Oldenburg. Das war nichts für schwache Nerven. Mit 3:2 hat der VfB Oldenburg am 8. Spieltag gegen den Hamburger SV II gewonnen. Den verdienten Sieg haben die Blauen allerdings teuer bezahlt. Leon Deichmann wurde nach 74 Minuten schwer verletzt vom Rasen getragen. Einer ersten Diagnose zufolge hat sich der Abwehrspieler einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen. Auch Gäste-Torhüter Joshua Wehking verletzte sich schwer.

Bereits vor dem Anpfiff musste Alexander Kiene die Verletztenliste um einen neuen Namen verlängern. Jeffrey Volkmer, der eigentlich für die Anfangself vorgesehen war, konnte aufgrund einer Verhärtung im Oberschenkel nicht spielen. Auf die Position des rechten Verteidigers rückte Leon Deichmann, innen verteidigte erstmals Fabian Herbst von Beginn an. Zudem hatte der Trainer im Vergleich zum Spiel in Havelse auf zwei anderen Positionen Wechsel vorgenommen. Ibrahim Temin und Efkan Erdogan durften beginnen, Pascal Richter und Dennis Rosin nahmen erstmal auf der Bank Platz.

In einem anfänglich eher zähen Kick dauerte es eine gute Viertelstunde, ehe die Oldenburger erstmals gefährlich wurden. Kifuta wurde im Strafraum in Szene gesetzt, sein Schuss jedoch geblockt. Eine knappe Minute später legte Kai Bastian Evers für den starken Temin auf, der mit einem strammen Schuss jedoch über das Tor zielte.

Kurz darauf folgte die erste längere Unterbrechung. Beim Versuch, den Ball vor dem herauseilenden Torhüter Joshua Wehking wegzuspitzeln, hatte Kifuta den Schlussmann derart unglücklich getroffen, dass der sich bei einem Sturz eine Schulterverletzung zuzog. Er wurde mit Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch ausgewechselt und durch Kevin Harr ersetzt.

Eher skurril mutete hingegen eine Szene nach einer knappen halben Stunde an. Um einen verletzten Spieler zu behandeln, war der Physiotherapeut der Gäste auf den Rasen geeilt. Schiedsrichter Rene-Alexander Rose hatte die Behandlung allerdings nicht freigegeben und zeigte dem Physio deshalb die gelbe Karte.

Den nächsten Aufreger erlebten die 1.126 Zuschauer fünf Minuten vor der Pause. Nach einer ganz feinen Flanke von Nico Matern hatte Kifuta zum Flugkopfball angesetzt und den Ball perfekt im Tor versenkt. Die Freude über die Führung war kaum verklungen, da durften die Blauen nochmals jubeln. Die Hamburger Deckung konnte eine Flanke nicht klären und Nutznießer war Dominique Ndure, der den Ball nach einer Flanke von Temin mit dem Kopf zum 2:0 ins Tor drückte (43.). Innerhalb von drei Minuten hatten die Oldenburger damit die Weichen scheinbar auf Sieg gestellt, doch nach dem Wechsel sollte es noch turbulenter zugehen.

Weiterhin gelang es beiden Mannschaften durchaus passabel, das offensive Bemühen des Kontrahenten wirkungsvoll zu unterbinden. Folgerichtig waren die ganz großen Torchancen anfänglich Mangelware. Dennoch hätten die Blauen nach etwas mehr als einer Stunde auf 3:0 stellen müssen. Leon Deichmann hatte Enis Bytyqi geschickt und der hatte von der Mittellinie aus zum Sprint angesetzt. Von der Abwehr nicht zu stoppen, kam er aus spitzem Winkel zum Abschluss, zielte zum kollektiven Entsetzen der Oldenburger aber knapp am langen Pfosten vorbei. „Ich war einfach zu platt“, ärgerte er sich nach dem Schlusspfiff über die verpasste Chance.

Kurz darauf ereignete sich dann jene Szene, auf die alle Anwesenden gerne verzichtet hätten. Am Ende eines Zweikampfes stürzten ein Hamburger und Kevin Kalinowski derart unglücklich auf Leon Deichmann, dass der Oldenburger kurz darauf vom Platz getragen werden musste. Schiedsrichter Rose wollte zudem ein Foul gesehen haben und entschied auf Elfmeter für die Hamburger. Julian Ulbricht verwandelte gegen geschockte Gastgeber sicher.

