Oldenburg. Traumhafte Witterungsbedingungen, sofern man Regen mag, Chancen satt, Spannung und Emotionen – es hätte ein durchaus denkwürdiger Sonntagnachmittag im Marschwegstadion sein können. Doch statt nach dem Abpfiff einen überaus deutlichen Sieg ihres VfB Oldenburg zu feiern, mussten sich Zuschauer wie Aktive mit einem 1:1 gegen Hannover 96 bescheiden.

Noch lange nach dem Schlusspfiff hockten die Blauen auf der Bank oder standen auf der Laufbahn, kollektiv kopfschüttelnd und den anhaltenden Niederschlag ignorierend. „Das kann doch nicht wahr sein“, war nicht nur einmal zu hören. Unverständnis, ja Fassungslosigkeit bestimmten das emotionale Bild der Oldenburger, die gegen den Bundesliganachwuchs so vieles richtig und gut gemacht hatten. Tempo, Spielwitz, schöne Spielzüge, das alles mündete fast schon überproportional häufig in guten, ja besten Gelegenheiten. Allein die Veredelung derselben wollte nur einmal gelingen.

Im Vergleich zum Spiel beim VfB Lübeck hatte Alexander Kiene seine Mannschaft umgestellt. Der gesperrte Kai Bastian Evers wurde im Mittelfeld durch Patrick Posipal ersetzt. An Stelle von Jeffrey Volkmer verteidigte rechts Neuzugang Andrej Startsev und Kifuta Kiala Makangu kehrte in die Startelf zurück, Maik Lukowicz nahm auf der Bank Platz.

Die offensive Ausrichtung schien sich früh auszuzahlen, denn bereits nach drei Minuten hatten die Blauen ihre erste gute Möglichkeit. Einen weiten Abschlag von Dominik Kisiel hatte Pascal Steinwender aufgenommen und nach einem kurzen Sprint den Ball passgenau in die Mitte gelegt, wo Kifuta aus der Drehung mit der Hacke zum Abschluss kam. Es hätte ein Traumtor sein können, doch der Ball rauschte am langen Pfosten vorbei.

Die Oldenburger allerdings blieben am Drücker und kamen zu weiteren guten Chancen. Der emsige Enis Bytyqi versuchte es aus der Distanz (10.), Steinwender aus vollem Lauf (21.) und auch das direkte Zusammenspiel der beiden Angreifer hätte zum Treffer führen müssen (22), doch es blieb beim 0:0.

Fast schon folgerichtig sollte es kurz darauf dann tatsächlich „klingeln“, allerdings im Tor der Oldenburger. Benjamin Hadzic, neben Innenverteidiger Tim Walbrecht bester Hannoveraner, hatte aus der Distanz abgezogen und seine Elf so vollkommen überraschend mit 1:0 in Führung gebracht (27.). Ein Schock für den VfB, der zwar spielbestimmend blieb, aber mit dem Rückstand in die Halbzeit gehen musste.

Die zweiten 45 Minuten sollten an Dramatik nicht weniger zu bieten haben. Die sichere Schiedsrichterin Susann Kunkel hätte allerdings schon kurz nach dem Wiederanpfiff eigentlich Richtung Anstoßpunkt deuten müssen, denn Enis Bytyqi hatte Ibrahim Temin perfekt in Szene gesetzt, doch „Ibo“ sollte beim Schuss der Ball über den Schlappen rutschen und das Tor um Zentimeter verfehlen.

Auf dem zunehmend rutschiger werdenden Boden warfen die Oldenburger alles in die Waagschale, drängten die Hannoveraner in deren Hälfte, doch der so sehr herbeigesehnte Ausgleich ließ auf sich warten. Hinzu kam, dass die Gäste immer wieder versuchten, über Konter kleine Nadelstiche zu setzen. Doch die Deckung, in der Neuzugang Sergej Startsev ein starkes Debüt gab, war auf dem Posten. Genau wie Kifuta! Nach einer Stunde hatte sich Nico Matern den Ball mal wieder zur Ecke hingelegt und diesmal sollte die einstudierte Variante endlich Wirkung zeigen. Matern zirkelte den Ball genau auf Kifuta, der sich in die Höhe schraubte und zum verdienten 1:1 ins kurze Eck traf.

Die Oldenburger wollten natürlich mehr und brachten mit Pascal Richter für Ibrahim Temin einen frischen Offensivspieler. Im weiteren Verlauf sollten auch noch Efkan Erdogan (für Patrick Posipal) und Dennis Rosin (für Enis Bytyqi) kommen. Der VfB drängte und drückte, doch zum zweiten Treffer reichte es nicht mehr. Weil auch die Gäste, die zweimal aus der Distanz gefährlich waren, nicht mehr trafen, blieb es beim Remis und einigem Frust auf Seiten der Oldenburger, die sich nicht zum ersten Mal ärgerten, dass sie aus ihren Möglichkeiten nicht genug gemacht hatten.

 

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 27 Andrej Startsev, 25 Kevin Kalinowski, 23 Fabian Herbst, 3 Dominique Ndure – 7 Pascal Steinwender, 6 Patrick Posipal (72. 22 Efkan Erdogan), 21 Nico Matern, 20 Ibrahim Temin (68. 18 Pascal Richter) – 9 Enis Bytyqi (80. 37 Dennis Rosin), 11 Kifuta Kiala Makangu
Trainer: Alexander Kiene

Hannover 96 II: 1 Marlon Sündermann – 14 Kevin Wolf, 25 Marc Dauter, 15 Tim Walbrecht, 3 Emre Aytun – 21 Justin Neiß, 6 Niklas Tarnat, 10 Martin Wagner (68. 27 Max Kummer), 7 Marco Drawz (78. 29 Moussa Doumbouya) – 37 Benjamin Hadzic (90. 17 Daniel Eidtner), 16 Sebastian Soto
Trainer: Christoph Dabrowski

Tore: 0:1 Benjamin Hadzic (27.); 1:1 Kifuta Kiala Makangu (60.)

Schiedsrichter/in: Susann Kunkel – Assistenten: Malte Gerhardt, Tom-Lennart Maschmann

Zuschauer: 1312 im Marschweg-Stadion

Gelbe Karte: Efkan Erdogan (2.), Dennis Rosin (2.), Pascal Richter / Martin Wagner (2.), Niklas Tarnat (4.), Daniel Eidtner (2.)