Oldenburg. Vier der vergangenen fünf Spiele haben beide Mannschaften gewonnen. Das zumindest klingt schon mal recht ausgeglichen. Dennoch suggeriert die Statistik eine klare Rollenverteilung, wenn der VfB Oldenburg am Sonntag um 13 Uhr beim VfL Wolfsburg II aufdribbelt. Die Blauen sind Außenseiter, aber einer mit Chancen.

Als Titelverteidiger sind die Jungprofis in die Saison gestartet und die Tabelle macht deutlich, dass die Wolfsburger auf dem besten Weg sind, ihren Erfolg aus der Vorsaison zu wiederholen. Dann allerdings mit einem „happy end“, denn der Meister steigt in dieser Serie bekanntlich direkt auf. Zweimal sicherten sich die „Wölfe“ in den vergangenen Jahren den Titel, zweimal scheiterten sie hernach aber in der Relegation. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten des Bundesligisten hat das allerdings kaum Folgen. Saison für Saison schicken die Wolfsburger ein Ensemble ins ungleiche Rennen, das als Titelanwärter gelten muss.

Dabei profitierten Trainer Rüdiger Ziehl und seine Mitarbeiter natürlich von der guten Wolfsburger Jugendarbeit, die mit beeindruckender Regelmäßigkeit bestens geschulte Talente liefert. Eben jene werden ebenso regelmäßig angeleitet von erfahrenen Kickern, die teils extern verpflichtet, teils vom Bundesligakader „geliehen“ werden.

So viel Qualität zeigt sich natürlich auch im Tabellenbild. Wolfsburg führt das Klassement an, hat zwei Spiele mehr ausgetragen als Verfolger VfB Lübeck, aber auch schon sieben Punkte Vorsprung. Vor allem in der heimischen AOK-Arena sind die Wolfsburger mittlerweile wieder eine Macht, haben sechs Spiele gewonnen, zweimal unentschieden gespielt und einmal verloren. Noch beeindruckender ist die Trefferbilanz, denn die Grün-Weißen erzielten zuhause 27 ihre insgesamt 53 Tore, kassierten aber nur deren acht.

Der Trend stimmt den ambitionierten Club fraglos auch zuversichtlich, denn die Nachwuchsriege feierte zuletzt vier Siege in Folge, fertigte dabei etwa Weiche Flensburg mit 3:0 ab und scheint die Liga zu dominieren. Am vergangenen Wochenende siegten die „Wölfe“ beim heimstarken BSV Rehden 1:0, durch einen Treffer von Routinier Michele Rizzi.

So weit, so beeindruckend. Es gibt allerdings auch Zahlen und Fakten, die den Blauen und ihren treuen Fans Mut machen. Bei Altona 93 und Holstein Kiel II unterlagen die Wolfsburger 1:4, Hannover 96 II gewann 3:0 und der SSV Jeddeloh konnte mit einem verdienten 1:1 ebenfalls beim Meister punkten. Frei von personellen Sorgen ist Trainer Rüdiger Ziehl ebenfalls nicht. John Yeboah, einer der Torschützen beim 3:0-Hinspielsieg des VfL, wurde mittlerweile an VV Venlo verliehen. John Ihredale, im Hinspiel ebenfalls erfolgreich und mit neun Treffern zweitbester Torschütze seiner Mannschaft, hat sich eine Fußverletzung zugezogen und fällt aus.

Während den Trainern andernorts wohl mulmig würde, dürfte der Wolfsburger Fußballlehrer gelassen bleiben, denn er kann aus einem großen Portfolio an begabten Fußballern wählen. Immerhin 30 Spieler wurden in der Nachwuchsriege bereits nominiert. Regelmäßig am Ball sind dabei etwa Yannik Möller, Luca Horn und Tim Siersleben. Auch der Ex-Oldenburger Anton Stach ist beim VfL eine feste Größe und stand in 16 Spielen auf dem Rasen. Bester Torschütze ist derweil Mamoudou Karamoko, der zehn Treffer erzielt hat. Es ist übrigens einer von insgesamt 13 Torschützen, was das Verteidigen sicher nicht einfacher machen wird.

Dennoch, die Oldenburger haben in Wolfsburg oft gut ausgesehen, wenngleich der letzte Sieg aus dem Jahr 2015 datiert. In der vergangenen Saison holte der VfB beim 0:0 einen hochverdienten Punkt.

Unsere Mannschaft hat in der Vorwoche einen verdienten Sieg über starke Kieler erspielt, der durchaus höher hätte ausfallen können. Klar ist, die Blauen werden sich nochmals steigern müssen. Vor allem defensiv wird der VfB alles abrufen müssen, um in Wolfsburg zu punkten. Ebenso klar ist aber auch, dass die Mannschaft von Alex Kiene immer in der Lage ist, offensive Akzente zu setzen.

Die Wolfsburger werden sich kaum die Nachlässigkeit erlauben und die Kiene-Truppe auf die leichte Schulter nehmen. Im Ergebnis war es letztlich zwar klar, doch das Hinspiel war alles andere als eine klare Sache. Lange konnte der VfB in einem Spiel auf Augenhöhe mithalten, nutzte im Gegensatz zu den Gästen aber seine Möglichkeiten nicht.

Ob Alex Kiene am Sonntag personelle Änderungen vornehmen wird, ist offen. Der eine oder andere Spieler ist angeschlagen, der Kader aber breit genug aufgestellt, um verschiedene Optionen zu bieten.  Mit der lautstarken Unterstützung der Fans ist auch in Südniedersachsen etwas drin. Die Oldenburger Fan Initiative setzt übrigens einen Bus ein, es sind noch einige Plätze frei. Anmeldungen unter: Auswaerts@ofi-oldenburg.org