Oldenburg. „Nach 60 Minuten hätte es durchaus auch 5:5 stehen können.“ Rüdiger Ziehl steht fraglos nicht im Verdacht, durch eine blaue Brille zu schauen oder die Gäste im VIP-Raum des Marschwegstadions milde stimmen zu wollen. Gleichwohl traf der Trainer des VfL Wolfsburg II mit seiner Analyse durchaus auf den Punkt. Mehr als eine Stunde lang hatte der VfB Oldenburg dem Titelfavoriten ein Spiel auf Augenhöhe geboten. Das 0:3 nach 90 Minuten wollte deshalb so gar nicht zum munteren Kick passen.

Die erste Negativbotschaft hatte VfB-Trainer Alexander Kiene bereits vor dem Anpfiff vernehmen müssen. Adduktorenbeschwerden verhinderten einen Einsatz von Pascal Richter. Der nächste Schreckmoment folgte nach 50 Sekunden. Nach einem Missverständnis in der VfB-Deckung rauschte eine Flanke in den Oldenburger Strafraum, doch der freistehende Anton Stach konnte Dominik Kisiel im Oldenburger Tor nicht überwinden.

Es sollte allerdings die einzige gefährliche Situation bleiben, denn die Anfangsphase gehörte den Blauen, die ihrerseits nach drei Minuten erstmals mächtig Schwung aufnahmen. Der starke Ibrahim Temin hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt und passgenau für Nico Matern aufgelegt, dessen Schuss ein Wolfsburger Abwehrspieler jedoch zur Ecke abblocken konnte.

Vor 1.427 Zuschauern zeigten die Oldenburger, dass sie sich gegen den Titelverteidiger keinesfalls verstecken würden und das, obwohl Wolfsburg ein Muster an Effektivität ablieferte. Flanke, Kopfball, Tor, so einfach kann Fußball manchmal sein, denn in der 9. Minute nickte John Iredale zur Führung für den VfL ein. Ein Schock für den VfB, der allerdings kaum Wirkung zeigte, denn die Gastgeber schalteten sofort wieder in den Vorwärtsgang und das regelmäßig mit viel Tempo.

Immer wieder wurde konsequent das Spiel über die Flügel gesucht, wo Temin links und Pascal Steinwender auf der rechten Seite oft bis an die Grundlinie durchkamen. Allein ihre teils feinen Zuspiele fanden keinen Abnehmer. Eben diesen Vorwurf mussten sich die Gastgeber gefallen lassen, denn sie belohnten sich nicht für ihr gutes und intensives Spiel. Vor allem zwischen der 18. und der 30. Minute  rauschte der Ball mehrfach gefährlich durch den Wolfsburger Strafraum, allein niemand konnte die Flanken veredeln.

Hinzu kam auch diesmal das Verletzungspech. Für Patrick Posipal, erstmalig von Anfang an aufgeboten, war der Kick nach einer knappen halben Stunde schon wieder vorbei. Ein malader Rücken hatte seine Auswechselung zur Folge. Für „Posi“ kam Dennis Rosin ins Spiel.

Den nächsten Aufreger gab es nach 35 Minuten. Einmal mehr hatte sich Ibo Temin durchgetankt und kam im Strafraum zu Fall. Viele Zuschauer und auch die Oldenburger Bankbesatzung hatten ein elfmeterreifes Foul von Torhüter Philipp Menzel erkannt, doch Schiedsrichter Lukas Benen verweigerte den Pfiff und ließ weiterspielen. Dennoch hätte es zur Pause allemal 1:1 stehen können, vielleicht müssen, doch Rosin verfehlte das Gästetor mit einer feinen Direktabnahme knapp (44.) und Kifuta flog um Zentimeter an einer Flanke von Steinwender vorbei (45.).

Das tolle Publikum honorierte den Oldenburger Auftritt übrigens mit lautstarkem Applaus.

Nach dem Wiederanpfiff das gleiche Spiel. Erneut war Steinwender zu schnell für seinen Gegenspieler, brachte den Ball scharf vor das Gehäuse und wieder kamen seine Mitspieler einen Schritt zu spät. Dergleichen bekamen die Fans noch häufiger zu sehen, allerdings auch, wie man sein Tun effektiver gestaltet. Nach 64 Minuten war John Yeboah Zamora nach einem Pfostenschuss zur Stelle und staubte zum 0:2 ab. Das wiederum war ein Wirkungstreffer. Zwar versuchten die Oldenburger nochmals alles, um den Anschluss herzustellen, doch der wollte nicht gelingen. Im Gegenteil, denn der Ball landete nochmal im VfB-Gehäuse. Michele-Claudio Rizzi verwandelte einen allemal fragwürdigen Strafstoß zum 0:3 und machte damit in der 68. Minute den glücklichen Sieg perfekt.

Rüdiger Ziehl, Trainer VfL Wolfsburg II: Es war ein intensives, von beiden Mannschaften offensiv geführtes Spiel und es hätte nach 60 Minuten durchaus auch 5:5 stehen können. Nach dem 3:0 hatten wir dann sicherlich ein Übergewicht, weil der VfB etwas den Glauben verloren hat. Ich bin mit den drei Punkten heute sehr zufrieden.

Alexander Kiene, Trainer VfB Oldenburg: Am Ende müssen wir sicherlich konstatieren, dass der VfL das Spiel durch seine hohe individuelle Qualität entschieden hat, die sich bei den Toren gezeigt hat. Dennoch können wir viel Positives aus diesem Spiel mitnehmen, gerade aus der starken ersten Halbzeit und auch dem guten Beginn der zweiten Halbzeit. Die Art und Weise unseres Spiels, auch wie wir nach dem Rückstand reagiert haben, das war gut. Zudem haben wir unseren taktischen Plan gut umgesetzt. Leider hat uns die finale Aktion gefehlt, daran müssen wir arbeiten. Aber nochmal, ich habe viele gute Dinge gesehen, leider haben wir uns nicht belohnt.

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 5 Jeffrey Volkmer, 25 Kevin Kalinowski, 4 Leon Deichmann, 3 Dominique Ndure – 8 Kai Bastian Evers, 6 Patrick Posipal (32. 37 Dennis Rosin) – 7 Pascal Steinwender, 21 Nico Matern, 20 Ibrahim Temin (72. 24 Alexandar Jankovic) – 11 Kifuta Kiala Makangu
Trainer: Alexander Kiene

VfL Wolfsburg II: 36 Phillip Menzel – 26 Yannik Möker, 6 Tim Siersleben, 4 Julian Klamt – 23 Michele Rizzi – 11 Luca Horn, 24 Anton Stach (62. 27 Dominik Marx), 3 Zakaria Hamadi – 10 Julian Justvan (68. 22 Muhammed-Cham Saracevic), 14 John Iredale, 19 John Yeboah (82. 20 Richmond Tachie)
Trainer: Rüdiger Ziehl

Tore: 0:1 John Iredale (10.); 0:2 John Yeboah (64.); 0:3 Michele Rizzi (Foulelfmeter, 68.)

Schiedsrichter/in: Lukas Benen – Assistenten: Markus Büsing, Daniel Fleddermann

Zuschauer: 1427 im Marschweg-Stadion

Gelbe Karte: Kifuta Kiala Makangu, Leon Deichmann / Michele Rizzi, Julian Klamt