückhaltung.

Wie kann man das ändern?

Ein Patentrezept gibt es nicht. Grundsätzlich, auch wenn ich dieses Wort schon wieder bemühe, ist harte Arbeit gefragt. Ich hatte das Ambiente schon angesprochen. Natürlich sind die Rahmenbedingungen im Marschwegstadion nicht optimal, aber sicher auch besser als bei der Mehrzahl unserer Konkurrenten. Wir arbeiten daran, noch besser zu werden. Das fängt bei der Gestaltung unseres VIP-Bereiches an und soll beim Service für alle Zuschauer enden. Ich bitte da allerdings um Zeit. Das ist ein Prozeß, den wir nicht von heute auf morgen abschließen können, weil wir nicht in allen Themen Alleinentscheider sind. Ich bin deshalb sehr dankbar dafür, dass wir mittlerweile ein sehr gutes Verhältnis zur Stadt Oldenburg haben und kooperativ-konstruktiv zusammenarbeiten.  

Die Erfolgsformel lautet Siege gleich Zuschauer?
So einfach ist es ganz sicher nicht. Phrase hin oder her, für Siege gibt es keinen Ersatz, aber es gibt mehr als Siege. Unsere Zuschauer sollen nach dem Spiel mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass sie eine Mannschaft gesehen haben, die alles rausgehauen hat. Wenn das so ist, verzeihen sie auch Niederlagen. Das haben wir auch in dieser Saison schon erlebt, wenn ich etwa an das Spiel gegen Drochtersen denke. Die Jungs haben verloren, aber alles gegeben und das haben die Zuschauer honoriert.

Was erwartest Du mittelfristig im sportlichen Bereich? Immerhin steigt in der kommenden Saison der Meister endlich wieder direkt auf.
Genau und deshalb bin ich sicher, dass viele Vereine bereit sein werden, finanzielle Risiken einzugehen, um oben mitspielen zu können.

Der VfB auch?

Nein! Ganz sicher nicht. Das ist nicht der Weg, den wir mit dem VfB Oldenburg gehen wollen. Wir haben im Sommer einen personellen Umbruch vollzogen und einen Kader zusammengestellt, der eine Perspektive über diese Saison hinaus bietet. Wir bauen etwas auf, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir können keinen Profifußball anbieten, aber wir führen anderen Dinge ins Feld, zum Beispiel Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Das ist dank unserer Sponsoren möglich und wird heute vielen Spielern gerne angenommen. Eines ist ganz klar: Wir werden keine verrückten Sachen machen, sondern uns nur in dem Rahmen bewegen, der wirtschaftlich vertretbar ist.

Welche Perspektive?
Guten Fußball zu spielen. Ich will mich hier gar nicht rausreden, aber ich werde keine Luftschlösser bauen und Erwartungen formulieren, die nicht realistisch sind. Wir wollen immer gewinnen. Immer. Mir ist aber auch klar, dass das nicht funktioniert.

Was ist denn notwendig, um oben mitspielen zu können?
Darf ich die Frage an unseren sportlichen Leiter, Andi Boll, und unseren Trainer Marco Elia abgeben?

Sicher, aber beide sind gerade nicht da.
(lacht) Leider! Gut, ich möchte da nicht vorgreifen. Grundsätzlich, schon wieder grundsätzlich, sind wir auch einem guten Weg. Wir haben einen Kader, der gut austariert ist, junge, ehrgeizige Trainer, die eine klare Idee von Fußball haben, und wir haben ein Umfeld, in dem wir wachsen können. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, wo wir herkommen. In der vergangenen Saison haben wir am letzten Spieltag die Klasse gehalten. Jetzt wollen wir uns entwickeln. Ich glaube, dass die Gegner wieder mit Respekt nach Oldenburg kommen. Das zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg.

Was ist darüber hinaus noch nötig, um Erfolg zu haben?
Einige Faktoren habe ich ja schon aufgezählt. Sportliche und wirtschaftliche. Aus meiner Erfahrung heraus ist es allerdings elementar, dass man zusammenhält. Wir müssen ein Team sein. Spieler, Trainer, Verantwortliche, aber auch die Zuschauer. Einigkeit schafft Stärke und die schafft Erfolg.