Doch damit nicht genug. Der VfB war sichtlich angeschlagen und jetzt kurzzeitig unsortiert. Das nutzten die Rothosen aus. Faride Alidou, zuvor für Khaled Mohssen eingewechselt, traf zum 2:2 (77.). Jetzt drohten die Blauen den Zugriff auf das Spiel komplett zu verlieren. Doch der VfB zeigte echte Nehmerqualitäten und kämpfte sich zurück ins Spiel.

Das hätte sich fast schon in der 79. Minute ausgezahlt. Bytyqi hatte Kifuta mit einem ganz feinen Pass freigespielt, der Torjäger war drauf und dran, das 3:2 zu erzielen, doch Joshua Wehking brachte gegen den Lupfer noch eine Hand an den Ball. Zwei Minuten später war er dann aber doch machtlos. Die Oldenburger hatten zum Konter angesetzt und Temin war im Strafraum gelegt worden. Folgerichtig gab Schiedsrichter Rose erneut Elfmeter. Dennis Rosin, der nach einer Stunde für Nico Matern ins Spiel gekommen war, verwandelte zum verdienten 3:2, das die Gastgeber mit großem Einsatz ins Ziel brachten.

Hannes Drews, Trainer Hamburger SV II: Glückwunsch an den VfB. Ich denke, wir haben es in der ersten Halbzeit gut gemacht, von den fünf Minuten abgesehen, in denen die Oldenburger zwei Fehler von uns bestraft haben. Wir sind dann mit Wut im Bauch aus der Kabine gekommen und haben das 2:2 erzwungen. Danach hat man dann gesehen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die zu gierig geworden ist. Den Elfer für den VfB muss man nicht geben, aber man kann ihn geben. Das Ergebnis ist gerecht, weil der VfB sicher mehr Chancen hatte.

Alexander Kiene, Trainer VfB Oldenburg: Der Ausfall von Leon bringt uns wieder in eine schwierige Situation, denn er ist unumstrittener Stammspieler. Bedenkt man, wie viele  Rückschläge wir immer wieder hinnehmen müssen, muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie das immer wegsteckt. Fabian Herbst haben wir heute ins kalte Wasser geworfen und er hat seine Sache gut gemacht. Ich denke, es war ein sehr emotionales Spiel, vielleicht nicht so attraktiv wie zuletzt, aber am Ende zählen die Tore.

VfB Oldenburg: 1 Dominik Kisiel – 23 Fabian Herbst, 25 Kevin Kalinowski, 4 Leon Deichmann (74. 18 Pascal Richter), 3 Dominique Ndure – 8 Kai Bastian Evers, 21 Nico Matern (60. 37 Dennis Rosin), 22 Efkan Erdogan, 20 Ibrahim Temin – 11 Kifuta Kiala Makangu, 9 Enis Bytyqi (90+3. 17 Justin Dähnenkamp)
Trainer: Alexander Kiene

Hamburger SV II: 1 Joshua Wehking (21. 12 Kevin Harr) – 6 Sebastian Haut, 21 Henrik Giese, 18 Stephan Ambrosius, 16 Kusi Kwame – 3 Jonas David – 4 Lukas Pinckert, 10 Khaled Mohssen (54. 20 Faride Alidou), 23 Maximilian Geißen (88. 7 Gentrit Limani), 14 Tobias Fagerström – 9 Julian Ulbricht
Trainer: Hannes Drews

Tore: 1:0 Kifuta Kiala Makangu (40.); 2:0 Dominique Ndure (43.); 2:1 Julian Ulbricht (Foulelfmeter, 74.); 2:2 Faride Alidou (77.); 3:2 Dennis Rosin (Foulelfmeter, 80.)

Schiedsrichter/in: Rene-Alexander Rose – Assistenten: Maurice Milczewski, Lenard Stichnoth

Zuschauer: 1126 im Marschweg-Stadion

Gelbe Karte: Kifuta Kiala Makangu (3.) / Henrik Giese (3.), Julian Ulbricht