Oldenburg. Fußball soll Spaß machen. Auf dem Rasen und auf den Tribünen. Wenn der Gast im Oldenburger Marschwegstadion allerdings SC Weiche Flensburg 08 heißt, ist dieser Spaßfaktor deutlich eingeschränkt. Seit 2012 sind die Flensburger in der Regionalliga am Ball und haben sich von unseren Blauen seitdem erst einmal besiegen lassen. Klingt jetzt nicht so, als würde am Sonntag, um 15 Uhr, ein erfolgreicher Kick auf uns warten oder? Doch, davon ist zumindest unsere Redaktion überzeugt. Warum, das zeigen wir dann auch gleich mal auf.

Die Rolle des Favoriten schieben wir mal dezent, aber mit Nachdruck Richtung Flensburg. Logisch, schließlich haben die Kicker aus der Bierstadt in der vorletzten Spielzeit den Titel gewonnen und in der vergangenen Saison waren sie Teil der Spitzengruppe. Die Mannschaft hat mit Daniel Jurgeleit einen sehr erfahrenen Trainer und selbst auch schon zahlreiche Spiele auf hohem Niveau in den Beinen.

Der ohnehin höheren Ansprüchen genügende Kader wurde im Sommer nochmals gezielt verstärkt. Die Defensive soll ein Rückkehrer mit noch mehr Stabilität versehen, zum Leidwesen des VfB, denn die Flensburger überzeugten Angelos Agryris davon, erneut in ihr Trikot zu schlüpfen. „Angie“ verteidigt zentral, während Christian Jürgensen das links tut und die Dreierkette zuletzt durch einen weiteren Neuzugang komplettiert worden ist. Vom SV Meppen wurde Jovan Vidovic losgeeist. Der Slowene ist mit 1,97 Meter Länge eine echte Kante und sorgt für Lufthoheit im eigenen Strafraum. Kevin Njie, zuvor noch berufen, durfte deshalb allerdings nicht mehr mitspielen. Der Däne Ture Blaue gilt da schon eher als Investition in die Zukunft, er kam aus der U19 des Erstligisten SönderjyskE.

Obschon auch das Mittelfeld bereits stark aufgestellt war, wurde auch für diesen Mannschaftsteil personell nachgelegt. Tayfun Can, aus Norderstedt gekommen, soll das offensive Spiel ankurbeln, Julian Stöhr, vom SV Drochtersen/Assel geholt, könnte eine Viererabwehrkette komplettieren oder im linken Mittelfeld agieren.   

Obwohl die Flensburger im Angriff durchaus treffsichere Kicker im Kader hatten, wurde auch hier zugekauft. Der Blick richtete sich dabei gleich zweimal ins Nachbarland, denn vom Vejle Boldklub wurde Jonas Andersen ausgeliehen und vom Thisted FC Casper Olesen verpflichtet. Bekanntester Neuzugang der Flensburger ist allerdings Fabian Graudenz, der von Drittliga-Absteiger Energie Cottbus gekommen ist.

Eines ist zwingend anzumerken, die Elf von Daniel Jurgeleit bringt enorm viel Erfahrung und beeindruckend viel physische Präsenz auf den Rasen. Torge Paetow und Patrick Thomsen verlieren im defensiven Mittelfeld nicht sonderlich viele Kopfballduelle. Ilidio Pastor Santos und natürlich Dominic Hartmann stehen hingegen für Tempo und Spielwitz.

Das klingt in der Summe schon beeindruckend, doch die aktuelle Bilanz dürfte der Konkurrenz Mut machen. Zwar hegt und pflegt man in Flensburg Drittliga-Pläne, deren Umsetzung in der jüngeren Vergangenheit vor allem auch durch das Fehlen einer adäquaten Spielstätte fraglich war, doch der Saisonstart ging daneben. Zum Auftakt unterlagen die Rot-Blauen dem Titelverteidiger VfL Wolfsburg II mit 1:2 und im letzten Heimspiel enttäuschte die Mannschaft ihre Fans mit einer verdienten 0:2-Niederlage gegen den BSV Rehden. Dazwischen allerdings trumpften die 08er erfolgreich auf, gewannen eher glücklich mit 1:0 beim HSC Hannover und 2:0 beim TSV Havelse.

