Oldenburg. Eine Aufgabe mit hohem Schwierigkeitsgrad wartet am Sonntag auf unsere Blauen. Der VfB Oldenburg gastiert um 15 Uhr beim SV Drochtersen/Assel, einem Gegner, der aktuell in einer kleinen Krise steckt und diese lieber jetzt als gleich beenden möchte.

Ausgangslage: Während der VfB mit einem 6:1-Sieg ins Halbfinale des Krombacher-Landespokals gestürmt ist, kam für die SVDA im Viertelfinale überraschend das Aus. Überraschend? Ja, zwar hatten es die Kehdinger mit Drittligist Eintracht Braunschweig zu tun, doch höherklassige Gegner konnten die Blau-Roten in den vergangenen Jahren nie aufhalten. Diesmal allerdings war der Pokaltraum vorzeitig vorbei. Trotz einer klaren Leistungssteigerung im Vergleich zu den Vorwochen und eines starken Auftritts hieß es nach 90 Minuten 1:3. Auch in der Liga läuft es für Drochtersen so gar nicht nach Wunsch. Mit 14 Punkten aus 12 Spielen ist die Mannschaft derzeit einen Tabellenplatz und einen Zähler schlechter notiert als der VfB. Die Blauen ihrerseits haben gegen den HSC Hannover endlich einmal ihre Chancen genutzt. Eben das war den Oldenburger in vielen Spielen zuvor nicht gelungen.

Probleme: Die Stimmung rund um die SVDA war sicherlich schon besser. Das kann durchaus auch mit gestiegenen Erwartungen zu tun haben. Selbst vor dem Pokalduell mit Schalke 04, das 0:5 verloren wurde, waren durchaus selbstbewusste Töne vernehmbar. Tatsächlich allerdings läuft es nach einem guten Start in die neue Saison schon länger nicht mehr rund. In der Regionalliga wartet die Truppe von Trainer Lars Uder seit sechs Spielen auf einen Sieg. Immerhin wurde beim 1:1 in Rehden wieder gepunktet, nachdem Drochtersen zuvor vier Niederlagen in Serie kassiert hat.

Eben das sorgte vor allem bei Club-Chef Rigo Gooßen für Verstimmung, und die machte er auch öffentlich. Er beklagte einen Mangel an Kampfgeist, Zweikampfhärte und Mentalität. Ein 0:5 gegen den VfL Wolfsburg II und mehr noch ein 0:1 beim HSC Hannover hatten fraglos ihre Spuren hinterlassen. Dabei gibt es durchaus Gründe dafür, dass es nicht so gut lief.

Vor allem das Fehlen von Leistungsträgern macht die Aufgabe für den Trainer nicht einfacher. Allen voran Marcel Adrijancic, der Taktgeber des SV-Spiels, konnte noch nicht ersetzt werden. Er wird vermutlich noch bis zum Jahresende ausfallen. Auch andere wichtige Spieler standen oder stehen nicht zur Verfügung, Jannes Elfers, Jasper Gooßen, Oliver Ionannu oder Sören Behrmann, der allerdings beim Spiel in Hannover sein Comeback feierte. Auch Ex-Bundesligakicker Ashton Götz wurde mit hohen Erwartungen verpflichtet, hatte dann aber mit Verletzungen zu tun und fehlte zuletzt.

Hinzu kommt, dass die SVDA im Sommer auch drei erfahrene Spieler verloren hat, denn Meikel Klee, über Jahre ein wichtiger Faktor im Spiel der Kehdinger, hat den Verein ebenso verlassen, wie Erdogan Pini und Julilan Stöhr.

Leistungsträger: Hier ist natürlich allen voran Alexander Neumann zu nennen. Der Angreifer, in dieser Saison schon wieder sechsmal erfolgreich, ist immer für einen Treffer gut und kann jede Abwehr im Alleingang auseinandernehmen. Wie wichtig Behrmann für das Spiel seiner Mannschaft ist, wurde nicht nur in der Phase seines Fehlens deutlich, sondern auch gegen Braunschweig. Der Abwehrchef traf zum 1:0. Leistungsträger seiner Mannschaft ist natürlich auch Torhüter Patrick Siefkes, an dem der Ex-Oldenburger Fabian Klinkmann noch nicht dauerhaft vorbeigekommen ist.

Stärken: Trotz aller Probleme bringt Drochtersen auch an diesem Sonntag sicherlich eine kampfstarke Truppe aufs Grün. Wer im Kehdinger Stadion punkten will, muss bereit sein, den Kampf anzunehmen. Die Uder-Truppe wird fraglos versuchen, über die Physis ins Spiel zu kommen und sich so aus der Krise zu kämpfen. „Die Mannschaft ist darüber hinaus taktisch sehr gut organisiert und lässt dem Gegner eigentlich nicht viele Räume“, sagt VfB-Trainer Alexander Kiene.

Kräfteverschleiß: Die Oldenburger haben am Freitag einen freien Tag genießen und sich erholen dürfen. Erst am Samstag hat Alex Kiene die Mannschaft wieder zum Training gebeten. Abzuwarten ist, welche Folgen das Pokalspiel mit sich gebracht hat. Andrej Startsev musste mit Oberschenkelproblemen ebenso vorzeitig ausgewechselt werden wie Kevin Kalinowski. Zudem hat sich Ibrahim Temin eine Bänderverletzung zugezogen. Der Einsatz des Trios ist fraglich, genau wie der von Patrick Posipal. Der Routinier hatte gegen Hannover 96 II ein überzeugendes Comeback gefeiert, im Pokal allerdings passen müssen.

Schiedsrichter: André Schönheit, ein 32-jähriger Bankkaufmann vom MTV Treubund Lüneburg, wird das Spiel am Sonntag leiten. Ihm assistieren Tim Lahse und Simon Schleußner.

Tipp: Die Blauen sind gut drauf und haben fraglos das Potenzial, um in Drochtersen zu gewinnen. Das setzt aber eine ähnliche Effektivität im Abschluss voraus, wie beim klaren Sieg im Pokalspiel.