Oldenburg. Nach dem Derbysieg ist vor dem Auswärtsspiel und das hat es in sich. Aufsteiger Altona 93 FC wartet am Sonntag, um 14 Uhr auf unseren VfB Oldenburg. Dabei kommt es für die Blauen übrigens zu einem Wiedersehen.

Mit derzeit 13 Punkten aus 14 Spielen ist der Traditionsverein aus Hamburg ordentlich in die neue Saison gestartet. Bereits in der Saison 2017/18 spielte der AFC in der Regionalliga, schaffte den Klassenerhalt allerdings nicht. Man habe aus jener Saison gelernt, erklärte Trainer Berkan Algan im Sommer. Der 42-jährige, als Spieler bei vielen Hamburger Vereinen am Ball, hat in Altona seine sportliche Heimat gefunden. Seit 2015 hat er das Sagen an der Seitenlinie und ist dort auch eigentlich nicht mehr wegzudenken. Algan, hauptberuflich in der Gastronomie tätig, kümmert sich nicht nur um die Trainingsarbeit, sondern um vieles mehr, bis hin zu den Spielerverpflichtungen. Da hatte er im Sommer alle Hände voll zu tun.

Trotz des Aufstiegs gab es im Kader der Stadtteilkicker einen größeren personellen Umbruch. Sieben Spieler haben den Club verlassen und 18 (!) neue Fußballer heuerten bei den Schwarz-Weiß-Roten an, darunter auch zwei alte Bekannte, die bereits das schmucke VfB-Trikot getragen haben. Vom Bremer SV, den Altona in der Aufstiegsrelegation hinter sich gelassen hat, verpflichteten die Hamburger Dallas Sikes Aminzadeh und Marcel Lück. Während sich US-Boy Dallas bereits in sieben Spielen bewähren konnte, war Marcel bereits neunmal am Ball und erzielte auch schon zwei Treffer.

Leistungsträger beim Aufsteiger sind allerdings andere, angefangen bei Marco Schultz, der in der Jugend übrigens auch mal für den VfB gespielt hat. Der mittlerweile 27-Jährige kickt seit 2016 beim AFC und das überaus treffsicher. In dieser Serie sind für Schultz bereits fünf Tore notiert, obwohl er nicht mehr regelmäßig im Sturm, sondern meist im Mittelfeld speilt. Er stand zudem, wie auch Eudel Silva Monteiro, in allen 14 Ligaspielen auf dem Platz. In die Kategorie „unverzichtbar“ gehören auch Innenverteidiger William Wachowski und Stürmer Erdogan Pini, die jeweils 13 Einsätze zu verzeichnen haben.

Allen voran der Trainer wird nicht überrascht gewesen sein, dass der Start in die Serie schleppend war. Für Altona setzte es drei Niederlagen in Serie. Schnell wurde geunkt, die Hamburger seien, wie schon vor zwei Jahren, nicht wirklich regionalliga-tauglich. Doch das ist Geschichte. Vielmehr war der Grund für den Fehlstart auch an fehlenden Automatismen festzumachen, die eine derart umgebaute Mannschaft erst entwickeln muss. Algan und seine Mitstreiter zeigten sich derweil wenig beeindruckt, zogen ihre Linie durch und dürften mittlerweile zufrieden sein. Vor allem in der traditionsreichen Adolf-Jäger-Kampfball ist der AFC längst eine Macht. Zehn der 13 Punkte hat Altona zuhause erspielt.

Wie gut die Algan-Truppe auf ihrem Rasen zocken kann, mussten bereits zwei Top-Titelfavoriten erfahren. Der VfL Wolfsburg II wurde mit 4:1 abgeschossen und Weiche Flensburg kam nicht über ein 1:1 hinaus. Überhaupt ist Altona gut drauf, hat nur eines der letzten vier Spiele verloren, am vergangenen Spieltag mit 0:2 beim BSV Rehden.

Gut drauf sind die Blauen allerdings auch. Der nachbarschaftliche Wettstreit mit dem SSV Jeddeloh war eine deutliche Angelegenheit zugunsten des VfB, der beim 2:0 allerdings einen deutlich höheren Sieg verpasste. Immerhin, die Mannschaft hat sich für ihren dürftigen Auftritt in Drochtersen rehabilitiert. Personell sieht es ordentlich aus. Gegen Jeddeloh fehlte, von den Langzeitverletzten abgesehen, nur Andrej Startsev, hinter dessen Einsatz auch am Sonntag noch ein Fragezeichen steht.

Kampfstark sei der Gegner, physisch robust und selbstbewusst, sagt Alex Kiene. „Gerade auf ihrem recht kleinen Platz können sie jedem Gegner das Leben schwer machen“, so der VfB-Trainer. Er erwartet, dass seine Mannschaft mit ähnlicher Energie ins Spiel geht, wie am vergangenen Sonntag. „Die Jungs haben es gut gemacht, aber es geht sicher noch besser. Wir dürfen auf keinen Fall nachlassen, im Gegenteil“, sagt Kiene.

Ob er personelle Veränderungen vornehmen wird, hat der Trainer nicht verraten. „Wir haben einige Möglichkeiten und natürlich hat auch der Konkurrenzkampf zugenommen. Das gut dem einen oder anderen ganz gut“, sagt der Trainer und schmunzelt. Bis zum Anpfiff stehen noch zwei Einheiten auf dem Programm, genug Zeit also, um sich in die Startelf zu spielen. Eine tolle Nachricht haben wir auch noch. Jakob Bookjans ist wieder ins Lauftraining eingestiegen. Gute Nachrichten gibt es zudem von Leon Deichmann, der seine Rehabilitation in Hamburg absolviert und große Fortschritte macht.

Die Stimmung am Sonntag dürfte übrigens auch außerordentlich gut werden, denn zahlreiche Fans aus Oldenburg machen sich auf den Weg, um in Altona gemeinsam mit ihren Freunden aus der dortigen Fanszene zu feiern.