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist natürlich immer relativ und doch wird deutlich, dass der nächste Gegner des VfB Oldenburg schon jetzt unter Druck steht. Vor der Saison hatte der höchst einflussreiche Weiche-Geschäftsführer Harald Uhr deutlich gemacht, dass man den Titel im Fokus hat. Der Verein wollte bis zu 400 Dauerkarten absetzen und den Zuschauerschnitt in den vierstelligen Bereich heben. Darüber hinaus wurde nicht nur in die Mannschaft, sondern auch in die Rahmenbedingungen investiert.

Personell sind die Gäste derzeit aber auch nicht frei von Sorgen. Nedim Hasanbegovic fehlt aufgrund von Knieproblmen, Marvin Ibekwe musste ebenfalls verletzt passen. Ausfälle, die offenbar so einfach nicht zu kompensieren sind. Nach vier Spieltagen beträgt der Rückstand auf Tabellenführer VfB Lübeck schon sechs Punkte. Eigentlich müssen die Flensburger in Oldenburg gewinnen, um dranzubleiben.

Ein Vorhaben, das ihnen in der Vergangenheit oft gelungen ist. Erst vor knapp drei Monaten siegten sie in Oldenburg 4:3, obwohl der VfB seinerzeit schon 2:0 geführt hatte. Doch die Statistik taugt allenfalls zur Basis für mehr oder weniger ernstzunehmende Spekulationen. Fakt ist, die Oldenburger sind gut drauf, richtig gut und das war in dieser Woche auch im Training zu sehen und hören. „Die Mannschaft hat alle Rückschläge gut weggesteckt, dafür gebührt ihr ein großes Lob“, sagt Trainer Alexander Kiene und denkt dabei auch an die lange Verletztenliste.

Offen ist, wer von den zuletzt angeschlagenen Spielern am nächsten Sonntag wieder aufdribbeln kann. Pascal Richter, in Hannover vorzeitig vom Rasen gegangen, weil er nicht mehr zum Sprint ansetzen konnte, wurde in dieser Woche täglich behandelt. Ob es für einen Platz im Kader reicht? Eine solche Frage betrifft auch Pascal Steinwender und Nico Matern. Immerhin, die Hoffnung, dass beide dabei sein können, hatte durchaus ihren Grund.

Alex Kiene zeigt sich von den personellen Widrigkeiten gleichwohl wenig beeindruckt. „Wir haben Möglichkeiten und einen breiten Kader“, sagt er. Eben das hat die Mannschaft zuletzt in Hannover gezeigt. Vor allem die Wechsel fruchteten umgehend. Efkan Erdogan, Mitte der ersten Halbzeit für Matern gekommen, setzte viele Akzente und belohnte sich für seinen guten Auftritt mit einem fulminanten Freistoßtor. Die Ausführung dieses Standards durch „Effe“ hatte der Trainer lautstark eingefordert. „Er macht das im Training auch gut und hat einen guten Schuss“, so dessen Begründung.

Aber auch Justin Dähnenkamp konnte seinen Wert für die Mannschaft unterstreichen. Der junge Offensivspieler kam für Ibrahim Temin ins Spiel und bereite mit einer seiner ersten Aktionen das 0:2 nahezu schulbuchmäßig vor. „Jeder wird gebraucht und jeder wird seine Chance bekommen“, hatte Sportdirektor Jürgen Hahn wiederholt betont. Die personelle Entwicklung gibt ihm fraglos recht. Überhaupt haben die Blauen zuletzt Spaß gemacht, nicht nur spielerisch überzeugt, sondern auch mit Leidenschaft für sich geworben. In Hannover sorgten auch die VfB-Fans für tolle Unterstützung. Wenn alle noch etwas draufpacken, sollte sich doch diese unattraktive Heimserie am Sonntag endlich beenden lassen.